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In Frankfurts Innenstadt hat 2004 das letzte Arthouse-Kino geschlossen

Von Dieter Brockmeyer

Das letzte Jahr war beileibe kein gutes Jahr für Frankfurts Kinolandschaft – und das, obwohl im Bundestrend die Zuschauerzahlen endlich wieder vorsichtig nach oben gingen. Die Zeil Kinos machten Mitte des Jahres dicht, das Cinema folgte im Dezember. Diese letzte Schließung war ein Verlust für die Frankfurter Arthouse-Szene, denn dieses Genre kann man jetzt nur noch in den Stadtteilkinos Harmonie, Mal Seh’n Kino, Orfeos Erben und Filmtheater Valentin sehen.

Es war aber auch der schleichende Absturz des Frankfurter Kinobetreibers Frederik Hohrath, der mit viel Ambition erst vor wenigen Jahren die drei UFA Kinos „Zeil", „Olympia" und „Cinema" übernommen hatte. Doch er startete in eine schwere Zeit hinein, die geprägt war durch sinkende Zuschauerzahlen und damit Probleme für die meisten Kinos. In Frankfurt kam hinzu, dass das „Metropolis" nach einem mässigen Start immer stärker innerstädtisches Publikum an sich binden konnte. Schwarze Zahlen schreibt dieses Multiplex noch nicht, die werden erst ab 1,2 Millionen Besuchern erreicht. Immerhin 1,05 Millionen Zuschauer waren es 2004 bereits.

Zudem hat der Betreiber des „Metropolis", die australische Amalgamated Holdings Limited, AHL, jetzt auch noch die Verantwortung des „Cineplex" an der Mainzer Landstrasse übernommen. Kaum ein Zuschauer, der an der Mainzer Landstrasse ins Kino gehe, sei schon einmal im „Metropolis" gewesen, erklärt Metropolis Kinoleiter Stefan Burger. Das „Cineplex" würde sein Publikum aus dem direkten Umfeld und dem Frankfurter Westen bekommen. Beide Häuser würden sich daher ergänzen, so dass die Übernahme durch die Gruppe durchaus richtig gewesen sei. Ein internationaler Konzern wie die AHL freilich, hat ein ganz anderes Durchhaltevermögen als ein mittelständischer Kinomacher.

Vielleicht symptomatisch für Frankfurt ist die Geschichte des „Olympia", des sehr renommierten Arthouse-Kinos vis-à-vis der Städtischen Bühnen gelegen. Die Steigenberger Gruppe hatte das Gebäude, in dem sich das Kino mit seinen vier Sälen befand, aufgekauft und begann eine aufwendige Totalsanierung des gesamten Gebäudekomplexes mit Büroflächen und dem Kino im Erdgeschoss. So wurde das Kino mit Beginn der Bauarbeiten im Frühjahr 2002 geschlossen – für ein Jahr, wie es hieß. Doch die Fertigstellung des Umbaus verzögerte sich. Spürbar begannen sich die Auswirkungen der schwächelnden Wirtschaft auch auf dem Immobilienmarkt, allen voran dem Markt für Büroimmobilien niederzuschlagen. Erst nach etwa zwei Jahren war der Umbau zwar abgeschlossen, aber das Haus steht nach wie vor leer – und das in bester Innenstadtlage.

Inzwischen wandte sich Horath erst einmal einem anderen Projekt zu: dem darbenden „IMAX-Kino" auf dem Dach der Zeil-Einkaufsgalerie „Les Facettes". Sein Konzept war, dass nicht nur IMAX-Streifen laufen sollten, sondern parallel dazu, quasi als Hauptprogramm, reguläres Eventkino. Im Foyer wurde die Gastronomie erweitert. Horath versprach sich Publikumsinteresse auch durch die Dachterrasse mit dem wunderbarem Skyline Blick. Doch zum einen sperrte sich der IMAX Lizenzgeber in den USA gegen die Mischnutzung. Zum anderen wurden beides, Gastronomie und Kino, nicht so wie gehofft angenommen. Hohrath zog schon bald die Konsequenzen und gab das Unternehmen wieder auf. Nicht ohne erheblichen finanziellen Schaden.

So klafft in Frankfurt eine Lücke. Arthouse-Repertoire sollte in der Innenstadt allemal eine Heimat haben, ist sich die Frankfurter Cineastenschar einig. Aber könnte sich ein so ambitioniertes Kino auch tragen? Viele mögliche Protagonisten, die in Frankfurt ein solches Projekt in Angriff nehmen könnten, gibt es nicht. Noch sprechen die Anwälte, um die Hinterlassenschaft zu ordnen und wer dann am Ende möglicherweise gar das „Cinema" aus seinem Zauberschlaf weckt, das darf gerne spekuliert werden.

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