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Zur Zukunft des Filmverleihgeschäfts

Zur Zukunft des Filmverleihgeschäfts
Anworten auf die Herausforderungen des Marktes finden / Eine Positionsbeschreibung des Verbands der Filmverleiher (VdF)
Von Johannes Klingsporn*

Als Risikofinanzier übernehmen die Verleiher bei der Finanzierung der Filmherstellung eine Bankfunktion. Banken lehnen Risiko-Projektfinanzierungen ab. Laut Statistiken des Deutschen Filmfernsehfonds (DFFF) gehören die Verleiher regelmäßig zu den wesentlichen Risikofinanziers; ihr Anteil liegt häufig über dem Anteil der TV-Sender. Wenn die Verleiher, gerade in der bestehenden schwierigen Wirtschaftslage, dieses Risiko durch teils substanzielle Garantien und hohe P&A-Investments (Kosten für Prints und Advertising) eingehen, sollte sich dieses Risiko auch in den Förderbedingungen widerspiegeln.

Die Verleiher finanzieren mit Eigenmitteln die Herausbringung aktueller Kinofilme. Bei deutschen Kinofilmen deckt die Förderung der Herausbringungskosten nur einen vergleichsweise geringen Anteil ab (circa 35 Prozent), eine Beteiligung der Produzenten an den Herausbringungskosten findet in der Regel überhaupt nicht statt.

Der Verleih hat die fundamentale Aufgabe, für sein Produkt genau die Zielgruppen zu bestimmen und anzusprechen, die ein möglichst großes Besucherpotential versprechen. Der VdF schätzt, dass ein Vermarktungsbudget von circa 90 Millionen Euro notwendig ist, um mit deutschen Kinofilmen 40 Millionen Besucher pro Jahr zu erreichen. Bei einer Finanzierung dieses Budgets in Höhe von 50 Prozent durch Fördermittel wäre ein Fördervolumen von 45 Millionen Euro notwendig. Der VdF erwartet deshalb von allen Förderinstitutionen, die den deutschen Kinofilm stärken wollen, dass angemessene Budgets für die Filmvermarktung mitgedacht und mitbudgetiert werden.

Durch die Zunahme des Filmangebotes wird das Kino immer mehr zum „Flaschenhals“. Laut SPIO-Statistik hat sich die Zahl der erstaufgeführten Langfilme von 359 im Jahr 2003 auf aktuell fast 600 Filme erhöht. Dabei hat sich das Angebot an europäischen und US-Filmen in den deutschen Kinos in dem genannten Zeitablauf kaum verändert. Die Zunahme geht vielmehr auf die erhöhte Zahl deutscher Kinofilme zurück. Dieses hohe Angebot führt dazu, dass Filme immer häufiger in Schiene gespielt und früher abgesetzt werden. Weniger Vorstellungen bedeuten aber immer niedrigere Besucher- und Umsatzzahlen für den jeweiligen Film.

Der Erlebnisort Kino in Deutschland zeigt verschiedene Schwachstellen, die auch ein Grund dafür sind, dass die Kinozahlen im letzten Jahr um rund 16 Prozent gefallen sind und mit circa 105 Millionen Besuchern einen Tiefpunkt erreicht haben. Mit 1,3 Besuchen je Einwohner verlieren die deutschen Kinos auch international massiv an Wettbewerbsfähigkeit.

Gleichzeitig konkurrieren neue digitale Streamingangebote auf der Angebotsseite um die besten Köpfe im Kreativ- und Produktionsbereich und auf der Nachfrageseite um das Zeit- und Geldbudget der Kino-Konsumenten. Dies trifft übrigens auf alle entwickelten Filmmärkte zu.

Diese Entwicklung, risikoreiche volatile Kinoverwertung und unsichere Verwertung in den anderen Märkten (Offline-Video, T-VoD-Video, Pay-TV, Free-TV und S-VoD) schaffen schwer kalkulierbare Verwertungsprognosen für Investments in Produktion, Verleih und Kino. Wir glauben deshalb, dass bei diesem Szenario die Branche zunächst selbst gefordert ist, eine eigene Standortbestimmung vorzunehmen.

In diesem Szenario steht der Kinofilm im Zentrum der Debatte. Erfolg muss sich auch für die Filmschaffenden lohnen. Es besteht das gemeinsame Interesse, die Auswertung in den Filmtheatern nachhaltig zu stärken und durch die Veredelung in den Kinos möglichst in allen weiteren Ebenen fortzusetzen. Diese Verwertungsebenen müssen aber auch wirklich nutzbar sein. Deshalb muss über angepasste Fensterregelungen und verwertungsfeindliche Terms of Trades bei Kino/TV-Koproduktionen diskutiert werden.

Das Gemeinschaftserlebnis Kino hat eine große Zukunft, wenn der Kinokunde im Zentrum der Kinobranche steht. Als Sofortprogramm muss die digitale Kundenansprache unter Nutzung aller Social-Media-Kanäle durch die Kinos noch in diesem Jahr umgesetzt werden.

* Der Autor ist Geschäftsführer des Verbands der Filmverleiher (VdF)

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