Wenn nur noch Wunder helfenStand und Ausblick zur wirtschaftlichen Filmförderung in Hessen – eine Informationsveranstaltung von Film- und Kinobüro Hessen und Filmhaus Frankfurt von Daniel Güthert Sogar von Wundern war die Rede an diesem Abend. Ein Wunder sei es gewesen, dass eine Initiative von 40 hessischen Film- und Medienunternehmen vor fünf Jahren von der Politik beherzt aufgegriffen worden sei und binnen kurzem zu einem millionenschweren Förderprogramm für die Filmbranche geführt habe, dem Hessen-Invest-Filmfonds. Und das zu einer Zeit, in der sonst üblicherweise nur mit dem Rotstift regiert worden sei, so das positive Fazit von Ralph Förg, Leiter des Filmhaus Frankfurt und einer der Gastgeber der Informationsveranstaltung, die schließlich in einem Kritikpunkt gipfelte: die fehlende Perspektive für die Zukunft. "Der bemerkenswerte Anfangsschwung ist auf bestem Weg, wieder verloren zu gehen", warnte Christel Brunn, Chefin der Postproduktionsfirma TVT. Durch den Festivalerfolg der in Hessen geförderten Filme habe der Standort einen immensen Aufmerksamkeitsgrad verbucht. Das Dilemma sei aber die mangelnde Nachhaltigkeitsverpflichtung seitens der Landesregierung für die nächsten drei oder fünf Jahre. Ohne diese finanzielle Planungssicherheit sei es schlicht unmöglich, in glamourreiche, internationale Angebote einzusteigen. Doch bei allem Verständnis für die Kritik blieb Rainer Schöler, Referatsleiter für Medien im Kunstministerium, wohl nichts anderes übrig, als allzu hochfahrende Erwartungen von vornherein zu dämpfen. Die Finanzspielräume seien eher eng geworden, um den Fonds, der zur Jahresmitte noch 765.000 Euro auswies, so ohne weiteres wieder aufzufüllen. Derzeit seien alle Fördermaßnahmen mehr denn je auf den Prüfstand. Und auch daran ließ Schöler keinen Zweifel: Zusätzliche Fördergelder seien gegenwärtig nur noch zu rechtfertigen, wenn sie einen eindeutigen ökonomischen Mehrwert versprächen. "Nur so können Projekte heute im Parlament überhaupt noch durchgebracht werden." Womit auch gleich jeder falsche Eindruck ausgeräumt war, wie Filmemacher Thomas Frickel in seiner amüsant-pointierten Moderation feststellte, dass die Bündelung der Filmförderung jüngst unter dem Dach der hessischen Kunstministeriums etwa zu einer Akzentverschiebung zugunsten kultureller Aspekte führen könne. Wie aber steht es nun um die Wirtschaftlichkeit von Hessen-Invest Film? Wie erfolgreich waren die bislang geförderten Projekte? Wieviel ist an Rückflüssen bisher eingegangen? Dazu machte Gerhard Bauer von der Investitionsbank Hessen (IBH), bei der die Durchführung des Programms verankert ist, die Bilanz auf, die im Rahmen eines Evaluationsgutachtens zur Zeit auch den Gremien und Ausschüssen des Parlaments zur Prüfung vorliegt. Ingesamt sind demnach in den zurückliegenden dreieinhalb Jahren 37 Projekte aller Genres mit einer Gesamtsumme von 8,8 Millionen Euro an Mittelzusagen bedacht worden. Der von den Förderrichtlinien diktierte Hesseneffekt sei dabei zu 150 Prozent erfüllt worden. Rechne man die indirekten Ausgaben hinzu, sei der Faktor sogar 200 Prozent, was, so Bauer, ein vergleichsweise sehr hoher Effizienzindikator sei. Auch in punkto Imagegewinn komme das Gutachten angesichts einer Vielzahl von Preisen und Festivalteilnahmen zu einem sehr erfreulichen Bild. "Und was die dritte Erfolgsgröße, die Rückflüsse, anbelangt, ist das Resultat natürlich noch mäßig", so Bauer, da man hierfür realistischerweise Auswertungszeiträume von mindestens sieben Jahren und mehr zugrunde legen müsse. Dennoch habe die IBH in ihrem Gutachten vorsorglich darauf hingewiesen, dass eine 100prozentige Gewinnrückführung niemals zu erwarten sei in einer so risikobehafteten Branche. Und dennoch sei, wie Bauer betonte, die Wirtschaftlichkeit von Hessen-Invest Film schon durch den Regionaleffekt garantiert. Insofern gab er sich ausgesprochen zuversichtlich, dass der Fonds auch in Zukunft neue Mittel erhalten werde. Oder wie es am Schluss der Paneldiskussion der Filmhausgeschäftsführer Ralph Förg formulierte: "Ein Wunder haben wir schon erlebt. Was wir brauchen, ist jetzt einfach nur ein zweites Wunder dazu." |