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Happy-Go-Lucky

Happy-Go-Lucky

Viele strahlende Gesichter beim 23. Hessischen Film- und Kinopreis in Frankfurt* / Daniel Güthert

Mike Leigh war nicht zugegen. Aber das aufgekratzte Publikum hätte dem Film des englischen Regisseurs alle Ehre gemacht: happy-go-lucky - strahlende, euphorisierte Gesichter, wohin man schaute beim 23. Hessischen Film- und Kinopreis 2012 in der Alten Oper Frankfurt. Ein entspanntes Stelldichein von Politik und Kultur mit vielen illustren Gästen - roter Teppich und obligatorisches Blitzlichtgewitter inbegriffen. Nicht ein Querschuß, der die Harmonie des Festaktes gestört hätte. Es war, als wäre die asymptotische Annäherung von Politik und Filmkultur hier nun vollbracht. Zumal man mit Adnan Maral, dem Star aus "Türkisch für Anfänger", einen Moderator verpflichtet hatte, der, alert und mit Witz beschlagen, locker durch das Programm führte.

Ausgiebig vertreten war die heimische Film-, Fernseh- und Kinobranche nebst angereister Prominenz. Da sah man die Verleihchefs der Majors, Paul Steinschulte und Vincent de la Tour, etliche Produzenten wie Daniel Zuta, Karl-Eberhard Schäfer, Norbert Walter (U5), Jacob Claussen oder von der SPIO Manuela Spehr und Helmut Poßmann, neben Leinwandgrößen wie Herbert Knaup, Rosemarie Fendel, Oliver Korittke oder Dieter Moor.

Ehrenpreis des Ministerpräsidenten für Hannelore Elsner

Indes insgeheim war der Star des Abends eine zierliche, kleine Glasstatuette. Namenlos, aber dennoch das pure Objekt der Begierde. Ihretwegen waren alle gekommen. So stand sie in beachtlicher Zahl - gleich 29fach - bereit, die Preisträger in insgesamt neun Sektionen plus Sondersparten zu dekorieren. Darunter in einer Kategorie, der auffällig starker Beifall zuteil wurde: die 18 ausgezeichneten gewerblichen Kunstkinos und kommunalen Filmtheater. Vielleicht lag der lang anhaltende Applaus auch an der klugen Laudatio von Regisseur Andreas Dresen, der das Kino als magischen Ort beschwor und daran erinnerte, daß es der engagierten Arbeit der Kinobetreiber zu danken ist, wenn diese Magie nicht verlorengeht.

Stürmischer aber noch als bei den Kinoleuten war der Zuspruch, als Hannelore Elsner - Höhepunkt des Abends - die kleine Statue als Ehrenpreis des Ministerpräsidenten in den Händen hielt. Standing Ovations im Saal, und die gefeierte Schauspielerin, seit 20 Jahren in Frankfurt, aber mit Bayerischen Wurzeln, kommentierte die Ehrung mit Ironie und kokettem Charme: "Es ist wohl ein Durchhaltepreis. Denn ich bin nicht freiwillig in Frankfurt; ich bin hierher verschleppt worden damals." Aber jetzt sei sie versöhnt. Zuvor hatte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) seine Entscheidung begründet, indem er auf die "Faszination und Authentizität der grandiosen Aktrice" verwies. Sie habe mit ihrer Darstellungskunst, nicht nur als Kommissarin, vielen Filmen ihren Stempel aufgedrückt. Und als Laudator zeichnete der Frankfurter Verleger Joachim Unseld ausschnittartig ihre Lebensstationen nach und hob nachgerade ihre große Wandlungsfähigkeit hervor. Ihre Gabe sei es, "sich immer wieder neu zu erfinden - zwischen Boulevard und Autorenfilm, wenn es sein muß."

"Lore" als Bester Spielfilm gekürt

Zugleich nutzte die Landespolitik die Bühne, um auf die Erfolge des Standorts zu verweisen. Hessen habe als Kreativstandort, wie Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) darlegte, enorme Fortschritte gemacht, und sie kündigte zudem absehbar strukturelle Veränderungen in der Förderlandschaft Hessens an, damit man künftig auch für internationale Projekte attraktiver werde. Immerhin richtig ist, daß vor zehn Jahren für den Hauptpreis als bester Film allenfalls Dokumentarfilme zur Auswahl standen. Das hat sich geändert. Aus einer Fülle in Hessen hergestellter Kinofilme triumphierten die Oscar-nominierte australisch-deutsche Koproduktion "Lora" von Cate Shortland (Bester Spielfilm) und die filmische Annäherung an die demenzkranke Mutter "Vergiss mein nicht" von David Sieveking (Beste Dokumentation), dotiert mit 25 000 respektive 20 000 Euro (Gesamtdotierung 185 000 Euro). Nach gut zwei Stunden waren alle 29 Statuetten an die glücklichen Gewinner verteilt. Aber keine Sorge, wie Moderator Maral nach flott absolvierter Gala tröstlich anmerkte, nächstes Jahr gibt es wieder neue.

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