| Ein Porträt der Zeichentrickfilmerin Leo Poth Von Claudia Prinz Leonore Poth hat schon immer gezeichnet. Wie Kinder halt zeichnen! Im Hause Poth war das mehr als selbstverständlich, denn ihr Vater ist ein bekannter Karikaturist. Das hieß aber noch lange nicht, dass sie von Anfang an in seine Fußstapfen treten wollte. Lehrerin, Journalistin oder Wissenschaftlerin – das reizte sie. Aber irgendwann setzte sich ihr Zeichentalent durch, noch ohne genaue Berufsvorstellung, denn sie kannte ja nur die Arbeit ihres Vaters und wusste noch nicht, in welche Richtung es für sie gehen könnte. Erst während des Studiums merkte sie, wie viel Spaß ihr Trickfilm macht und sie begann, sich zu spezialisieren. Ihr Arbeitsgebiet ist dennoch breitgefächert geblieben: Angewandte Zeichnung, freie Zeichnung, Zeichentrickfilm und Graphic Design, alles parallel. „Ich habe an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach studiert und an dieser Hochschule ist das Studium Visuelle Kommunikation sehr weit gefasst. Es gibt gleichzeitig Malerei und Film und als ich studierte, waren die verschiedenen Bereiche auch noch nicht so getrennt. Da geht man überall mal durch, und ich bin dann bei Malerei hängen geblieben und irgendwann auch bei Trickfilm. Damit habe ich dann 1985 den Abschluss gemacht“. Nach dem Diplom ging sie nach Berlin. Da hatte sie schon während des Studiums ein Gastsemester absolviert und dachte, für Film sei das sicher günstiger. Was auch nicht falsch war, denn sie bekam gleich Aufträge vom ZDF. Für die Sendung „Kennzeichen D“ fertigte sie kleine Einspiel-Trickfilme an. Trotzdem fand sie in Berlin alles zu schwierig. Sie lebte allein, hatte keine Freunde und musste den Weg in den Beruf finden – das war zu viel. Sie brauchte ein Umfeld, brauchte ihre Freunde, auf die sie sich stützen konnte, brauchte die vertraute Umgebung. So zog sie nach Frankfurt zurück und gründete die Trickfilmgruppe TRICK 17, zusammen mit ihren ehemaligen Offenbacher Studienkolleginnen Ruth Becht, Ira Zamjatnins und Margit Weber. Parallel dazu entstand eine Graphic-Design-Gruppe. TRICK 17 gibt es in dieser Form heute nicht mehr, aber Anakonda, die als Netzwerk Graphic Design anbieten, existiert immer noch und funktioniert ziemlich gut. „In beiden Gruppen war die wichtigste Aufgabe: Wie kommen wir an Aufträge? Für den Trickfilm hieß das, bei den Sendern zu akquirieren oder Anträge auf Förderung durchzubekommen und beim Graphic Design geht man seine Kontakte durch und versucht, erst mal kleine Arbeiten zu ergattern. Wir haben am Anfang sehr viel Briefpapier gemacht, oder grafische Erscheinungsbilder für Rechtsanwälte, Ärzte oder Journalisten. Mit der Zeit hat sich das alles eingefädelt. Jetzt haben wir einen festen Kundenstamm“. Leonore Poths erster Trickfilm ist, noch an der HfG entstanden, „Donna Mobile“, eine Gemeinschaftsarbeit der Frauen, die sich später zu TRICK 17 zusammenschließen werden. Inspirieren ließen sie sich dabei von „Human figure in motion“ und „Animal in motion“, zwei Bücher des berühmten Fotografen Eardweard Muybridge, der bereits 1850 sehr genau die Bewegungsabläufe von Mensch und Tier mit der Kamera festhielt. In „Donna Mobile“ sind es nackte Frauen, die in verschiedenen Posen durchs Bild hüpfen. Der Film wurde ein großer Erfolg. Erste Einzelarbeit ist ein Portrait der Stadt Offenbach, eine Semesterarbeit, die später von der Stadt angekauft wird und im Stadtmuseum zu sehen ist. Während des Abschlussfilms bekommt Leonore Poth bereits einen Auftrag für die Rodgau Monotones, die im HR eine eigene Fernsehsendung haben: Sie bebildert die Songs. Es folgen ein Zweiminüter für das ZDF zum Thema Liebe, „Just a simple melody“, im Rahmen einer Sendung, die Kindern die Entstehung von Zeichentrickfilmen erklärt sowie ein paar kleineren Arbeiten. 2000 entstehen „Die Rollmöpse“, ein vielbeachteter Trailer für eine Kinder-Zeichentrickserie. „Bei den Rollmöpsen fand ich es spannend, Kinder völlig unterschiedlicher sozialer Herkunft zu erfinden, wie das in Frankfurt ja auch üblich ist. Die Idee ist, eine kleine Gang, die eine spezielle Sportart hat, durch die Serie zu führen, zu zeigen, welche Konflikte dadurch auftreten, dass sie unterschiedliche Hintergründe haben und welcher Zusammenhalt durch die gemeinsame Sportart entsteht. Ich versuche immer wieder Serien zu konzipieren, denn dann lohnt sich erst die Arbeit, Figuren zu erfinden und Geschichten zeichnerisch auszugestalten. Auch „Tigel und Iger“, mein letzter Film, war als Einstieg in eine Serie gedacht, die ich bisher aber noch nicht unterbringen konnte. Und jetzt bin ich schon am nächsten dran. Es wird noch nicht verraten, was. Nur soviel: ich arbeite dabei mit David Ungureit zusammen“.
