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Keine Scheu vor brisanten Themen

Keine Scheu vor brisanten Themen

Mit dem Familiendrama "Festung" hat Hessen einen aufrüttelnden Film gefördert / Daniel Güthert

Das Programm Hessen Invest Film (HIF), das seit 2002 läuft, ist dem Wesen nach eine wirtschaftliche Filmförderung, die grundsätzlich anderen Kriterien verpflichtet ist als die kulturelle Förderung. HIF setzt auf Marktkonvergenz, auf Verzinsung und Rückzahlung der Darlehensmittel, selbst auf Gewinnbeteiligung im Erfolgsfalle.

Da findet man auf der Förderliste mal eingängige, leichte Stoffe wie „What a Man“, mal Skurriles wie „Iron Sky“, aber auch emotionale Schwergewichte wie das Familiendrama "Festung", das von HIF mit 400.000 Euro bezuschusst ist. Das Kinodebüt der finnischen Regisseurin Kirsi Marie Liimatainen (Produktion Kordes & Kordes) liefert das bestürzende Psychogramm eines gesellschaftlichen Tabuthemas: Gewalt im häuslichen Umfeld, einfühlsam inszeniert, und getragen von einem erstklassigen Ensemble um Peter Lohmeyer, Ursina Lardi, Karoline Herfurth und der jungen Elisa Essig in den Hauptpartien.

"Ein Film der genauen und intensiven Beobachtung, der sich einer konventionellen Dramaturgie verweigert und keine trügerische Beruhigung schafft", wie die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) in ihrer Auszeichnung (Prädikat Wertvoll) urteilte. Weitere Erfolge auf diversen Festivals kamen nach, für den Spätherbst (29. November) steht die Kinopremiere an (Verleih Farbfilm).

Aber über welches Zuschauerpotential verfügt ein solch ambitioniertes Erstlingswerk? Dazu Günter Schmitteckert, vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) und Vorsitzender der Bewertungskommission von HIF: "Es ist zweifellos ein anspruchsvoller, um nicht zu sagen „schwieriger“ Film und wird daher sicherlich kein Blockbuster werden. Die Zuschauerzahlen werden eher auf Festivals, in Schulen und im Fernsehen generiert."

So mag zwar überraschen, dass dieses Projekt überhaupt die Hürden der wirtschaftlichen Filmförderung passiert hat. Aus Sicht von Schmitteckert verdeutlicht das aber, dass nicht allein Besucherzahlen der Gradmesser sind. "Die Jury war einhellig sowohl vom vorgelegten Drehbuch als auch vom Projekt sehr überzeugt. Und HIF ist auch immer Förderung von Filmkultur!"

Unbeschadet dessen ist das kommerzielle Junktim dabei nicht außer acht geblieben. Die 1,6 Millionen teure Co-Produktion mit dem ZDF (Kleines Fernsehspiel) ist komplett in Hessen an der Bergstraße realisiert worden (35 Drehtage) und hat damit einen beachtlichen Ländereffekt von über 200 Prozent generiert.

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