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Ein Anfang ist gemacht

Ein Anfang ist gemacht
Murnau-Stiftung begrüßt BKM-Filmerbe-Programm
Von Ernst Szebedits*

Die zum Jahresende 2018 verabschiedete Digitalisierungsoffensive zur Bewahrung des Filmerbes wird von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung ausdrücklich begrüßt. Durch das Abkommen, das nach langem Vorlauf zwischen Bund, Ländern und der Filmförderungsanstalt (FFA) zustande gekommen ist, werden Filmerbeeinrichtungen wie unsere Stiftung in die Lage versetzt, umfassender als bisher ihre Filmbestände zu digitalisieren und damit der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Für diese Aufgabe sind durch das Abkommen, das zunächst auf zehn Jahre angelegt ist, Fördermittel in Höhe von 10 Millionen Euro jährlich bereit gestellt.

Damit ist zumindest ein Anfang in diesem gewaltigen Projekt gemacht. Die anstehenden archivarischen Arbeiten – an zum Teil sehr alten und beschädigten analogen Filmmaterialien - sind vielfach extrem aufwendig und machen im Zuge der Digitalisierung nicht selten komplexe Restaurierungsarbeiten notwendig.

Durch die höheren Fördersummen pro Filmtitel wird zwar eine angemessene Digitalisierung und Bearbeitung in hohen Auflösungen berücksichtigt, jedoch geraten Rechteinhaber und Archive unter den politischen Druck, Masse zu digitalisieren, ohne dass die langfristige Aufbewahrung der Daten ausreichend geklärt wäre. Die vorhandenen Mittel können zum Beispiel nicht für die Migration der Daten aus den Anfängen der Digitalisierungsförderung genutzt werden, was zwingend notwendig wäre, oder für die Anschaffung von Technik zur Prüfung von Datenbeständen.

Die eingesetzten digitalen Techniken tragen dazu bei, analoges Filmmaterial digital zu bearbeiten und zugänglich zu machen. Aber wir sind weit davon entfernt, damit auch eine langfristige Lösung zu haben oder gar von einer existierenden Langzeitsicherung zu sprechen. Denn ungeachtet der vielfältigen Erfahrungen der vergangenen Jahre zur digitalen Restaurierung gibt es aktuell keine nationalen oder gar internationalen Standards für die langfristige Aufbewahrung von Daten.

Die Frage einer möglichen analogen Langzeitsicherung steht jenseits des Wissenschaftsbetriebs überhaupt nicht zur Debatte. Es muss aber klar sein, dass auch die digitalen Techniken lediglich Übergangsphänome sind. Für die Langzeitsicherung unserer Filmbestände bedarf es internationaler Standards, die noch nicht entwickelt und im Projekt der Digitalisierungsoffensive auch nicht berücksichtigt sind.

* Der Autor ist Vorstand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

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