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Gelegenheiten ergreifen und am Zahn der Zeit bleiben

Gelegenheiten ergreifen und am Zahn der Zeit bleiben
Vier spezialisierte Medienfirmen unter einem Dach bei der ACAM Network in Eckenheim
Von Birgit Schweitzer

Wie das Filmhaus feiert auch Jürgen Rumbuchner von ACAM Network dieses Jahr sein 30-jähriges Jubiläum. Ursprünglich wollte er Glaskunstmaler werden, hat sogar ein Fenster für Paul McCartney nach einer Vorlage von Bryan Clark bemalt. Irgendwann wunderte er sich, dass kaum jemand in diesem Beruf älter als 40 Jahre war. Die Glasmalfarben waren mit Blei, Cadmium und Lösungsmitteln versetzt und stark gesundheitsschädlich. So hörte er rechtzeitig auf und studierte in Frankfurt Kunst- und Musikpädagogik. In der Film- und Fernsehklasse des Fachs Malerei realisierte er einen Stop-Motion-Kurzfilm, was ihm viel Spaß brachte.

Der nächste überspringende Funke war, dass der Bassist in seiner Band, ein Tontechniker, ihn als Aufnahmeleiter für einen Kinokurzfilm vermittelte. Hier entdeckte Rumbuchner sein Interesse an der Kameraarbeit. Bei einem früheren Kameramann des Hessischen Rundfunks (hr) konnte er als Assistent anheuern und lernte so das Geschäft. Im November 1989 machte er sich schließlich (zusammen mit einem Partner) selbständig - mit EB-Teams und Schnitt. Unter der Firmierung ACAM tat er sich 1994 beruflich mit seiner Frau Verena Hinsemann, Cutterin von Beruf, zusammen.

Richtig los ging es mit dem Aufkommen der privaten Sender. „Unser Glück war, dass es großen Bedarf an Kamera- und Tonleuten und Cuttern gab.“ Von seiner Frau kam der entscheidende Hinweis, dass im Zuge der Wiedervereinigung in den neuen Bundesländern Teams gesucht wurden. So waren sie in Erfurt vorne dabei, bekamen einen Halbjahresvertrag als EB-Team für das RTL Regionalfenster, mit traumhaften, heute undenkbaren, Bedingungen: einer garantierten Zahlung von 20 Drehtagen. Mit dem Vertrag in den Händen konnten sie einen Kredit beantragen, um Equipment anzuschaffen. Von 1990 bis 1994 bestand eine Dependance in Erfurt.

1997 zog die Firma nach Bockenheim in die Mühlgasse und seit 2012 residiert ACAM Network nun auf 409 Quadratmetern in Eckenheim am Tennisclub in der Sigmund Freud Straße, mit Büros, drei Schnittplätzen, drei Grafikplätzen und einer Tonkabine. Im Technikraum befinden sich 12 Kameraausrüstungen mit 30 Kameras verschiedenster Technik – angepasst jeweils an das System der Auftraggeber - sowie zusätzlich Steadicams und Drohnen für Luftaufnahmen.

Sechs Aufträge am Tag werden für alle deutschen Sender im Bereich Reportage, Doku und Magazinbeiträge bedient - vor allem für den hr, das ZDF, RTL, Pro 7 und Kika. Entsprechend findet sich im Technikraum eine bunte Vielzahl an Mikrofonen mit allen Senderlogos. Für den hr übernimmt die Firma auch Bereitschaftsdienste. Derzeit ist der Alien-Fan Rumbuchner für eine dreiteilige Reportage über Digitale Nomaden für den SWR weltweit mit der Kamera unterwegs. Neben dem Lager gibt es außerdem ein Studio mit Greenscreen, in dem Einspieler für Rankingshows gedreht werden. Unter anderem saßen Sonya Kraus und Mundstuhl schon dort.

Die ACAM produziert ebenfalls die Sondersendungen für den hr zum Hessischen Filmpreis und zum Sportpresseball, moderiert von Holger Weinert. „Das ist immer sehr herausfordernd. Nachts wird gedreht, dann das Material eingespielt und geschnitten. Am nächsten Abend wird mit einem halbstündigen Beitrag direkt auf Sendung gegangen.“ Normalerweise realisiert man pro Stunde drei bis fünf Minuten Film im Schnittraum.

Ein wesentliches Standbein der Firma ist darüber hinaus die Produktion von Industrie- und Schulungsfilmen sowie animierten Erklärfilmen für Inhousekommunikation. Bekannte Namen wie VOLVO, die Deutsche Bank, Goldwell, Bofrost, der Deutsche Apothekenverband, das Hessische Wirtschafts- und Finanzministerium sind Rumbuchners Kunden. Heute präsentiert sich die Firma somit als Full Service Medienunternehmen mit einem Jahresumsatz von 1,6 Millionen Euro mit vier vernetzten Firmen unter einem Dach: ACAM (Film und Video), Mausmeister.com (Grafikdesign) und D!bs (Kreativkonzepte), alle unter der Geschäftsleitung von Jürgen Rumbuchner, und die AVERA-Postproduktion unter der Führung von Verena Hinsemann.

Aktuell sind 28 Festangestellte, davon zehn Kameraleute, zusätzlich einige feste Freie bei der ACAM beschäftigt. „Wir fühlen uns wohl mit dieser Größe." sagt Rumbuchner und fügt hinzu: "Weiter zu expandieren bringt zwar mehr Umsatz, aber nicht unbedingt mehr Gewinn und wird irgendwann unpersönlich.“

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