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Sprache der Liebe
Eine Retrospektive zu Werk und Leben von Asta Nielsen
Von Christian Hüls *

Asta Nielsen (1881-1972), gilt als der erste europäische Kinostar. Ihre Weltkarriere beginnt in Frankfurt am Main. im Büro der Projektions AG Union (PAGU) Paul Davidsons in der Kaiserstrasse. Bereits ihr erster Film „Abgründe“, in nur einer Woche unter der Regie von Nielsen späterem Mann Urban Grad entstanden, wurde ein großer Erfolg.

Es war Asta Nielsens außergewöhnlicher Schauspielstil der ihren Ruhm beim Massenpublikum ebenso wie bei den Intellektuellen begründete. Zahlreiche Elogen auf die „Duse der Filmkunst“ zeugen von dieser Popularität. Und in diesem zeitgenössischen Lob drückte sich auch eine Hoffnung aus, die in Asta Nielsen eine Repräsentantin fand: Die Hoffnung, dem gesellschaftlichen Bewusstsein die Beschleunigung der technischen Entwicklung und sozialen Umbrüche der Moderne zu vermitteln – es gleichsam auf den aktuellen Stand zu bringen. Mit und gegen den Geist jener Zeit behaupteten sich die von Asta Nielsen dargestellten Charaktere, oft mit subversivem Witz, eine Ausdrucksfähigkeit des Körpers, die gegen die Ohnmacht einer überkommenen Sprache und Moral aufbegehrten.

Der „stumme“ Film, ohnehin Vermittler des gesellschaftlichen Umbruchs, in Asta Nielsen fand er seine körperliche und visuelle, gleichsam sinnliche Übersetzerin. Die Präsenz, die sie auf der Leinwand besaß, ihre Mimik und Gestik, ihre ganzen Bewegungen, ließen den Körper beredt werden. Noch heute ist Nielsen imstande, mit ihrem überaus modernen Spiel, das Publikum zu fesseln.

Das Thema von Asta Nielsens Filmen ist oft die Liebe. Jedoch nicht die romantische Liebe. Asta Nielsen verkörpert in ihren Rollen die Sehnsucht nach einer modernen Form der Liebe, die ihr Begehren gleichsam im Feuereifer zu stillen verlangt – und oft genug daran scheitert. Und dieses Scheitern stellt immer auch tradierte Rollenbilder in Frage, ist also auch ein gesellschaftliches Scheitern, das vor allem den Männern, verhaftet in Rollenklischees, den Weg zur Liebe versperrt. Den Frauen bleibt die Wahl: Die Wahl wie diese Männer zu werden, um den Preis ihrer Fähigkeit zur Liebe, oder die ihnen gesellschaftlich zugedachte Rolle, gleichsam ohnmächtig, zu erfüllen. Diese Zerrissenheit transportiert Asta Nielsen wie keine andere. Ihr Körper verleiht, im Scheitern wie im Triumph, der Sehnsucht und der Ohnmacht einen visuellen Ausdruck und hält ihn so lebendig im Film und für das Publikum.

Die Kinothek Asta Nielsen e.V. präsentiert von April bis Juni eine umfassende Retrospektive der Filme Asta Nielsens. In den fünfundzwanzig Jahren seit der letzten Nielsen-Retrospektive hat sich die Entwicklung von neuen Techniken der Filmrestaurierung entscheidend verbessert. So wird daher, zum Teil in Farbrestaurierungen, ein Werk zu sehen sein, das beispielhaft für eine grandiose Spielfilmästhetik ist, für ein Spiel der Körper und Gebärden, das auf alle Details des Films ausstrahlt und sie umfängt.

* Christian Hüls ist Mitarbeiter der Kinothek Asta Nielsen
www.kinothek-asta-nielsen.de
Filmhaus Frankfurt e.V.
Ostbahnhofstr. 15
60314 Frankfurt
Tel.: 069 / 13 37 99 94
Fax: 069 / 13 37 99 96
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