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Eine unverzichtbare Anlaufstation

Eine unverzichtbare Anlaufstation
Netzwerkstrukturen und die politische Arbeit weiterführen – das vor allem wünschen sich die jungen Kreativen vom Filmhaus Frankfurt der Zukunft
Von Birgit Schweitzer

Das Filmhaus wird 30 und der langjährige Geschäftsführer des Filmhauses Ralph Förg wird Ende des Jahres in den verdienten Ruhestand gehen. Das ist ein Anlass, bei der jüngeren Generation der Filmschaffenden einmal nachzufragen, wie sie sich das Filmhaus der Zukunft vorstellen.

„Unverzichtbar ist das Filmhaus schon allein deshalb, weil es einen Anlaufstation bietet für jeden, der mit der Branche in Kontakt kommen will. Ralph Förg hat immer Orientierung gegeben, fungierte als Schnittstelle zwischen Filmbegeisterten und der etablierten Branche“, erzählt Jakob Zapf, Regisseur („Mein Kampf“) und Geschäftsführer von Neopol Film und Clipcult. Das Filmhaus sei ein wichtiger Knotenpunkt der Kommunikation und ein Begegnungsort vieler Initiativen, meint auch Melanie Gärtner, Dokumentarfilmerin („Yves Versprechen“) und seit neustem Sprecherin der AG-Dok Hessen. Sie würde erwarten, das dies auch in Zukunft so bliebe.

Ein wichtiger Punkt sei überdies die Verbesserung der Ausbildungssituation in Hessen. Jakob Zapf und Melanie Gärtner sehen hier eine zukünftige Aufgabe für das Filmhaus. „Es herrscht ein Fachkräftemangel und für viele Gewerke wie Schnitt, Kostüm, Szenenbild und Ton gibt es zu wenig qualifizierten Nachwuchs“, so Melanie Gärtner. „Wir sind gerade dabei, den Bedarf zu eruieren, denn für einige Berufe gibt es die Mediengestalterausbildung in Unternehmen."

Einen Schritt weiter will Christoph Struck gehen, der im Vergleich zu anderen Filmhäusern wie Köln oder München noch Steigerungspotential sieht. "Wenn ich mir wünschen könnte, wie das Filmhaus Frankfurt in fünf Jahren dastehen wird, dann hätte es ein größeres Repertoire an Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten, vielleicht sogar Masterclasses, für die man wirklich exzellente Leute hierherholt.“ Dabei sollten nicht nur die Klassiker Produktion und Drehbuch angeboten werden, sondern auch Seminare mit praktischen Anteilen, bei der alle Gewerke abgedeckt werden, um eine höhere Professionalisierung zu erreichen, so der Geschäftsführer des Film- und Kinobüros, der jüngst einige Auszeichnungen für seinen Kurzfilm „The Third King“ erntete und gerade an seinem ersten Langfilmdrehbuch schreibt.

Als das Filmhaus 1989 gegründet wurde, wurden Filme im Kino und im Fernsehen gesehen. Die Medienlandschaft hat sich seitdem sehr verändert. Das Fernsehen der nachwachsenden Generation ist im Internet und heißt Netflix oder Amazon oder Sky, wo vornehmlich internationale Formate angesehen werden. Filme werden ansonsten auf Youtube geschaut.

„Ich glaube, das Filmhaus täte gut daran, auf den Zug aufzuspringen, dass die jungen Leute Medien anders nutzen“, erklärt Jakob Zapf. Das eröffne auch die Möglichkeit, mit noch weiteren Institutionen zu kooperieren. „Was auf jeden Fall reinkommen müsste, wäre Internationalität. Leute herzuholen, die ganz anders arbeiten, als es hier üblich ist.“ Das Problem an der Filmszene in Deutschland sei, dass sie zu stark vom Fernsehen und der Förderung geprägt sei.

Philipp Mehler, der im Filmhaus für Projektleitung zuständig ist und ansonsten Kurzfilme („Nemesis“) macht sowie die Virtual Reality Sektion beim Lichter-Filmfest betreut, beobachtet allgemein eine Stagnation im Filmland Hessen. „Wir müssen uns entscheiden. Wollen wir, dass Hessen Filmstandort wird oder nicht? Mit zwei, drei Produktionen pro Jahr geht das nicht. Wir brauchen hier etwas, was einem Filmemacher regelmäßige Beschäftigung bringt, zum Beispiel Serienformate. Als Aufgabe des Filmhauses sehe ich, so etwas in einer politisch verwertbaren Sprache zu formulieren.“

Eine solche filmpolitische Aktivität und Schlagkraft zeichnet das Filmhaus, insbesonder in der Person Ralph Förg, seit jeher aus. Diese Funktion soll, sind sich die jungen Filmemacher einig, das Filmhaus auch in Zukunft beibehalten. „Ralph Förg hat sich ein großes Standing über die Jahre erarbeitet“, so Zapf. „Er ist jemand, der sich in der Politik auskennt, und den die Politik kennt.“

Und Philipp Mehler ergänzt: „Es wird sich im Filmland Hessen oft mit Projekten von außen geschmückt, für die zwei Tage hier gedreht wird." Die regionalen Leute würden eher übersehen. Das hofft er nicht für das Filmhaus. „Ich fänd‘ es schön, wenn der neue Filmhausleiter die Szene und die Leute kennt, mit der Stadt zu tun hat und nicht jemand von außen als Geschäftsführer eingestellt wird.“

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