Schwere Zeiten für die Filmkunst Wie verändert sich die Kinosituation in Frankfurt – Podiumsdiskussion beim Jour Fixe im Filmhaus Frankfurt. Von Daniel Güthert Wenn im Kinosaal das Licht angeht, ist alles vorbei, dann ist der Rausch der Imaginationswelt wie mit einem Schlag zerstoben. Denn Kino braucht das geheimnisvolle Dunkel des Zauberortes. Was aber, wenn die Kinosäle überhaupt nur noch dunkel bleiben? Was, wenn das Kinosterben eine Schneise der Verödung in die Kulturlandschaft schlägt? Dieser Frage wollte sich der erste Jour Fixe des Jahres im Filmhaus Frankfurt widmen. Denn Frankfurt ist vom Umbruch der Kinosituation exemplarisch betroffen. Die traditionellen Lichtspieltheater, teilweise mit anspruchsvollem Repertoire angetreten, scheinen nicht mehr der heutigen Marktstruktur zu entsprechen. So sind seit 2000 etliche dieser Traditionshäuser wie das "Royal" oder die "Zeil-Kinos" oder auch Arthouse-Spielstätten wie das "Olympia" am Theater und jüngst das "Cinema" (Hauptwache) geschlossen worden. Doch eine präzise, klar umrissene Bestandsaufnahme blieb der Abend schuldig. Für Stefan Burger, Leiter des Metropolis, gibt es ohnehin keinen Anlass zur Klage. Denn sein Haus, ein Multuplex mit 12 Sälen und über 3.500 Plätzen, gehört gerade zu den Gewinnern dieses ruinösen Wettbewerbs. Nach katastrophalem Start im April 2001, begleitet von Misstönen und Rechtsstreitigkeiten der Gesellschafter, konnte sich das Metropolis - ein klassisches Mainstreamunternehmen mit ein paar cineastischen Sprenklern - inzwischen gut etablieren. In dem insgesamt recht erfolgreichen Kinojahr – im Durchschnitt sind 2004 die Zuschauerzahlen bundesweit um circa 7 Prozent (auf rund 150 Millionen Besucher) gestiegen – habe auch das Metropolis erneut zulegen können, so Burger, und zwar um 10 Prozent. Und im Dezember habe man erstmals den einmillionsten Kinogast im laufenden Jahr begrüßt. Aber auch für Harald Vogel, seit 2000 Betreiber des Programm-Kinos "Harmonie" in Sachsenhausen, stellt sich die Entwicklung nicht besorgniserregend dar. Aus seiner Sicht sei Frankfurt vergleichsweise immer noch gut bestückt mit Programmkinos. Von Ausdünnung des cineastischen Angebots könne insofern nicht die Rede sein. Wirtschaftlich seien Programmkinos, vor allem in Innenstadtlagen, heute auch kaum noch zu betreiben. Die Pachterwartungen der Vermieter, gerade in attraktiver Lage, seien exorbitant hoch. "Das ist aus dem Ticketverkauf und andern Erlösen im Arthouse-Kino nicht zu erwirtschaften." Als Vogel im Sommer 2000 die Harmonie übernahm, konnte er die Pacht um die Hälfte drücken. Bei 60.000 Besuchern habe er seinerzeit den Break-Even angesetzt. Diese Schwelle habe er heute erreicht - wobei, wie Vogel einräumt, er von der Schließung des "Olympia" durchaus profitiert habe. Andererseits von Seiten der Politik ein zusätzliches Engagement zugunsten der Programm-Kinos zu erhoffen, sei unter der gegebenen Kassenlage der Stadt illusorisch, wie Renate Wolter–Brandecker, die kulturpolitische Sprecherin der SPD, erläuterte. So kann sich der Platzhirsch, das „Metropolis", das gerade erst zusammen mit dem "Cineplex" Griesheim von der australischen Mediengruppe Amalgamated Holdings aufgekauft worden ist, vereinzelt sogar auf anspruchsvolle Titel verlegen. "Luther" oder "Lost in Translation" habe er bewusst ins Programm genommen, so Burger, denn er wolle solchermaßen auch das etwas ältere Publikum erreichen; Leute, jenseits der 30 Jahre. Insofern sei ein Spagat angestrebt: das Haus zu öffnen für die zahlenmäßig stärkste Gruppe, die Jugendlichen und Jüngeren, aber zugleich ein Ambiente zu schaffen, das ein älteres Publikum anspricht und einlädt. Reine Cineasten-Filme wie etwa Wong Kar-Weis "2046" könne Burger allerdings nicht plazieren. Dafür müssten sich schon andere Spielstätten finden. So hat die "Harmonie" den Film ins Repertoire genommen. Andere Häuser werden in der Zweitverwertung voraussichtlich noch folgen, wie das "Valentin" oder das "Orfeo's Erben". Aber in der Innenstadt, da wo das Leben einer Stadt eigentlich pulsieren sollte, wird man das Angebot herausragender, eigenwilliger Werke der Filmkunst in Zukunft wohl vergebens suchen. Einen anderen Eindruck ließ der Abend zumindest nicht aufkommen. |