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Kreativität, Schnelligkeit und noch viel mehr

Kreativität, Schnelligkeit und noch viel mehr
Das Berufsbild des Szenenbildners beim Film
Von Andrea Wenzek

Die erste Minute eines Films gehört in den wenigsten Fällen dem Gesicht eines Darstellers. Vielmehr soll sich das Publikum erst einmal orientieren, in welcher Epoche und in welchem Milieu spielt die Story: Ein Nierentisch markiert die 1950er Jahre, ein mit Blumen bemalter Bulli weist auf das Hippie-Milieu hin. Auch der Ort des Geschehens kann es sein. Eine Luftaufnahme auf ein Reetdach lässt auf den ländlichen Norden Deutschlands schließen. Im Vorfeld des Drehs hat sich der Szenenbildner über diesen Look, das Farbkonzept und die Bildausschnitte zusammen mit der Regie, Kamera, Kostümbilds anhand des Drehbuchs abgestimmt.

Der Szenenbildner ist der künstlerisch und konzeptionell eigenverantwortliche Gestalter des räumlich-visuellen Erscheinungsbilds eines Filmwerks. Dazu gehören Landschaften, Räume und Gegenstände. Das hört sich ziemlich kreativ an, ist es aber nicht nur. „Es gehören auch die Schnelligkeit im Handeln und wirtschaftliches Denken dazu“, bekräftigt Anette Reuther aus Frankfurt, seit 30 Jahren Szenenbildnerin von zahlreichen, auch internationalen TV- und Kinofilmen. Sie hat in ihrem Beruf auch einen eigenen Etat zu verwalten. Außerdem sind Szenenbildner Leiter des Art Departments, zum Team gehören unter anderem Locationscouts, Requisiteure, Setdresser und die Baubühne am Set.

Die Vorbereitungszeit für die Dreharbeiten ist kurz. Jetzt gilt es, schnell eine Grundlage für die künstlerische Gestaltung des Films zu schaffen: Drehorte suchen und geeignete Motive finden. Und die müssen vom technischen, logistischen und finanziellen Aufwand her realisierbar sein. In der Ausführungsplanung werden Szenenbildentwürfe gezeichnet und Moods erstellt Visual Effects (VFX) müssen darin mit einbezogen werden.

Zu den Entwürfen gehören auch Spezialkonstruktionen für Bauten. Vor dem jeweiligen Drehtag richtet der Szenenbildner mit seinem Team die ausgewählten Motive ein, dazu gehören die Gestaltung der Wände und Böden, der Einbauten und zuletzt das Mobiliar und die Requisiten. Während der Dreharbeiten hat der Szenenbildner vor allem zu kontrollieren, dass sein Team die gestalterischen Vorgaben organisatorisch und logistisch umsetzt. In der Vorbereitungszeit kalkuliert der Szenenbildner die zu erwartenden Kosten, der Etat wird von ihm fortlaufend streng überwacht.

Szenenbildner haben meist ein Studium in einem künstlerisch-technischen Beruf wie Design, Architektur oder Innenarchitektur absolviert. Der klassische Weg in den Beruf gestaltete sich lange nur als Quereinstieg über ein Praktikum, einigen Assistenzen bis zu den ersten kleineren Filmen als eigenständiger Szenenbildner. Seit 1991 gibt es den Studiengang der Szenografie an deutschen Hochschulen.

Kürzlich hat der Geschäftsführer der Bavaria Film Christian Franckenstein in der „SZ“ eingeräumt, dass der Branche der Nachwuchs ausginge, auch weil die Arbeitsbedingungen in der Filmproduktion für Berufseinsteiger wenig attraktiv wären. Anette Reuther meint, auch einige altgediente Fachkräfte hätten wegen der steigenden Arbeitsbelastung ihren Beruf aufgegeben. „Heute gibt es bei TV-Spielfilmen vor Drehbeginn oft nur noch eine Vorbereitungszeit von zirka vier bis fünf Wochen. Um einen 90minuten- Film gut vorbereiten zu können, sind sechs Wochen das Minimum.“

Reuther fürchtet auch, das System im Art Department drohe bald zu implodieren. Warum? „Wir haben zu wenig Praktikanten für die verschiedenen Gewerke.“ Seit der Einführung des Mindestlohns werde aus Kostengründen an ihnen gespart. Das gelte auch für die Assistenzen der Außen-und Innenrequisieure, Setdecoratoren und -dresser. Die Heads müssten die jeweilige Arbeit oft alleine bewältigen. Nur das Szenenbild habe im kreativen Team einen Anspruch auf eine Assistenz, die anderen nicht.

Unter den Szenenbildnern wird allgemein beklagt, dass die Arbeitsintensität enorm gestiegen sei. Es fehlten Grafiker, um vorhandene Werbung am Drehort umzugestalten, seien es die Etiketten auf Tomatendosen oder Plakatwände. Auch Bildrechteabklärungen sind heute zeitintensiv, diese Arbeit sollen nun Szenenbildner und Requisiteure zusätzlich übernehmen.

Generell aber lässt die Arbeitsverdichtung in der Filmcrew erfahrene Filmschaffende mittlerweile das Handtuch werfen. Innerhalb der Szene ist dies bereits seit Jahren ein Dauerthema, das die Produzentenallianz demnächst mit einer Mitglieder-Umfrage angehen will. Um verläßliche Zahlen zu haben, wie es heißt.

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