Träumer gesucht! Haben die Frankfurter Kinofans ausgeträumt oder gibt es noch Hoffnung für den Royal-Filmpalast? Von Alexander Scherer Wer ins Kino geht, der hat Sehnsucht, sich in andere Welten entführen zu lassen: er will träumen. Und das alte Traditionskino „Royal" war für die Erfüllung dieser Träume viele Jahre lang in Frankfurt die erste Adresse. Doch leider ist dieser Traum seit 2 Jahren ausgeträumt. Ein neuer Pächter ist dort eingezogen. Statt Popcorn und Blockbuster gibt es nun Disco und Café. Vielleicht nicht die schlechteste Lösung für diese Immobilie, aber eine, die vielen Frankfurtern Kinoträumern die Tränen in die Augen treibt. Warum musste es nur soweit kommen? Was war geschehen? Hauptgrund ist in erster Linie der Umbruch in der Frankfurter Kinolandschaft. Dazu gehört der Rückzug der UFA und das Aufkommen der Multiplexe in den 90ern. Doch während in anderen Städten die Multiplexe in die Innenstädte direkt eingezogen sind, kam mit dem Bau des „Kinopolis" in Sulzbach der Druck zunächst aus der Region. Plötzlich blieben viele Kinobesucher aus dem Umland aus, die stattdessen ins Main-Taunus Zentrum pilgerten. Sogar das Frankfurter Stadtvolk zog es dorthin. Der Standort erschien ideal: erst shoppen gehen und anschließend der Kinobesuch. Das Ergebnis: die Besucherzahlen in der Frankfurter Innenstadt reduzierten sich um die Hälfte. Mittlerweile befindet sich die UFA Theater AG in der Insolvenz, während aber das „Royal" weiterhin als Immobilie der Olympic GmbH gehört, einer Tochtergesellschaft. Seit 1979 hatte sich das „Royal" als Top-Haus der UFA in Frankfurt einen Namen gemacht , wurde ständig auf dem neuesten Stand gehalten und diente als Premierenkino. Doch mit der technischen und räumlichen Ausstattung der Mulitplexe konnte es nicht mehr mithalten, so Volker Riech, Vorstandsvorsitzender der insolventen UFA. Eine wirtschaftlich rentable Nutzung des Hauses schien somit ausgeschlossen. Die letzte Chance, das Kino weiter am Leben zu erhalten, markierte die zeitweilige Pachtung im Jahr 2002 durch Liselotte Jaeger. Die mittlerweile verstorbene Grande Dame der Frankfurter Kinoszene war tatsächlich jemand, der den Mut zum Träumen noch nicht verloren hatte. Kein Businessplan hatte sie bewogen. Stattdessen waren ihre Beweggründe rein emotionaler Natur, wie die Schwiegertochter und jetzige Betreiberin der „E-Kinos" an der Hauptwache, Gabriele Jaeger, versichert. Doch auch ihr Traum scheiterte letztendlich an den harten, wirtschaftlichen Fakten. Mit seinen ca. 700 Plätzen war das Kino in Relation zu Pacht- und Betriebskosten zu groß, um ausgelastet zu werden. Mit der „Royal Event GmbH" ist die Immobilie jetzt in Händen eines Pächters, der auf Disco und Szenetreff setzt. Leinwand und Bestuhlung sind längst entfernt. Außerdem müsste zunächst investiert werden, während hier Kinos wie das Metropolis den klaren Vorteil haben, bereits auf dem neusten Stand zu sein. Doch da ist nicht alles Gold was glänzt, denn grade die Multiplex-Kinos müssen ums Überleben kämpfen. Mit dem „Metropolis", dem „Cineplex" und dem „Kinopolis" stehen 3 Konkurrenten in der näheren Nachbarschaft, die sich gegenseitig das Wasser abgraben, von den noch verbliebenen Kinos in Frankfurt ganz abgesehen. Hinzu muss man der Tatsache ins Auge sehen, dass im Zeitalter von DVD und Internet der Kinobesuch gründlicher abgewogen wird. Lohnt es sich, in den Film zu gehen, wenn ich einen Monat später schon die DVD haben kann? Letzten Endes wird der Zuschauer wählerischer in der Auswahl seines Films. Der Traum von einem großen, wirtschaftlich rentablen Traditionskino mit regulärem Programm scheint also wirklich ausgeträumt. Andererseits muss man sich fragen, ob stattdessen nicht alternative Kino-Konzepte denkbar wären. Beispiele lassen sich genug finden, wie z.B. „Orfeo’s Erben", oder, wenn man den Blick in die Region wagt, das frisch renovierte „Bambi" in Groß-Gerau, das sich nun „Cinebar" nennt. Statt Reihen von Kinositzen findet man dort bequeme Sessel an Tischen vor. So kann man sich vor, während und nach der Vorstellung bei Bedarf mit frischen Getränken an der im Kinosaal installierten Bar versorgen. Denkbar auch für das „Royal"? Vielleicht. Vorausgesetzt, es fände sich tatsächlich ein wahrer Retter wie aus einem Traum; jemand der verrückt genug wäre, Zeit und Geld hineinzustecken. Doch wer sollte diese wagemutige Rolle in Frankfurt übernehmen? Riech will über solche Ideen nicht spekulieren. Er ist zufrieden, einen Nutzer für die Immobilie gefunden zu haben. Und in Frankfurt scheint kein Retter in Sicht, jedenfalls kaum aus den Reihen der Kinobetreiber. So sieht Gabriele Jaeger in der jetzigen Nutzung sogar eine gute Lösung. Und der Traum vom neuen, „alten" Kino „Royal" bleibt vorläufig offen. |