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Nicht immer ist das Aufgabenfeld klar

Nicht immer ist das Aufgabenfeld klar

Das Berufsbild des Aufnahmeleiters beim Film

Von Andrea Wenzek

Um den reibungslosen Ablauf eines Filmdrehs sicherzustellen, bedarf es der Einhaltung des Drehplans. Die weniger Fachkundigen werden vermuten, hierfür sei vor allem die Regieassistenz (RA) zuständig. Doch weit gefehlt. Die erste Aufnahmeleitung (AL) zeichnet hierfür gleichberechtigt verantwortlich. Dies betrifft auch die Änderungen im Drehplan, zu denen es regelmäßig kommt. Daneben gibt es noch zwei weitere Spielarten des Berufsfeldes: den Set-Aufnahmeleiter und den Motiv-Aufnahmeleiter. Aktuell aber reicht der Pool an Aufnahmeleitern nicht aus für die Vielzahl von Produktionen in Deutschland.

Der AL ist vor und während der Drehzeit zuständig für die Disposition von Personal und Technik an den verschiedenen Motiven. Entscheidend sind vor allem logistische und kaufmännische Kriterien, in Abstimmung mit den künstlerischen Präferenzen der Regie. Deswegen erstellen AL und RA im Vorfeld gemeinsam den gesamten Drehplan.

Der Set-Aufnahmeleiter ist am Drehort präsent und sorgt für den planmäßigen Ablauf der Dreharbeiten vor Ort. Der Motiv-AL ist dagegen die rechte Hand des Aufnahmeleiters und kümmert sich um Motive, um Drehgenehmigungen, um ausreichende Stromanschlüsse oder auch um den Fuhrpark.

Die Crew am Set denkt beim Aufnahmeleiter, der die meiste Zeit im Produktionsbüro verbringt, vor allem an die Erstellung der Tagesdispo, dem täglichen Zeitplan, der die Crewmitglieder mit Informationen zum Drehtag versorgt, wie etwa zur Abfolge der Szenen, der Anlieferung von Equipment, der Anreise der Schauspieler und auch der Wetterlage.

Gerade das Wetter kann unverhofft alles verhageln. Unter Umständen muss dann der Aufnahmeleiter die erforderlichen organisatorischen Maßnahmen einleiten, um den Drehplan kurzfristig abzuändern. Und manchmal stellen sich ganz unerwartete Hürden in den Weg, zum Beispiel wenn der AL die Meldung erhält, der Steiger (Hebebühne) für die Kamera sei noch nicht am Drehort. Nun stimmt sich der AL mit der RA ab, die Drehfolge nach Lage der Dinge umzustellen.

Doch dann steckt eine Nebendarstellerin für die entsprechenden Szenen im Stau. Was nun? Jetzt entscheidet der AL: Pause und warten. Der Drehtag wird sich nun verlängern. Die Überstunden für die Kollegen bewegen sich indes noch im Kostenrahmen. Das ist wichtig, denn ihm, dem Aufnahmeleiter, sitzt wiederum sein Vorgesetzter, der Produktionsleiter, im Nacken.

Der AL ist der Knotenpunkt für die Kommunikation zwischen Stab im Büro und am Set. Auch unter Druck muss er die Nerven und den Überblick behalten. Außerdem sollte er im Konfliktfall zwischen den Mitarbeitern vermitteln können, denn er befindet sich in der Sandwichposition zwischen künstlerischen und kaufmännischen Interessen.

Eine Ausbildung für den Beruf des Aufnahmeleiters gibt es nicht. Und wie so oft in den Gewerken der Filmproduktion, gilt auch hier die Maxime: Learning by doing – durch Praktika und fortlaufende Assistenzen

Warum allerdings bleibt der Nachwuchs in diesem Berufsfeld aus? Dies habe nicht nur mit den geburtenschwachen Jahrgängen zu tun, so Steinfartz von der Künstlervermittlung für Film und Fernsehen der Agentur für Arbeit (ZAV), sondern auch mit dem Image: „Regieassistenz klingt einfach kreativer".

Was die verzweifelten Anfragen von Produktionsleitern auf der Suche nach den drei AL-Berufsgruppen betrifft, hat Steinfartz folgende Erklärung: „Die vielen Drehs von Serien fürs Pay-TV in Deutschland, auch aus dem Ausland, binden die Aufnahmeleiter über einen langen Zeitraum. Die Verbliebenen reichen für die Spielfilme nicht mehr aus."

Hört man sich unter den Aufnahmeleitern um, hat der Notstand auch andere Ursachen: AL-Praktikanten entscheiden sich lieber für einen Beruf mit eindeutigem Aufgabenfeld, wie Tonassistent oder Beleuchter. Sie sehen, dass sich die Verantwortungsbereiche der drei AL-Berufe verschoben haben, vor allem aufgrund des Mangels an Set-Aufnahmeleitern und ihren Assistenten. An ihrer statt werden oft Set-Runner mit wenig Sachkenntnis engagiert.

In den letzten Jahren sind die Aufnahmeleiter auch noch für die Einhaltung des Arbeitsschutzes am Set verantwortlich. Hinzu kommt, dass die Vorbereitungszeit für den Drehplan immer kürzer geworden ist. Was wiederum mit den sich hinziehenden Bewilligungen der Förder- und Sendergelder zusammenhängt. Die Produzentenallianz sollte endlich auf die Nicht-Kreativen zugehen: Bessere Bezahlung, einheitliche Überstundenvergütung, mehr Vorbereitungszeit und eindeutig definierte Verantwortlichkeiten der verschiedenen Gewerke – so die Kernforderungen, die man aus Fachkreisen immer wieder zu hören bekommt.

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