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Impulsgeber für die Kreativszene

Impulsgeber für die Kreativszene
Das Filmhaus Frankfurt wird 30 Jahre alt
Von Rudolf Worschech

Viel umgezogen ist das Filmhaus Frankfurt in dieser Stadt, und nicht immer freiwillig, wenn man einmal überlegt, wo es seine Büroräume in den letzten drei Jahrzehnten überall hat finden müssen: in Bockenheim, im Fischerfeldviertel, im Ostend und jetzt in der Innenstadt, an der Konstablerwache. Ein repräsentatives Gebäude ist der Sechziger-Jahre-Bau an der Fahrgasse 89 nicht, wo das Filmhaus in der vierten Etage seit 2016 residiert. Aber es arbeiten in diesem Gebäude auch das Film- und Kinobüro Hessen, das Medienzentrum Frankfurt, der Bundesverband kommunale Filmarbeit (BkF) oder der Bundesverband Jugend und Film (BJF), alles Institutionen, die an einem gleichen filmkulturellen Strang ziehen – der regelmäßige fachliche Austausch natürlich inbegriffen.

Vernetzung und Vermittlung, das waren auch die Grundideen der 35 Leute aus der Frankfurter und hessischen Filmszene, Cutter, Regisseure, Autoren und viele andere Berufssparten, als sie vor 30 Jahren die Vision des Filmhauses als Ausgründung aus dem hessischen Filmbüro aus der Taufe hoben. Und vielleicht sind Vermittlung und Vernetzung ja auch die wichtigeren Ideen, als auf große, repräsentative Büros zuzusteuern. Zumindest hat sich das Filmhaus ersteres von Anbeginn an auf seine Fahnen geschrieben. Und ist dem bis heute treu geblieben.

Das Filmhaus, von der Stadt Frankfurt gefördert, will Kreative miteinander verbinden, es will seinen Teil zur Nachwuchsförderung beitragen, und es ist ein Impulsgeber für die filmkulturelle Szene der Region. Es hat sich stets in die filmpolitischen und Standort-Diskussionen der letzten Jahre eingemischt, hält die Flagge hoch für ein unabhängiges, künstlerisches Kino und legt sich da auch mal mit der Politik an.

Nach wie vor steht im Mittelpunkt der Arbeit das Angebote an Seminaren, Workshops und Fortbildungskursen. Das Filmhaus bietet in seinen Räumen pro Jahr rund 35 solcher Veranstaltungen an. „Das Seminarspektrum hat sich allerdings sehr verändert in den letzten Jahren“, sagt Geschäftsführer Ralph Förg, der diesen Job 1998 von Ernst Szebedits übernommen hat. „Vor 20 Jahren war der Film noch analog, vor 20 Jahren gab es keine geregelte Filmausbildung in Hessen außer an der HfG in Offenbach. In diesem Zeitraum haben sich in Hessen zig Ausbildungsstätten herausgebildet, die das Handwerkliche, das wir angeboten haben, professionell unterrichten wie Schnitt oder Tonbearbeitung. Deswegen bieten wir das nicht mehr an“.

Die Schwerpunkte des Seminarprogramms liegen heutzutage bei organisatorischen Dingen, etwa zu den Produktionsanforderungen, zu Aufnahmeleitung oder Produktionsleitung, es gibt Veranstaltungen zum Thema Kostenfallen beim Dreh oder wie man Independent-Produktionen organisiert, es gibt Seminare zu juristischen Themen: Wem gehört eigentlich ein Film? Nach wie vor gibt es aber auch noch Drehbuchseminare. „Liane Jessen, die Fernsehspielchefin des Hessischen Rundfunks“, erzählt Förg, „kommt zweimal im Jahr zu uns und spricht dann nicht nur darüber, wie die Arbeit in ihrer Redaktion läuft, sondern führt dann auch ins Schreiben für bestimmte Formate und bestimmte Sendeplätze ein.“

Das Veranstaltungsprogramm des Filmhauses findet man in dieser Zeitschrift, der GRIP, die aber viel mehr ist als ein Ankündigungsblatt, sondern zweimal im Jahr - in einer Auflage von 4.000 Stück - über die Filmszene in Hessen berichtet. Das Filmhaus Frankfurt mit seinen rund 100 Mitgliedern und 40 Firmen begreift sich auch als Unterstützer der hiesigen filmkulturellen Szene und beteiligt sich an Festivals. Seit zehn Jahren etwa ist es Mitträger der Visionale, des Jugendmedienfestivals in Frankfurt, auch an der Reihe Cuba im Film im Filmforum Höchst ist das Filmhaus beteiligt.

Als die Filmhaus-Idee vor 30 Jahren aufkam, sollte - nach dem Vorbild des Filmhauses in Hamburg - so etwas wie ein Medienzentrum entstehen, mit Büros für Filmfirmen, Produktionsräumen, kleinen Studios und Kinosälen – alles unter einem Dach, dem Dach der sogenannten Boschfabrik in Bockenheim. Die damals leeren Kassen und die unglücklich agierende Kulturdezernentin Linda reisch ließen diesen Traum zerplatzen. „Aber ich träume diesen Traum von einem großen Haus für den Film immer noch“, sagt Ralph Förg, dem inhaltliche Diskussionen und ein Engagement für die Kreativen immer wichtiger waren als ein repräsentatives Büro oder ein Dienstwagen.

Als Geschäftsführer erleben wird er diesen Traum freilich nicht mehr, denn er geht Ende dieses Jahres in den Ruhestand. Aber dann werden ihn andere weiterträumen. Hoffentlich – und ihn eines Tages vielleicht auch realisieren!

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