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Prämierte Kameratechnik aus Wiesbaden

Prämierte Kameratechnik aus Wiesbaden
Mit einer Kameraspezialanfertigung hat der Filmgeräteverleih Pille zum Oscargewinn von "Slumdog Millionär" beigetragen
Von Daniel Güthert

Als Kameramann Anthony Dod Mantle im Februar die begehrte Statuette, den Oscar für die beste Kameraarbeit in dem Film "Slumdog Millionär" (Regie Danny Doyle) entgegennahm, konnte sich auch die Wiesbadener Firma Pille stolz schätzen. Die Kamera, die Mantle für die versteckten Aufnahmen in den Armutsvierteln Bombays nutzte, war eine Spezialanfertigung des Wiesbadener Unternehmens. Über Monate hatte das Team um Geschäftsführer Uli Fischer und Projektleiter Wolfgang Damm unter extremem Zeitdruck getüftelt, um ein kleines, mobiles Kamerasystem zu entwickeln, bestehend aus einem Kamerakopf (eine digitale 2k-Kamera der Firma P+S-Technik) und einem getrennt, in einem Aktenkoffer eingebauten Aufzeichnungscomputer. Die Qualität und Flexibilität dieser Konstruktion überzeugte Regisseur Boyle so sehr, daß schließlich 60 Prozent des Filmes damit photographiert wurden, nicht nur die Straßenszenen.

Dieser Erfolg bestätigt Geschäftsführer Fischer in seiner Firmenphilosophie: "Unser Ziel ist es, den Produktionsfirmen so viel wie möglich an technischen Problemen abzunehmen, damit sie sich ganz auf das Bild konzentrieren können." Seit 1974 besteht der Verleihbetrieb, in Köln gegründet, mit zweitem Firmensitz inzwischen in Wiesbaden. Alles von der Kamera, über Drehbühne bis zur Lichttechnik kann dort angemietet werden. Ein Team von jeweils zehn festen Mitarbeitern in Köln und Wiesbaden sorgt für Service, Wartung und Beratung.

Allerdings hegt Fischer Umzugspläne. Den Mietvertrag auf dem Gelände unter den Eichen hat er nach fast 25 Jahren zum Oktober gekündigt. Viel zu wenig sei in den vergangen Jahren geschehen, um das Areal zum Medienzentrum auszubauen. Ganz abgesehen von den Mietkosten, die Fischer für heillos überteuert hält. Sein Wunsch wäre es gleichwohl, in der Region zu bleiben, die als Drehscheibe für internationale Produktionen ideal gelegen sei. Wobei er jedoch nicht ausschließen wolle, nach Mainz zu wechseln. Am liebsten aber bliebe er im Umfeld des neuen Filmhauses Wiesbaden, von dem er sich, so Fischer, nachhaltig neue Impulse für die Branche verspreche.