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Dem Filmnachwuchs unter die Arme greifen

Dem Filmnachwuchs unter die Arme greifen

Wie Filmhochschulen und Bundesländer den Newcomern mit Förderprogrammen helfen

Von Reinhard Kleber

Viele junge Studierende an den deutschen Filmhochschulen wollen Regisseur, Drehbuchautor, Produzent werden oder einen anderen Filmberuf ergreifen. Die Hochschulen, die in der Regel ja nur über begrenzte Produktionsbudgets verfügen, unterstützen die Abschlussfilme so gut es geht. Aber weitere ergänzende Förderungen sind hoch willkommen. In einigen Bundesländern mit führenden Medienstandorten kommen inzwischen etliche Instrumente der Nachwuchsförderung zum Einsatz. An dieser Stelle gibt es einen ersten Überblick über die Angebote, allerdings ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Seit 2015 werden mit dem Modell "Startbüro Babelsberg" jeweils ein Jahr lang Projekte von Alumni-Teams der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf in der Babelsberger Medienstadt mit Räumen, Mentoring und Finanzierung gefördert. Die gemeinsame Initiative von Studio Babelsberg, Medienboard Berlin-Brandenburg, Investitionsbank des Landes Brandenburg und Filmuniversität fördert den filmischen Nachwuchs, indem zwei teambasierte Projekte einen Coworkingspace auf dem Gelände des Studios Babelsberg samt Basisausstattung sowie je 10.000 Euro erhalten, um Vorhaben umzusetzen. Ergänzend begleiten und beraten Mentoren der beteiligten Partner die Teams im Laufe des Stipendiums.

Gefördert werden nicht nur die Entwicklung, Realisierung und Distribution von filmischen und interaktiven Inhalten, die durch ihren spezifischen Ansatz ein Alleinstellungsmerkmal erwarten lassen. Es können sich auch Teams bewerben, die ein innovatives Projektvorhaben realisieren möchten, das mit der Entwicklung und Anwendung neuer Verfahren und Technologien Impulse für die Medienproduktion setzt.

Erster Nutznießer des Programms war die Filmproduktion „Sehr gute Filme“ um den Regisseur und Schauspieler Axel Ranisch, der die Nachhaltigkeit des Modells hervorhebt: „"Mit großer medialer Präsenz sind wir aufs Studiogelände gezogen, wurden warm und offen als neue Nachbarn von den Profis empfangen und konnten wertvolle Kontakte knüpfen." In diesem Jahr wurde die Fördersumme auf 18.500 Euro aufgestockt. Zum Zuge kam beispielsweise Paul Bauer, Absolvent des Studiengangs Film- und Fernsehproduktion (2016), der im Startbüro den Prototypen eines "Virtual Reality Trainingssimulators für die betriebliche Fort- und Weiterbildung" entwickeln will.

Spezielle Förderinstrumente für den Filmnachwuchs sind auch in Bayern vorhanden. Zum zweiten Mal wurde im Juli das Katja-Eichinger-Stipendium vergeben. Es ist mit 4.000 Euro dotiert und soll Studierenden der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) in München helfen, ein Drehbuch zu einem abendfüllenden Kinospielfilm für ihren Studienabschluss zu schreiben. Die Witwe des verstorbenen Produzenten Bernd Eichinger – selbst einst Student an der HFF-München - traf die Auswahl für 2018 zusammen mit dem Produzenten und HFF-Alumnus Herman Weigel und dem HFF-Drehbuchprofessor Michael Gutmann. Prämiert wurden das Projekt „"Sohn der Spinne" von Britta Schwem und „"Being Someone Else" von Luise Lindner und Julia Walter.

Auch die Stadt München greift HFF-Studierenden unter die Arme. Jedes Jahr vergibt der Kulturausschuss des Stadtrates die Starter-Filmpreise an künstlerisch herausragende Projekte des Münchner Regienachwuchses. In diesem Jahr zeichnete der Ausschuss auf Vorschlag einer Jury vier Filmvorhaben von HFF-Studierenden aus. Drei Regienachwuchspreise im Wert von je 6.000 Euro gingen an „"Find Fix Finish" von Sylvain Cruiziat und Mila Zhluktenko, „"Pretty Girls Don't Lie" von Jovana Reisinger" und „"Luft" von Anatol Schuster. Ein zusätzlicher Starter-Filmpreis Produktion wurde an Tanja Schmidbauer, die Produzentin des Films „"Pan", von Regisseurin Anna Roller, ausgereicht. Der Preis wurde von der Firma Arri Media als geldwerte Leistung in Höhe von 6.000 Euro für die Postproduktion eines künftigen Films gestiftet.