Trickfilme existieren seit dem Beginn der Filmgeschichte, das heißt seit mehr als 100 Jahren. Anfangs sprach man noch vom Zeichenfilm. Erst durch den Einsatz technischer Tricks wurde der Begriff Zeichentrickfilm eingeführt. Bedingt durch den enormen Aufwand und die technischen Einschränkungen, waren die ersten Zeichenfilme kurz und einfach gehalten. Menschen, Tiere, Gebäude oder Landschaften wurden auf simple Strichzeichnungen reduziert. Dank der ständigen Neu- und Weiterentwicklung in der Tricktechnik konnte dieses Manko in den folgenden Jahren behoben werden. Heutige Filme werden mit 24 Bildern pro Sekunde abgespielt. Das ergibt 1440 Bilder in der Minute. Einen neuen Aufschwung erlebte der Zeichentrickfilm dank des Computers. Viele Produktionsabläufe kann der neue "Helfer" übernehmen. Wurden bisher die einzelnen Folienzeichnungen zeitaufwendig am Tricktisch zusammengestellt und abgelichtet - werden heute die Vorlagen eingescannt und am Bildschirm weiter bearbeitet. Dort werden Bewegungsphasen mit ein paar Mausklicks genauso schnell erzeugt wie ein Zoom oder Schwenk mit der virtuellen Kamera. Und auch Leonore Poth arbeitet inzwischen am Rechner: „Während des Studiums haben wir noch schön gescribbelt und ausgeschnitten und Blindtext eingeklebt. Und als wir dann fertig waren, ging das mit den Computern los, und wir mussten uns alles anhand der Jobs selbst beibringen. Learning by doing . Das hat auch ganz gut funktioniert.“ Ihre Trickfilmkamera und den Schneidetisch hat Leonore Poth noch und erhält sich damit die Möglichkeit, auch wieder auf Film zu arbeiten. Ihr letzter Film „Tigel und Iger“ ist trotzdem am Rechner entstanden. Die Animation hat sie selbst gezeichnet, dann wurde sie von einem Produzenten in Dresden, der mit dem notwendigen Equipment ausgestattet ist, eingescannt und am Computer weiter bearbeitet. Einen eigenen Rechner für Trickfilm hat Leonore Poth nicht, sondern sie mietet gegebenenfalls ein Studio an. „Aber ich bin fit in Flash für Internet-Animation“, versichert sie lächelnd, bereit, da auch Aufträge anzunehmen. Filmografie (Zeichentrickfilme) 2003 „Tigel & Iger“, 5 Min, 35mm, Pilot für eine Kinderserie 2000 „Die Rollmöpse“, 13 Min, 35mm, Pilot für eine Kinderserie 1994 Trailer zur „Alpinale“, Filmfestival Bludenz (Österreich), 35mm 1991 Trailer für „Bücher, Bücher“ Hessischer Rundfunk 1990 „Weiß“, 2 Min, 16mm, im Auftrag des ZDF, „Roundabout“, 3 Min, 16mm, Beitrag zu 15x3, Filmhaus Frankfurt 1988 „Random Confusion“, 9 Min, 16mm, zu Songs der gleichnamigen Gruppe 1987 „Just a simple Melody“, 2 Min, 16mm, im Auftrag des ZDF Trickfilmfestival Stuttgart 1986 Diverse halbminütige Beiträge zu Kennzeichen D, ZDF, Berlin „Rodgau Melody“, 18 Min, 16mm, zu Songs der Rodgau Monotones im Auftrag des hr, Trickfilmfestival Stuttgart, Feminale Köln 1985 „U-Bahn Westberlin“, 12 Min, 16mm, Hochschulabschlussfilm 1984 „Offenbach“, 5 Min, 16mm, 1986 Trickfilmfest Stuttgart 1983 „Donna Mobile“, 1,5 Min, 16mm, 1984 Trickfilmfest Stuttgart zurück zur Übersicht (dummy)
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