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Zwei Majors und drei Independents

Zwei Majors und drei Independents
Frankfurt war mal eines der Zentren im Filmverleih – und heute?
Von Claus Wecker

Ist das Glas halb leer oder halb voll? Diese Frage stellt sich, wenn von Frankfurt als Filmverleiher-Standort die Rede ist. Wenn man vier, fünf Jahrzehnte zurückschaut, also sogar in eine Zeit, in der immer mehr Spielfilme im Fernsehen gezeigt wurden, waren in Frankfurt noch alle großen amerikanischen Filmverleiher vertreten, zumindest mit Niederlassungen für den Bereich Deutschland Mitte. Die Zentrale von United Artists residierte beispielsweise in einer schönen Villa am Rand des Bahnhofsviertels.

1982 ging aus dem Harmonie Kino die Filmproduktion und der Verleih Pandora hervor, der über zwei Jahrzehnte den Arthouse-Bereich hierzulande entscheidend mitgeprägt hat. Verleih und Produktion zogen nach Köln der Filmförderung wegen. Der Verleih wurde 1998 an Kinowelt verkauft und nach der Kinowelt-Insolvenz neu gegründet – in Aschaffenburg. Wenn man also an vergangene Tage denkt, ist das halbvolle Glas eine höfliche Beschreibung. Indes gab es in jüngsten Jahren auch zwei Neugründungen von Verleihbetrieben.

Twentieth Century Fox (TCF) und Universal Pictures International (UPI) sind die Majors, die mit ihrer Deutschlandzentrale in Frankfurt geblieben sind. Eine von ihnen, die Fox, schaut in eine ungewisse Zukunft. Die amerikanische Mutter wurde gerade von der Walt Disney Company übernommen. Wie zu hören ist, soll die Marke TCF erhalten bleiben. Andererseits ist bei solchen Aktionen immer von Synergieeffekten die Rede, und die kommen bekanntlich durch Zusammenlegung von Verwaltung und Personaleinsparung zustande.

Auch UPI blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. 1970 wurde die internationale Verleihtochter der Universal Pictures mit Paramount Pictures zur Cinema International Corporation (CIC) für den Vertrieb außerhalb der USA zusammengelegt (später kam noch Metro-Goldwyn-Mayer hinzu). Anfang 1980 wurde das Unternehmen in United International Pictures (UIP) umbenannt. 1999 wurde UIP, vor allem aus kartellrechtlichen Gründen, wieder entflochten und zu Uinversal Piuctures Intenational (UPI) umbenannt.

Auf der Hitliste der deutschen Kino-Top-Ten ist UPI mit drei Filmen vertreten: „Fifty Shades of Grey – Befreite Lust“, „Jurassic World – Das gefallene Königreich“ und „Der Grinch“. Vom Gesamtumsatz der deutschen Kinos in Höhe von gut einer Milliarde Euro 2017 sind auf UPI Germany (mit etwa 30 Mitarbeitern) knapp 70 Millionen Euro entfallen.

Als Nischenverleih sui generis kann man die Frankfurter Firma Pro-Fun Media bezeichnen. Im Juni 1993 als Versandhaus für schwul-lesbische Medien gegründet, erwarb das Unternehmen bereits Ende 1993 die erste Filmlizenz und begann die Filmproduktion auf Video. Ab März 2000 kam der Kinoverleih hinzu, in dem jährlich etwa vier Filme (2018 waren es sieben) veröffentlicht werden. Auch bei Pro-Fun Media gilt die klassische Geschäftsmaxime, dass eine Kinoauswertung auch beim Verkauf der DVDs und Blu-rays respektive beim Video on Demand (VoD) hilft.

Mit der Veröffentlichung der originellen Musikdoku „Sing It Loud – Luthers Erben in Tansania“ gründeten Julia I. Peters und Jutta Feit 2017 ihren eigenen Verleihbetrib die jip film & verleih. Die Inhaberinnen wollen ihre Filme ganz dezidiert als Anstoß für Veränderungen in unserer Gesellschaft verstanden wissen, für mehr soziale Verantwortung und mehr Umweltschutz. Für die nachhaltige wirtschaftliche Auswertung ihrer Filmtitel bauen sie für jeden Einzelfall ein Netzwerk von Partnern auf, mit denen sie im Arthouse-Kino und anderen Spielstätten wie etwa Jugendhäusern oder Gemeindezentren kooperieren. Sieben Produktionen sind bis jetzt im Verleihprogramm, die neueste, „Ink of Yam“, über eines der ältesten Tattoo-Studios in Jerusalem, soll am 9. Mai ins Kino kommen.

Die hessische Filmförderung scheint nun auch im Verleihsektor zu greifen. So gibt es jetzt mit Four Guys Film Distribution eine weitere Neugründung in Frankfurt. „Wir möchten anspruchsvollen Filmen und Projekten die Plattform bieten, die sie benötigen, und teilen dabei eine gemeinsame Leidenschaft und große Liebe – den Film“, erklären die Filmhochschulabsolventen, die Produzenten Dominik Utz, Martin Schwimmer und Marvin Rößler und Regisseur Enkelejd Lluca. Ihr erster Film „La Palma“, eine romantische Tragikomödie von Erec Brehmer, lief im Januar auf dem Max-Ophüls-Filmfestival in Saarbrücken. Die Kinopremiere in Frankfurt ist für den Sommer geplant.

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