Wir helfen Ihnen Ihre Visionen zu verwirklichen!

Nazi-Komödie in Hessen gedreht

Nazi-Komödie in Hessen gedreht

Ungewönliche Finanzierung für einen ungewöhnlichen Film – "Iron Sky" / Kathrin Ahrens

Die Neue Mainzer Landstraße ist komplett gesperrt. Mitten im Finanzdistrikt der Frankfurter City. Allenthalben US-amerikanische Verkehrs- und Straßenschilder, Plakate in englisch, amerikanische Briefkästen und Abfalleimer; die Kulisse ist zum Verwechseln auf New New York getrimmt. Dann die große Explosionsszene mit Feuerball, Rauch und Massenpanik - alles perfekt inszeniert, auf die Minute richtig!

Was hier an einem Sonntag Ende vergangenen Jahres gedreht wurde, war eine Einstellung aus einer der aufwendigsten Produktionen, die überhaupt je in Hessen hergestellt wurden. An 20 Drehtagen entstand in Frankfurt, Rüsselsheim und der Wetterau die skurrile, ziemlich durchgedrehte Weltraumkomödie "Iron Sky" des Finnischen Regisseurs Timo Vuorensola. Produziert wurde der Film von der Frankfurter "27 Films Production" in Partnerschaft mit "Blind Spot Pictures" und "Energia Productions" aus Finnland.

Leeres Bankgebäude als Werkstätten für die Ausstattercrew

Erzählt wird die Geschichte einer Gruppe von Nazis, die auf dem Mond ‚überwintern‘ und 2018 zur Erde zurückkommen – nach New York, um endgültig die Welt zu erobern. Schon Vuorensolas erster Film ‚Star Wrek‘ war ein dermaßener Internet-Hit, dass es nahe lag, sich von Anfang an für "Iron Sky" neueste Kommunikationswege zunutze zu machen. Prompt verbreitete sich die verrückte Science-Fiction-Farce so rasend schnell im Netz, dass sie während der Entwicklungsphase eine große Community aufbaute. Allein in Facebook hatte sie nach Produzentenangabe im Nu 58.000 Freunde.

Die ungewöhnliche Geschichte, in der unter anderem Julia Dietze, Götz Otto, Udo Kier und Christopher Kirby mitspielen, lebt besonders durch das kostspielige und phantasievolle Production-Design, das die Szenenbildnerin Ulrika von Vegesack entwarf. Die komplette Mondbasis, technische Geräte der Weltraumnazis mussten ersonnen werden, ebenso wie Wohnungen und Geschäfte im zukünftigen New York. Für die Kostüme und Raumanzüge, die teilweise schon in Finnland vorproduziert worden waren, zeichnete Jake Collier verantwortlich.

Für das bis zu 80-Personen umfassende Produktionsteam war es ein immenses Glück, dass es in ein leerstehendes ehemaliges Bankgebäude einziehen konnten. Hier konnten sich Art- und Kostümdepartment ausbreiten, bauen, malern und nähen. Einige Szenen wurden im Gebäude gedreht und etliche Crewmitglieder wohnten dort

Das Publikum finanziert sich seinen Film

Und mindestens so ungewöhnlich wie die Story sind auch die Finanzierungswege, die die Produzenten gewählt haben. Angelehnt an den Internethype von Vuorensolas Debüt "Star Wrek" wurden über das Web Trailer und Diskussionsforen eingerichtet, auch zu kleinen Finanzierungseinlagen, die auf reges Interesse stießen. Nachdem die klassischen Fördertöpfe - bestehend aus Finnischer Filmförderung, Eurimages und Hessen Invest Film - das Filmprojekt angeschoben hatten, wurden zusätzliche Produktionsmittel über ‚Crowd Funding‘ eingeworben. Die Idee war, dass jemand, der Interesse an dieser Sciene Fiction Parodie hat, womöglich auch bereit ist, sich finanziell zu beteiligen. Ab einem Beitrag vom einem Euro können Mitgliedschaften im Fanclub mit Previews und Sonderzugang zur Website erworben werden. Ab 1.000 Euro wird der Filmfan regelrecht Anteilseigner an der Produktion. Tausende von Einträgen im Fanclub und nahezu 150 Anteilseigner – überwiegend aus Skandinavien und Deutschland- sind die bisherige Bilanz dieser Erfolgsstory. So wurden bis dato über 390.500 Euro des Produktionsbudgets von insgesamt 6,9 Millionen Euro eingesammelt. Angepeilt sind 900.000 Euro. Dann wäre die Lücke des frei finanzierten Budgetanteils sogar komplett geschlossen.