Eine ganze Palette von Förderinstrumenten findet sich in Nordrhein-Westfalen. Dort unterhält die Film- und Medienstiftung NRW ein Programm zur Förderung von Abschlussfilmen. In der zwölften Sitzung unterstützte sie im August 2018 sechs Abschlussarbeiten von Studierenden an Filmhochschulen im bevölkerungsreichsten Bundesland mit zusammen 113.000 Euro. Diesmal gingen fünf Prämien an Projekte der KHM und eine an die Internationale Filmschule Köln (ifs).

Eine lange Tradition der Nachwuchsförderung kann das in Köln beheimatete MGZ, das Mediengründerzentrum NRW, vorweisen, das seine Tätigkeit im Jahr 2006 aufnahm. Es fördert Bewerber, die sich in NRW im Bereich der audiovisuellen Medien, Games und Neuen Medien ansiedeln wollen. Gesellschafter sind die Film- und Medienstiftung NRW und die Stadt Köln. Gefördert wird das MGZ von der Landesregierung NRW, der VGF Verwertungsgesellschaft für Nutzungsrechte an Filmwerken und mehreren Unternehmen.

Seit Anfang des Jahres durchlaufen zwölf junge Medienunternehmen das Stipendiatenprogramm, die von einer Jury ausgewählt wurden. Sie erhalten einen Betriebskostenzuschuss von 10.000 Euro und ein persönliches Coaching und Mentoring durch Branchenvertreter. Zudem vermittelt ein wöchentliches Seminarprogramm branchenspezifisches und unternehmerisches Know How. Der Erfolg des Programms in Sachen Standortförderung kann sich sehen lassen: Mehr als 90 Prozent der bisher geförderten 156 Unternehmen sind weiterhin an Rhein und Ruhr aktiv.

Bereits zum fünften Mal hat die Film- und Medienstiftung in Kooperation mit der Wim Wenders Stiftung in Düsseldorf das Wim Wenders Stipendium ausgelobt. Es unterstützt junge Filmschaffende darin, Projekte umzusetzen, die die Handlung „"mit neuen Mitteln erzählen und die Bildsprache bereichern". Antragsberechtigt sind Regisseure, Autoren und Videokünstler mit erstem Wohnsitz in Deutschland, vorrangig aus NRW. Zusammen sind die vergebenen Stipendien mit 100.000 Euro dotiert. Über die Vergabe entscheidet eine Jury unter Vorsitz von Wenders und unter Beteiligung der Filmstiftungsgeschäftsführerin Petra Müller. Nach der Bewilligung haben die Stipendiaten 18 Monate Zeit, um ihre Ideen auszuarbeiten.

Auch jenseits der engeren Filmbranche unterstützt die Film- und Medienstiftung Nachwuchstalente. So schreibt sie seit 2014 als erste Förderinstitution Stipendien für die Entwicklung von Webvideos aus. Sie sollen junge Videokünstler und Filmemacher in die Lage versetzen, ihre Vorhaben unabhängig zu realisieren. Voraussetzung ist unter anderem, dass die Kandidaten mindestens 1.000 Follower oder Abonnenten auf einer Social Media Plattform haben. Am Ende winkt die Teilnahme am einwöchigen Webvideo-Trainingscamp NRW Creators Lab und ein Stipendium bis zu 8.000 Euro.

Seit Mai haben auch junge Game-Spezialisten eine attraktive Anlaufstelle. In Köln nahm das Cologne Game Lab (CGL) der TH Köln einen eigenen Inkubator in Betrieb, um junge Entwickler bei der Ausarbeitung marktreifer Spiele zu unterstützen. In der Cologne Game Farm dürfen fünf Teams an Konzepten und Prototypen basteln, stets in der Hoffnung auf eine Firmengründung. Dazu dürfen sie zwölf Monate kostenlos Büroräume nutzen und werden von erfahrenen Branchenexperten in allen Start-up-Fragen beraten, vom Business-Pplan über die Vermarktung bis hin zum Spieldesign.

Auch wenn Filmhochschulen keine eigenen Förderinstrumente wie das "Babelsberger Startbüro" haben, so können sie ihre Studierenden und Absolventen doch auf anderen Wegen unterstützen. So beteiligt sich die Kölner ifs am hochschulübergreifenden Mentoringprogramm "Into the Wild" für junge Filmemacherinnen und bietet regelmäßig exklusive Workshops und Vorträge an, zuletzt mit dem US-Drehbuchautor Tom Abrams.

Im Wettbewerb der Medienstandorte legt das Land NRW noch nach. Ab 2019 wird das Kulturministerium je ein Arbeitsstipendium für den künstlerischen Spiel- und Dokumentarfilm sowie für den künstlerischen Dokumentarfilm für Kinder oder Jugendliche vergeben. Ziel ist es, „"den unformatierten und eigenwilligen Umgang mit dem Medium Film zu fördern". Die Gesamthöhe des Stipendiums beträgt 9.000 Euro. Bewerben dürfen sich alle Altersgruppen mit Ausnahme von Studierenden.

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