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Der Blick in die Trickkiste
Ein Porträt der Frankfurter Filmproduktion Madbox
Von Anna Scherbening

Eine der ersten Adressen im Kinder- und Zeichentrickfilm ist die Frankfurter Madbox Film- und Fernsehproduktion GmbH. Vor zwanzig Jahren gegründet, hatte sich die Madbox Filmtrick GmbH., wie sie ursprünglich hieß, ganz auf den Animationsfilm konzentriert. Vor zwei Jahren war das Haus allerdings in eine wirtschaftlliche Schieflage geraten; Madbox mußte Insolvenz anmelden. Mitte 2005 wagte Gründer Wolf-Armin Lange zusammen mit Mark Rau einen Neuanfang, jetzt jedoch mit einem erweiterten Geschäftsfeld.

In einer Etage einer ehemaligen Fabrik untergebracht, bietet Madbox alles: von der Idee bis zum Sendeband. Stop Frame, 2D- und 3D-Animationen, Image- und Werbefilme gehören ebenso dazu wie die Herstellung von Realfilm- und Puppentrickproduktionen. Es gibt ein digitales Bild- und Tonbearbeitungsstudio, und nebenher werden auch Hörbücher und Hörspiele aufgenommen, darunter so erfolgreiche Titel wie "Es ist ein Elch entsprungen" (Co-Produzent), "Kaja" oder "Die wilden Fußballkerle". Das Schwergewicht aber liegt nach wie vor auf den Kinderfilmen, mit den das Frankfurter Studio regelmäßig in den Kinderprogrammen der öffentlich-rechtlichen und privaten Sender vertreten ist.

Bei Madbox macht heute jeder (fast) alles: Von einstmals dreißig Mitarbeitern, als die Firma für exponierte Kinderserien wie "Castillo" verantwortlich zeichnete, sind heute indes nur noch vier Beschäftigte übrig. Im Bedarfsfalle werden die Kreativen von außen geholt: Kamera, Maske, Ton und so weiter. Üblicherweise wird an zwei bis drei Projekten gleichzeitig gearbeitet. Denn von der ersten Idee bis zur Realisierung vergehen nicht selten Jahre.

Am Anfang steht, so Geschäftsführer Mark Rau, die Idee, die dann in Form eines Treatments oder Exposées zu Papier gebracht wird. Damit geht man auf Partnersuche bei Fernsehanstalten oder bei Verleihern. Während somit an der Finanzierung gebastelt wird, läuft parallel die Drehbuchenwicklung weiter – mal in Zusammenarbeit mit einer Förderanstalt oder auch im Zusammenspiel mit einer Fernsehredaktion. Das Skript wandert dabei mehrfach zwischen den Partnern, der Produktionsfirma und den Geldgebern, hin und her. Und erst im letzten Schritt kann mit der eigentlichen Produktion begonnen werden, dem Storyboard, den am Brett gezeichneten Figuren.

Es folgt das Einscannen der Bilder am Rechner, der anhand der sogenannten „Disney-Stanzung“ die Blätter ausrichtet. Daran schließen sich das Colorieren und die Vorsynchronisation zur Erstellung der Mundphasen an. Nach Dutzenden weiterer Schritte werden die Bilder in ihre endgültige Form gebracht, die Figuren beispielsweise mit Schatten versehen, das Licht angeglichen. Bei den 2D- und 3D-Animationen, aber auch bei den Zeichentrickfilmen ist die Welt der Computer alles. Gearbeitet wird mit CTP, Cinema 4D, After Effects, Combustion, Soft Image und Avid.

Schließlich wird noch geschnitten, bevor es dann in die Nachsynchronisation geht. So dauerte es bei "Elvis und der Mann im roten Mantel", einem 24-minütigen Kinder-Zeichentrickfilm, ein Jahr bis zur Fertigstellung. In München arbeiteten ununterbrochen vier Zeichner mit, und in Frankfurt saßen nochmals vier Filmleute. Dennoch beschränkt sich heute der Kern des Teams auf vier feste Mitarbeiter. An erster Stelle steht wie bisher Wolf-Armin Lange, Mitbegründer und Gesellschafter. Der gelernte Berliner Kameramann bringt sich mit Leidenschaft und Elan ein als Regisseur, Animator, Tonmeister und Komponist.

Obgleich es nur eine nominelle Hierarchie gibt, aufgeteilt nach den beruflichen Funktionen, ist Mark Rau der „Frontmann“. Seit Mitte 2005 leitet er das Haus als Geschäftsführer. Seit zwölf Jahren ist er Filmemacher, hat bei verschiedenen Produktionsfirmen an die fünfzig TV-Movies und Kinofilme betreut, sich von Daily Soaps bis Animation alles erarbeitet. Mit einem Filmpraktikum gestartet, war er später als angestellter Producer und Produzent tätig.
Nummer drei im Team ist der Freiburger Christian Weis, Student der Theater-, Film- und Medienwissenschafts. Er fing mit einem Praktikum im Bereich Compositing vor anderthalb Jahren an und arbeitet derzeit als fester freier Autor im Team. Er unterstützt die Projektentwicklung, schreibt Exposés, Treatments, Konzepte und Einschätzungen. Vierter im Bunde ist schließlich Winfried Jarke, eigentlich Medieninformatik-Student, der sich als Praktikant für 3D und Compositing einbringt.

Für Mark Rau ist diese Arbeit Hobby und Beruf zugleich. „Entweder man macht seinen Job mit Herzblut oder man macht ihn gar nicht.“ Obwohl er lieber für das Fernsehen produziert, weil dort die Finanzierung eher gesichert ist, beschreibt er sich selbst als Cinéast; der Kinofilm hat es ihm angetan. Auch Christian Weis sieht seine Leidenschaft im Bereich Kino. Er schätzt gerade den persönlichen Aspekt bei seiner Arbeit. Über die Zeit hinweg hat er Kontakte zu Redakteuren und Verleihern aufgebaut und weiß, wie er seine Ideen zu verkaufen hat. Auch Wolf-Armin Lange mit seiner profunden Kenntnis im Kinderfilmbereich und Mark Rau, der eher mit dem Realfilm Erfahrung hat, ergänzen sich in ihren Kontakten.
Nahezu ausschließlich wird für den Mainstream-Bereich produziert, die Ideen werden am Markt entlang entwickelt. Das liegt zum Teil daran, daß man in diesem massenverträglichen Bereich mit Nebenrechten Geld verdienen kann: Bücher oder Sammelkarten spielen als Merchandising-Produkte eine nicht zu verachtende Rolle. „Von Kunst kannst du Dich ernähren, wenn Du ein erfolgreicher Künstler bist“, gibt Mark Rau zu bedenken. 20 bis 25 Prozent machen die Lizenzen und Nebenrechte für den Gewinn aus. Dabei arbeitet Madbox mit externen Firmen zusammen, die sich speziell um den Weltvertrieb kümmern.

Neuestes Projekt im Haus Madbox ist die Kieselsteiner Verlags- und Vertriebs GmbH., die die Arbeiten des Künstlers Gecko Keck auf den Markt bringen wird. Eine Welt und ihre Bewohner - alles komplett aus Kieselsteinen, soll die Herzen der Kinder erobern. Mit den ersten Büchern war der Verlag bereits auf der Frankfurter Buchmesse 2006 vertreten, Sammelkarten, Hörspiele und Multimedia-Programme warten nun darauf, auch hier von der Madbox-Qualität zu überzeugen.
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