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Von den Problemen, einen Film einzusetzen

Von den Problemen, einen Film einzusetzen
Hessische Landkinos hängen oft am Gängelband der Großverleiher
Von Erwin Heberling*

In Hessen verfügen noch viele kleinere Städte über ein Kino, jedoch gibt es etwa seit der Jahrtausendwende eine beunruhigende Tendenz. Insbesondere mit dem Aufkommen der Multiplexe Ende der 1990er Jahre und angesichts einer rasanten Entwicklung digitaler Angebote gerieten viele Landkinos in schwieriges Fahrwasser. Es kam zum befürchteten Kinosterben. So ist die Zahl der hessischen Kommunen, die über ein Filmtheater verfügen, seit 2001 von 85 auf 72 zurückgegangen.

Dass Kinos in den Regionen überhaupt überleben konnten, hat viel damit zu tun, dass es im mittlerweile überholten analogen Zeitalter ein wirksames Förderinstrument gab: die sogenannte „Zusatzkopienförderung“ für Kinos in Orten bis zu 20.000 Einwohner. Gefördert aus Mitteln der Filmförderungsanstalt (FFA) und der Länder, wurde so gewährleistet, dass der neueste Blockbuster schon zum Starttermin oder zumindest in den ersten Wochen auch abseits der Großstädte auf die Leinwände kam.

Diese öffentliche Hilfe wurde nötig, da die US-amerikanischen Majors, um deren Produktionen es im wesentlichen ging, beim Start eines neuen Films sich vor allem auf die Großstädte konzentrierten und die Häuser auf dem Lande bestenfalls als Nachspieler einstuften. Nur mittels der Zusatzkopienförderung, wodurch den Verleihern die Kosten einer Kopie in Höhe von rund 1.000 Euro erstattet wurden, waren die Majors bereit, auch ausgewählte Landkinos startnah zu beliefern.

Die berechtigte Hoffnung war, dass sich das Kopienproblem mit dem Ende der kostenintensiven 35mm-Filmrollen erledigen würde. Denn im digitalen Zeitalter kommen die Filme in Form von Festplatten in die Kinos und sind kein relevanter Kostenfaktor mehr. Kinos auf dem Lande könnten demnach ebenso frühzeitig bedacht werden wie in den Metropolen.

Doch weit gefehlt: Wie eine Umfrage des Film- und Kinobüros Hessen ergab, leiden Kinobetreiber in kleineren Orten weiterhin unter den aus analogen Zeiten bekannten Problemen. Immer noch sind die großen Kinohits nicht zum Start zu bekommen und wenn ja, mit der Auflage, sie drei Wochen ununterbrochen und in allen Zeitschienen zu spielen. Dies bedeutet, dass in Kinos mit einem Saal, was auf dem Land der Normalfall ist, in dieser Zeit kein anderer Film laufen kann.

Bedenkt man dabei die zunehmende Kurzlebigkeit der Filme (die Besucherzahlen gehen schon in der dritten Woche deutlich zurück), wird klar, warum sich viele Kinos unter diesen Bedingungen gegen einen frühen Einsatz entscheiden, damit aber deutliche Einnahmeverluste in Kauf nehmen. Aktuelle Hilfe verspricht hier eine neue FFA-Regelung, derzufolge bei FFA-verleihgeförderten Filmen 2 bis 5 Prozent der Startkopien in kleinen Orten zum Einsatz kommen sollen. Wie die Erfahrung zeigt, greift diese Regelung aber nicht und müsste dringend nachgebessert werden.

Anzumerken bleibt, dass die beschriebenen Probleme nicht generalisiert werden dürfen. In vielen Fällen arbeiten die Filmtheater und Verleiher gut zusammen. So berichten viele Kinobetreiber, insbesondere der Programmkinos, von einem langjährigen vertrauensvollen Miteinander mit den Disponenten. Insbesondere bei Arthouse-Filmen hat die kostensparende Umstellung auf digitale Kopien für deutliche Verbesserungen beim Kopieneinsatz und für eine unkomplizierte wunschgemäße Belieferung gesorgt.

Die Politik hat mittlerweile erkannt, dass Kinos als soziokulturelle Orte in den ländlichen Räumen eine zentrale Rolle spielen und ihr Erhalt gefördert werden muss. Darauf zielt Hessen ab, indem es sein im letzten Jahr gestartetes Kino-Investitionsprogramm von jährlich 500.000 Euro auf bis zu 80 Prozent Zuschuss pro Antrag erhöht hat. Auch der Bund startet 2019 mit einem kleinen, fünf Millionen Euro umfassenden Soforthilfeprogramm, ebenfalls mit 80 Prozent Zuschuss pro Antrag für Kinos in Orten bis zu 25.000 Einwohnern. 2020 soll ein größeres „Zukunftsprogramm Kino“ des BKM aufgelegt werden.

Kinos auf dem Lande haben nun die Chance, auf den neuesten Stand gebracht zu werden. Doch gerade die Landkinos benötigen auch den frühen Zugang zu den wirtschaftlich wichtigen, umsatzstarken Filmen, und das zu akzeptablen Konditionen. Hier ist letztendlich auch die Verleihbranche gefordert, die schließlich von jedem geförderten Kino auch profitiert.

* Der Autor ist Geschäftsführer des Film- und Kinobüros Hessen

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