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Filmarbeit von Frauen dem Vergessen entreißen

Filmarbeit von Frauen dem Vergessen entreißen

Das erste hessische Frauenfilmfestival Remake. Frankfurter Frauen Film Tage

Von Birgit Schweitzer

Die Kinothek Asta Nielsen widmet sich seit 18 Jahren der Filmarbeit von Frauen mit diversen Filmreihen und Retrospektiven. Nun hat die Kinothek eine neue Ebene der Vermittlung erreicht mit dem Frauenfilmfestival Remake. Frankfurter Frauen Film Tage (2. bis 11. November), einer Mischung aus Festival und Symposium.

Ins Zentrum der Auftaktveranstaltung wurde das Leitthema „100 Jahre Frauenwahlrecht – 50 Jahre feministische Filmarbeit“ gestellt. Die Historie ist ein wesentliches Moment des Festivals. „Alte Filme sind ja nicht einfach alt, sondern durch sie wird Vergangenheit als Bestandteil der Gegenwart erst erfahrbar“, erläutert Karola Gramann, Leiterin der Kinemathek und zusammen mit Heide Schlüpmann und Gaby Babić Kuratorin des Programms. Filme existierten nur in der Aufführung. Das Zeigen selbst sei eine Form des Filmemachens, wie der Titel „Remake“ versinnbildlichen soll.

Gezeigt werden Arbeiten zum Kampf um das Wahlrecht für Frauen, Suffragettenfilme, von früher bis heute und Filme der neuen Frauenbewegung aus den 70er Jahren, die die konfliktreiche Transformation der Frauenrolle und der Veränderung ihrer Lebensbedingungen spiegeln. Auf dem Programm stehen dabei Titel aus verschiedenen Epochen und Genres von „Women of Tomorrow” (1914) von Pyotr Chardynin über „Abort“ (1970) von Vibekke Löckeberg bis zu „Die göttliche Ordnung“ (2017) von Petra Biondina Volpe.

In einem festen Themenschwerpunkt wollen sich die Filmtage jeweils einer hessischen Filmemacherin widmen – in diesem Jahr der 78-jährigen Frankfurter Regisseurin, Journalistin und Schauspielerin Recha Jungmann. Von ihr werden die autobiografischen Filme „Etwas tut weh“ (1979) und „Zwischen Mond und Sonne“ (1981) präsentiert sowie ihre dreiteilige dokumentarisch-fiktionale Fernsehserie „Unsere Mütter, unsere Väter“ (1981/82), die den Auswirkungen der „fehlenden“ Männer und Väter im Krieg und in der Nachkriegszeit nachgeht.

„Bei dieser Werkschau geht es unter anderem darum, die Produktionen von Frauen wieder möglichst vollständig vorführfähig in heutigen Kinos zu machen und so dem Vergessen zu entreißen“, so Gaby Babić. Im Anschluss an das Festival soll mit den Filmen eine Tournee durch kommunale Kinos organisiert werden.

Ein weiterer Akzent der Filmschau soll auf der Würdigung feministischer Filmfestivals liegen. Den Anfang macht dabei eine Hommage an das erste europäische Frauenfilmfestival überhaupt, auf das Women's Event '72, das seine Premiere im Rahmen des Edinburgh International Film Festivals hatte. Es werden Filme zu sehen sein, die damals in Edinburgh liefen, etwa das Hollywood-Drama „Dance, Girl, Dance“ von Dorothy Arzner (USA 1940).

Im Begleitprogramm finden sich darüber hinaus Workshops, Podiumsdiskussionen sowie Lesungen, unter anderem mit der Frauenrechtlerin Helen Pankhurst. Veranstaltungsorte sind die Pupille, das Kino im Deutschen Filmmuseum und das Historische Museum, in dem parallel die Ausstellung „Damenwahl! – 100 Jahre Frauenwahlrecht“ läuft.

Gefördert wird das Festival vom Land mit 220.000 Euro und vom Frauenreferat der Stadt Frankfurt. „Frankfurt bekommt das erste Frauenfilmfestival in Hessen“, freut sich die Frauendezernentin Rosemarie Heilig (GRÜNE). Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HWMK) unterstützt zusätzlich die Digitalisierung des Werkes von Recha Jungmann mit 50.000 Euro.

Angesichts dieser hohen Zuschüsse, die das Festival außerhalb der regulären Abspielförderung erhält, wurden allerdings nicht wenige kritische Stimmen laut. Vom Verbund hessischer Filmfestivals, der sich seit Jahren für eine überfällige Erhöhung der Festivalförderung einsetzt, ist zu hören: „Wenn nun eine solche Summe generiert wird, wäre es wünschenswert, wenn diese in den gemeinsamen Topf gelangt und über eine Jury im Sinne einer Gleichbehandlung aller Festivals verteilt wird.“

Als Reaktion auf einen von mehreren Festivals unterzeichneten Protestbrief verwies das HMWK darauf, dass wegen der landespolitischen Schwerpunktsetzung mit Blick auf das 100-jährige Jubiläum der Geburtsstunde des Frauenwahlrechts die Förderung des Frauenfilmfestivals für die Jahre 2018 und 2019 nach anderen Rahmenbedingungen erfolgt sei. Im Sinne einer Anschubfinanzierung solle hier außerdem wissenschaftliche Pionierarbeit ermöglicht werden. Gleichzeitig kündigte das HMWK an, auch die reguläre Festivalförderung in diesem und im nächsten Jahr noch zu erhöhen.

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