Publikumspflege und ein eigenes Konzept Wie sich die Programmkinos in Frankfurt der Konkurrenz erwehren Von Claudia Prinz In der Provinz gibt es immer weniger Kinos. Daran hat man sich gewöhnt. Aber inzwischen sind auch die Großstädte betroffen, wie das Beispiel Frankfurt zeigt, zumindest was die mittelständischen Betriebe angeht. Die maroden Häuser des ehemaligen Ufa-Konzerns haben eines nach dem anderen geschlossen. Übrig ist nur noch der Turm-Palast, der von Kieft & Kieft übernommen wurde. Während im Kinojahr 2003 wegen des Jahrhundertsommers ein Besucherrückgang von 16% zu verzeichnen war, stiegen die Umsatzzahlen im Jahr 2004 wieder an, erreichten allerdings noch nicht die Rekordzahlen von 2001. So war 2004 kein wirklich gutes Jahr für die Kinos, heißt es. Für alle Kinos? Unsere Arthouse- und Sympathie-Kinos können sich nicht beklagen. Sie sind inzwischen immer mehr zu wichtigen Garanten von Vielfalt und Kontinuität in der Kinobranche geworden. Denn diese meist kleineren Spielstätten haben offensichtlich ein besonders treues Publikum: Es ist eher älter, besser gebildet, stärker an Inhalten als an Special Effects interessiert und kommt häufig aus Single-Haushalten, so eine Studie der FFA aus dem Jahre 2003. Genau das bestätigt Antje Witte von „Orfeo’s Erben". Auch hier mache sich der Trend beim jungen Publikums bemerkbar, sich verstärkt anderen Unterhaltungsformen zuzuwenden. „Aber das Stammpublikum ist uns treu geblieben. Nach der Einführung des Euro gab es einen Einbruch aber inzwischen hat sich das wieder eingependelt. 23.000 Besucher bei 80 Plätzen ist ganz gut", so Witte. „Wir haben ein Stammpublikum, das sehen wir an den hohen Verkaufszahlen unserer Zehnerkarten. Darunter sind viele ältere Leute, so ab 50. Für die ist das ihr Bockenheimer Stadtteilkino und sie sehen sich jeden Film an, der hier läuft. Manche machen sich hier einen richtig schönen Abend. Zuerst gehen sie im Restaurant essen und dann ins Kino. Bei der Auswahl unserer Filme habe ich dieses Publikum natürlich auch im Blick" Publikumspflege und ein eigenes Konzept sind für Programmkinos der Schlüssel zum Erfolg. speziellen Zuschauergruppen gilt deshalb die besondere Aufmerksamkeit. So werden im „Mal Seh’n" häufig Originalfassungen mit Untertiteln gespielt, um damit gezielt der multikulturellen Bevölkerung der Stadt gerecht zu werden. Das „Valentin" profiliert sich dagegen eher als Stadtteilkino, und Harald Vogel von der „Harmonie" wieder versucht, die weibliche Klientel mit reduzierten Eintrittspreisen an einem Tag in der Woche in sein Filmtheater zu holen. „Es ist natürlich eine wirtschaftliche Überlegung. Eine Frau gibt den Anstoß. Wenn sie in einer Paarbeziehung lebt, sagt sie ‚Wir könnten mal wieder ins Kino gehen’ und der Mann sagt:’ O.K., ich geh’ mit’. Oder er geht nicht mit, dann geht die Frau aber trotzdem, entweder alleine oder mit einer Freundin. Deshalb sind Frauen meine Hauptzielgruppe". Und es scheint, dass Vogels Angebot ankommt. Seit der Übernahme im Jahr 2000 wird seine Kinoarbeit insgesamt mit kontinuierlich steigenden Zuschauer(innen)zahlen belohnt. Die meisten hiesigen Arthouse-Kinos legen ihr Schwergewicht nicht auf die Teenager-Generation, sondern wenden sich in ihren Abendvorstellungen bewusst an ein erwachsenes Publikum. Und sie haben keine Mühe, dafür passende Filme zu buchen. Es gäbe nämlich, wie Ariane Hofmann vom „Mal Seh’n" betont, für Programmkinos ein großes Angebot der Verleiher. „Es sind so viele Filme auf dem Markt, dass wir nie Probleme haben, ein interessantes Programm zusammenzustellen. Wir haben Verleiher, die von selbst an uns herantreten oder wir suchen uns Filme auf Festivals aus. Es gibt gerade bei uns ganz spezielle Filme, die in anderen Kinos gar nicht gespielt werden. Eigentlich könnten wir sogar eine weitere Leinwand gebrauchen, um aus dieser Sparte noch mehr Filme zu zeigen." Frankfurt hat, im Vergleich zu anderen Städten, nicht sehr viele Arthouse-Kinos. Dadurch hält sich die Konkurrenz in Grenzen. Und mit den Multiplexen gibt es ohnehin kaum inhaltliche Überschneidungen. Seit die Multiplexbetreiber allerdings feststellen mussten, dass der Verdrängungswettbewerb untereinander die angestrebten Besucherzahlen zur Illusion werden lässt, sehen sich die Programmkinos mit einem beispiellosen Preisdumping konfrontiert. Wenn anderenorts nur noch EUR 2,50 für eine Eintrittskarte bezahlt werden müssen, ist es manchem Zuschauer nur noch schwer zu vermitteln, dass es sich bei Filmen um künstlerische Produkte handelt, die im Arthouse-Kino nicht so billig zu haben sind. Immerhin: Bei der Neukonzeption des kostenlosen Programmheftes „Kinojournal" haben alle Frankfurter Lichtspielhäuser an einem Tisch gesessen, auch die Multiplexe - einmalig in Deutschland, dass alle Beteiligten in einer Stadt eine gemeinsame Werbestrategie verfolgen. |