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Vom Kinobetreiber zur Filmproduktion

Vom Kinobetreiber zur Filmproduktion

Strandfilm – eine Frankfurter Produktionsfirma mit langer Geschichte

Von Claudia Prinz

Strandfilm, das sind heute der Diplomvolkswirt und langjähriger Geschäftsführer Kurt Otterbacher, der Regisseur und Autor Dieter Reifarth und Bert Schmidt, der als Regisseur, Autor, Kameramann und Produzent arbeitet. Von Anfang an in Frankfurt ansässig, blickt das Unternehmen auf eine mehr als 40-jährige Geschichte zurück: 1977 wurde es von Kurt Otterbacher und Reinhard Brundig (jetzt Pandora-Filmproduktion) als Strandfilm-Theaterbetriebs GmbH gegründet und betrieb in Frankfurt und in Neu-Isenburg die Kinos Harmonie (1977-80), bis zum heutigen Tag eines der erfolgreichsten Programmkinos Deutschlands, das Chapter Two (später Orfeo und jetzt Orfeos Erben) und das Olympia in Neu-Isenburg.

1986 wurden die Kinos verkauft und aus der Theaterbetriebsgesellschaft wurde eine Filmproduktion. Als neue Gesellschafter traten Dieter Reifarth und Bert Schmidt ein und bereits die erste Produktion, der dokumentarische Kurzfilm „"Bücher", ein liebevolles Porträt eines alteingesessenen Buchhändlers im Frankfurter Nordend, erhielt das Prädikat „besonders wertvoll“, lief auf der Berlinale und bekam den Preis für Kommunikationskultur. Der nächste Film „Vivace“, auch ein dokumentarischer Kurzfilm, wurde mit dem Hessischen Filmpreis ausgezeichnet.

In den ersten Jahren stand die „Brotarbeit“ neben freien Produktionen. So sicherte zum Beispiel die Zusammenarbeit mit der Deutschen Lufthansa AG der Firma eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit und verschaffte Liquidität für Independent-Filme. Für die Lufthansa realisierte das Team etwa 30 Filme, darunter eine Serie zur Geschichte der Luftfahrt, Bordprogramme und Dokumentationen.

Und es wurden nicht nur eigene Ideen realisiert. Unter anderem entstanden Filme von Vlado Kristl, Stanislaw Mucha, Gabriele Schwank und Peter Nestler, dessen 90-minütiger Dokumentarfilm „Pacha Mama – Unsere Erde“ 1996 ebenfalls den Hessischen Filmpreis erhielt.

Im Durchschnitt produziert Strandfilm zwei bis drei Vorhaben im Jahr, überwiegend Dokumentarfilme. Eine Ausnahme bislang waren die gelegentlichen experimentellen Kurzfilme sowie der 58-minütige Spielfilm „Liebe und so Sachen“ von Conni Thau, der 2009 im Auftrag von pro familia und in Zusammenarbeit mit Aktion Mensch hergestellt wurde.

Auch als Line Producer trat Strandfilm bisweilen in Erscheinung, so beispielsweise für die Berliner Rohfilm 2011 in der internationalen Koproduktion „Lore“ von Cate Shortland und 2012 bei dem Non-Fiction Drama „Das radikal Böse“ von Stefan Rutzowitzky.

2017 hatten zwei herausragende Dokumentarfilme im Kino Premiere, die vor allem durch ihre O-Töne bestechen: Jean Améry gibt in „Die Tortur“ (Regie Dieter Reifarth) all jenen Menschen eine Stimme, die im Schweigen und der Starre ihrer Traumata lebenslang eingeschlossen sind: Dden Folteropfern von damals und denen von heute. Dieter Reifarth schuf damit entlang des fundamentalen Textes von Améry einen dokumentarischen Filmessay zwischen Gegenwart und Erinnerung, fern jeder Fiktionalisierung.

In „Barstow, California“ von Rainer Komers liest der Dichter und Häftling Stanley „»Spoon«“ Jackson, der 1977 eine lebenslange Haftstrafe antrat ohne die geringste Aussicht auf eine vorzeitigen Entlassung, Ausschnitte aus seiner Autobiografie „By Heart“. Gleichzeitig werden Bilder einer heilen Welt gezeigt, die in der brutalen Realität der rücksichtslosen amerikanischen Finanzpolitik untergeht.

In der Auswertung befindet sich aktuell der 2017 produzierte Film „Die Sonneninsel“ von Thomas Elsässer über seinen Großvater Martin Elsässer, den Erbauer der Frankfurter Großmarkthalle. In Vorbereitung sind daneben zwei Projekte, zum einen der Spielfilm „Büchner ist tot“ (der Regisseur steht noch nicht fest) und zum zweiten der Dokumentarfilm „Der Wettermann“ von Stanislaw Mucha, eine Koproduktion mit BT Film, Berlin und zinnober film, Aachen in Zusammenarbeit mit dem NDR über eine Wetterstation am Rande des russischen Polarmeeres, wo der Meteorologe Slava seit Jahrzehnten das Wetter der Arktis beobachtet. So ist der Betrieb auch heute, 41 Jahre nach seiner Gründung 1977, immer noch gut im Geschäft.

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