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Zwei Seiten einer Medaille

Beschäftigungswirkung und Kreditsicherung als gleichgewichtige Bewertungsmaßstäbe für Filmprojekte von Hessen Invest Film

Von Polia Bauer*

Seit Januar 2005 sind alle Aktivitäten im Bereich Filmförderung im Zuständigkeitsbereich des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst (HMWK). Dies bedeutet, dass eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen wirtschaftlicher und kultureller Filmförderung organisiert werden kann. So wird demnächst ein neuer, gemeinsamer Internetauftritt über alle Filmförderaktivitäten des Landes aktuell informieren.

Hessen Invest Film ist ein wesentlicher Teil dieser neuen Struktur .Sichergestellt wird die Durchführung des Programms von der InvestitionsBank Hessen (IBH). So konnte die IBH in den letzten drei Jahren wertvolles Fachwissen erwerben sowie ein branchenspezifisches Netzwerk aufbauen. Sie begleitet den gesamten Bearbeitungsprozess des Programms - angefangen von der Beratung, Entscheidungsvorbereitung, Bearbeitung, Endabrechnung, Rückfluss.

Rückblickend bewertet die IBH die 33 kofinanzierten Filmprojekte aus zwei verschiedenen Perspektiven. Zum einen aus der Sicht des Wirtschaftsförderers mit dem Ziel, Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen oder Imagebildung für den Filmstandort. Zum anderen aus der Sicht des Kredit- und Beteiligungsgebers mit dem Ziel, die Rückführung des Kapitals zu sichern und das Ausfallrisiko abzuschätzen. Beide Ziele stehen bei der Beurteilung des Programms gleichgewichtig nebeneinander.

Die Anträge bei Hessen Invest Film wurden überwiegend von hessischen Filmunternehmen gestellt. Von den 33 bewilligten Anträgen stammen 28 aus Hessen und 5 aus anderen Bundesländern. Das Programm hat, trotz internationaler Ausrichtung der Projekte, eine stark regionale Wirkung, in dem es die „eigenen" Produzenten verstärkt unterstützt. Ein von der IBH ermittelter wirtschaftsfördernder Hesseneffekt von ca. 150 % bedeutet, dass jeder durch den Filmfonds finanzierte Euro zu anderthalb Euro an Ausgaben in Hessen führt.

Die Diskussion um die Filmauswertung und die damit verbundenen Rückflüsse ist immer wieder aktuell, muss aber vor dem Hintergrund geführt werden, dass auch der kommerzielle Film grundsätzlich ein Kulturgut ist. Der wirtschaftliche Erfolg eines Projektes ist im frühen Finanzierungsstadium nur sehr schwer abzuschätzen. Umso erfreulicher ist es, wenn die geschätzten Verkaufszahlen im Nachhinein zutreffen.

Am Beispiel des Kinospielfilms „Alone in the Dark" (Produzenten: Uwe Boll, Wolfgang Herold, Shawn Williamson) lässt sich das Konzept verdeutlichen. An der Herstellung des 15,3 Millionen Euro teuren Films hat sich Hessen Invest Film mit einem Betrag in Höhe von 0,5 Millionen Euro beteiligt. Gedreht wurde der Film in Vancouver (Kanada) mit großer Starbesetzung: Christian Slater, Tara Reid und Stephen Dorff in den Hauptrollen. Am Set waren unter anderem ein hessischer Kameramann sowie der ausführende Produzent aus Frankfurt. Die Postproduktion dagegen erfolgte in Frankfurt, Wiesbaden, Offenbach und zum Teil auch in Vancouver. Für die Tonnachbearbeitung, Musik und ein Großteil der visuellen Effekte konnten somit hessische Firmen maßgeblich ihre Kompetenz einbringen: „Herold&Besser Studios" für Tonnachbearbeitung, Musik und Überwachung der visuellen Effekte sowie Titel-Design, „Upstart- Animation" für visuelle Effekte, „Die Acht" sowie „MSP&P" für Titel Design. Im Rahmen dieser Postproduktionsleistungen haben mehr als 80 Leute über einen Zeitraum von 8 Monaten mitgearbeitet.

Abgesehen von der Beschäftigungswirkung sind auch die zu erwartenden Rückflüsse in diesem Fall vielversprechend. Durch Vorabverkäufe konnte bereits vor der Kinopremiere in den USA (Ende Januar 2005) ein Anspruch auf Rückführung des Darlehens von circa 25 Prozent sichergestellt werden. In Deutschland startet der Film Ende Februar 2005 (Concorde Filmverleih) mit über 300 Kopien. Die IBH hält es für wahrscheinlich, dass mittelfristig 100% recoupt werden können.

Festzustellen bleibt, dass trotz optimistischer Verkaufseinschätzungen und Vertriebsgarantien nur ein Teil der Filme die Darlehen schnell einspielen werden, andere Filme wiederum nur langfristig oder gar nicht – trotz möglicher Festivalerfolge. Umso wichtiger wird es für den Produzenten, bei internationalen Produktionen sich Anteile an den Weltrechten zu sichern, um das Verwertungspotential zu erhöhen. Schließlich fließen dem Fonds durch den wirtschaftlichen Erfolg der Projekte wieder neue Mittel zu.

Nach fast drei Jahren Laufzeit ist der Filmfonds Hessen-Invest etabliert, wie die große Nachfrage sowie der hohe Bekanntheitsgrad auch im Ausland zeigt. Der Fonds wird auch künftig weitergeführt. Die Finanzausstattung des Fonds für 2005 wird gegenüber den Vorjahren geringer ausfallen, dennoch ausreichen, um die kontinuierliche Arbeit zu gewährleisten. Die Bewertungskommission setzt weiter auf qualitativ gute Projekte, deren Akquisition für Hessen Invest Film im Vordergrund steht. So wird Margarethe von Trotta dieses Jahr ihren neuen Film „Ich bin die Andere" in Hessen drehen. Möglich wurde diese Zusammenarbeit erst durch den Kontakt zum Produzenten Clasart Film. Denn nur eine intensive und beständige Akquisition führt zum Angebot von interessanten und für den Standort prestigeträchtigen Projekten.

*Polia Bauer ist Projektreferentin für Hessen Invest Film bei der IBH

Filmhaus Frankfurt e.V.
Ostbahnhofstr. 15
60314 Frankfurt
Tel.: 069 / 13 37 99 94
Fax: 069 / 13 37 99 96
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