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20 Jahre an der Spitze der SPIO

20 Jahre an der Spitze der SPIO
Rede zur Verabschiedung von Christiane von Wahlert / SPIO-Chefin ist seit 31. März im Ruhestand
Von Johannes Klingsporn*

Als junger Hüpfer habe ich Mitte der 80er Jahre die Statistische Abteilung der SPIO rocken dürfen. Der damalige FFA-Vorstand Backheuer spendierte der SPIO/Statistik für 60.000 Mark einen PC mit 2 mal 16 MB Speicherplatz. Das war der Durchbruch der Datenverarbeitung bei der SPIO, der FSK, der Murnau-Stiftung und beim Verleiherverband. Der Traum von der digitalen Akte wurde damals erstmals geträumt.

Bei der FSK gab es Ende der 80er Jahre frischen Wind durch den "ständigen“ Vertreter bei der FSK Hajo von Gottberg und eine neue Offenheit und Bereitschaft, über das eigene Tun zu reflektieren und das Gespräch mit den Prüferinnen und Prüfern der FSK zu suchen. Für mich ist aus dieser Zeit die hauseigenen Postille „Film + Fakten“ eine schöne Erinnerung.

Ende der 90er Jahre war es dann vorbei mit der Personalunion SPIO, FSK und Murnau-Stiftung. Dank neuer digitaler Verbreitungswege im Homevideobereich und im privaten TV-Sektor gab es viel zu tun und SPIO/FSK wandelten sich zu mittelständischen Organisationen. Christiane von Wahlert wurde zur Geschäftsführerin der SPIO und der FSK berufen und teilte sich seither die Leitungsfunktion mit Helmut Possmann: ein durchaus perfektes Paar.

Als SPIO-Geschäftsführerin ist man umgeben von Häuptlingen, die einem sagen wollen, wo der richtige Weg entlangführt. Der Indianerchor klingt auch mal dissonant, und es droht die Gefahr, im Kreis zu reiten. Ich schätze an Christiane von Wahlert sehr, dass sie komplexe Sachverhalte differenziert erläutern und historisch einordnen kann, die Stärken und Schwächen einzelner Argumente bewertet und bei der Suche nach Kompromissen große und ökonomisch schwächere Player einzubinden versteht, ohne dass sich Einzelne als Verlierer fühlen. Natürlich ist dieser Weg des Ausgleiches mühsam und nicht immer vom Erfolg gekrönt. In Fake-News-Zeiten ist recht haben manchmal wichtiger als ein vernünftiger Kompromiss: aber unser Job ist und bleibt das Bohren dicker Bretter.

In ihrer Rolle als FSK-Chefin habe ich Christiane von Wahlert ewig mit der Kritik der Verleiher an den aus unserer Sicht völlig überholten Alterskohorten gequält. Wer bitte schön glaubt denn noch, dass Altersgruppen von 12 und 16 Jahren dem typischen Entwicklungsstand von jungen digital affinen Männern und Social-Media gestählten jungen Frauen entsprechen? Wir als Kinobranche sind der am stärksten kontrollierte Bereich im Mediensektor und müssen im Novellierungsprozess immer wieder zur Kenntnis nehmen, dass die Politik gerne die Bereiche reguliert, die sich leicht regulieren lassen. Bei der Frage nach der Konvergenz aber gerne Bereiche wie das Internet ignoriert und bei der massenhaften Verbreitung von Gewalt und Pornographie eher wegschaut.

Da gleicht der Job der FSK-Geschäftsführerin schon einer echten Sisyphusarbeit: immer wieder den Frust der Branche auffangen und trotzdem einen konstruktiven Dialog mit der Politik auf Bundes- und Landesebene zu führen.

Das hat Christiane von Wahlert 20 Jahre lang mit Bravour geleistet. Mit Stolz darf die FSK heute reklamieren, dass sie der Nukleus der Selbstkontrolleinrichtungen von FSF und USK ist. Die Arbeit der FSK, ihre Transparenz, ihre Öffentlichkeitsarbeit und ihre Weiterbildungsmaßnahmen für ihre Prüferinnen und Prüfer sowie die engagierte Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen sind vorbildlich. Da darf die Sonntags-FAZ auch gerne einmal gegen die FSK mosern.

In diesem Jahr 2019 steht eine Jugendschutznovelle an, seit 20 Jahren erstmals ohne unsere scheidende Geschäftsführerin. Herzlichen Dank, auch im Namen der Mitglieder des Verleiherverbandes und aller Verleiher, für die 20 Jahre an der Spitze der SPIO und der FSK. Und Glück auf an ihren Nachfolger Stefan Linz.

* Abdruck der leicht gekürzten Rede, die der Geschäftsführer des Verbands der Filmverleiher, Johannes Klingsporn, im März auf Christiane von Wahlert gehalten hat, anläßlich ihrer Verabschiedung als SPIO-Chefin. Der Abdruck der Rede erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.

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