Vive le cinéma françaisJedes Jahr im Juni lädt das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt zur französischen Filmwoche für Jugendliche ein – ein Rückblick auf 5 Jahre "Cinéfête". Von Ulrike Stiefelmayer Wieder war es ein "grand succès", das diesjährige Jugendfilmfestival Cinéfête, das nun schon zum fünften Mal stattfand und eine Woche lang wieder französische Filme in Originalfassung mit Untertiteln vorstellte. Hatten noch vor fünf Jahren viele der deutschen Cinéfête-Besucher kaum je einen französischen Film gesehen und konnten keinen einzigen französischen Schauspieler mit Namen nennen, so hat sich hier doch einiges getan. Umfragen, die jedes Jahr unter den Schülern veranstaltet werden, belegen, dass sich das Filmwissen nicht allein mehr auf amerikanische Produktionen beschränkt, sondern inzwischen auch die Kinolandschaft unseres Nachbarlandes mit einschließt. Den Anstoß für das Festival gab seinerzeit die Kulturabteilung der französischen Botschaft. Eine Initaitive, mit der das französische Filmangebot einem jungen Publikum – zumal in Originalsparche - näher gebracht werden soll. Angestrebt werden soll dadurch ein lebendiger und abwechslungsreicher Zugang zur Fremdsprache ebenso wie zur Kultur und Lebensweise unserer Nachbarn. Ergänzend dazu steht den Schulen auch pädagogisches Unterrichtsmaterial zu allen aufgeführten Filmen zum Abruf bereit (unter www.kultur-frankreich.de). Etwa ein halbes Jahr vor dem Festival findet für die Schulen eine Einführungsveranstaltung statt. Der eigentliche Programmablauf wird durch Optionen der Lehrer für die jeweiligen Filme festgelegt. Dieses Modell hat sich als sehr erfolgreich erwiesen, denn mit mehr als 6000 Zuschauern aus unterschiedlichen Schulen und Schultypen gehört Frankfurt zu den erfolgreichsten Stationen des Festivals, das inzwischen durch die gesamte Republik tourt. Aufgrund der begrenzten Platzkapazität des Deutschen Filmmuseums fanden diesmal auch Vorführungen im Filmforum Höchst und, dank freundlicher Unterstützung durch die Saalbau GmbH, auch im Cinestar Metropolis statt. Die Auswahl des Programms liegt vorrangig in den Händen der französischen Botschaft. Gezeigt wurden dieses Jahr sieben erfolgreiche Produktionen, die sich für die unterschiedlichen Jahrgangsstufen – von der Grundschule bis zum Abitur - der Frankfurter Schulen mit französischem Unterrichtsangebot eigneten. Dazu zählten Titel wie „Astérix et Obélix: Mission Cléopâtre“ (2002, Regie: Alain Chabat) mit Gérard Dépardieu, das farbenfrohe Zeichentrickabenteuer „Bécassine – Le Trésor Viking“ (Philippe Vidal, 2001) sowie „Un Indien dans la Ville“ (1994) mit Miou-Miou, die auf die jüngere Altersgruppe abzielten. Eher für die Oberstufe empfahlen sich die übrigen Festivalfilme, wie die Gesellschaftssatire „Tanguy“ ("Tanguy – Der Nesthocker", 2001) von Komödienspezialist Etienne Chatiliez, „Une Affaire des Femmes“ ("Eine Frauensache", 1988) von Altmeister Claude Chabrol mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle, die lebensfrohe Komödie „La vie ne me fait pas de peur“ ("Das Leben macht mir keine Angst", 1999) und der Dokumentarfilm „Etre et avoir“ ("Sein und Haben", von Nicolas Philibert, 2002). Traditionell wird das Festival mit Croissants und Kaffee eröffnet. Die Gestaltung der Abschlussveranstaltung hat im Lauf der Zeit immer mal variiert. In den ersten beiden Jahren gab es Podiumsdiskussionen zu den Schwerpunktthemen des Festivals. Als beispielsweise das Thema Rassismus im Mittelpunkt stand, reiste eigens eine Rechtsanwältin afrikanischer Herkunft aus Paris zur Diskussion mit den Schülern an. Ein anderes Mal berichtete eine Mitarbeiterin eines französischen Festivals über Kino in Frankreich. Um die Schüler selbst stärker einzubinden, werden mittlerweile von einzelnen Klassen Sketche zu den Filmen in französischer Sprache entwickelt. Anschließend finden dann Diskussionen – allerdings auf Deutsch - zu den Filmen statt. Enthusiastisch, engagiert und zunehmend kenntnisreicher. So gesehen, ist Cinéfête tatsächlich ein großer Erfolg. *Ulrike Stiefelmayer ist Leiterin des Kinos im Deutschen Filmmuseum |