Plattform für Filmschaffende Vorschau auf “eDIT 8. Filmmaker's Festival“ Von Rolf Krämer* Das „eDIT 8. Filmmaker's Festival“ ist eine einzigartige internationale Plattform für den kreativen und praktischen Austausch unter Filmschaffenden. Digitale Tricks gehören mittlerweile zum Filmemachen wie Kamera, Schnitt oder Musik, also wird das European Festival for VFX and Production zum Filmmaker's Festival. Es geht um Storytelling im bewegten Bild für alle Medien. Es ist die ewige Herausforderung des Filmemachers, eine gute Geschichte zu finden und sie faszinierend visuell zu erzählen, um zu erreichen, was ihm die Ratio seines Publikums andauernd verwehren will: dass sie sich der Illusion hingibt und – vorübergehend – eine Fiktion als Realität akzeptiert. Großes Kino aber ist große Emotion. Es verlangt viel, ein Publikum zum Weinen zu bringen, vor Freude, Schmerz, Rührung oder Mitgefühl, oder auch zum Lachen, sich fürchten oder mitdenken. Seit jeher haben sich die großen Filmemacher aller Tricks und Mittel der optischen Täuschung bedient, um Auge und Ratio zu überlisten und die Emotion und das Unterbewusste zu stimulieren. Im 21. Jahrhundert besteht diese ewige Herausforderung fort, allerdings hat die digitale Revolution den Filmemachern Techniken an die Hand gegeben, die praktisch jedes Bild möglich machen. Allein das alles hilft nicht, solange ein Filmemacher keine gute Geschichte parat hat und auch die Tricks und Kniffe nicht beherrscht, um sie visuell zu übertragen. Mit dem neuen Namen „Filmmaker's Festival“ trägt die eDIT ihrer in der Vergangenheit kontinuierlich vollzogenen Entwicklung von der ehemaligen Spezialistenkonferenz für Postproduction und Visual Effects zur Plattform für innovative Filmproduktion für alle Filmschaffenden Rechnung. Die eDIT unterbreitet ein umfassendes Angebot von Workshops, Panels und Präsentationen zu vielfältigen Aspekten der Film- oder besser: Bewegtbildproduktion. Denn was man heute so unspezifisch „Film“ nennt, ist doch tatsächlich viel mehr als Film im ursprünglichen Sinne des Wortes. Von den elektronischen Aufzeichnungssystemen des Fernsehens über computeranimierte Werbe- und Kinofilme, Videospiele, Commercials bis hin zu Spielfilmen in digital hochauflösender Qualität wird Bewegtbild heute in unterschiedlichster Form produziert und in vielfältigen Medien genutzt. Doch bei aller Unterschiedlichkeit in Medium, Etat und Zielgruppe eint der Anspruch alle Kreativen, dass sie spannende Geschichten in aufregenden Bildern erzählen wollen, um eine perfekte Illusion zu erzeugen. Deshalb lädt das Festival internationale Referenten aus unterschiedlichsten Disziplinen ein, und was die eDIT dabei – gerade im Vergleich zu großen Filmfestivals und Messen – ganz besonders interessant macht, ist die Gelegenheit zum direkten Kontakt mit internationalen Cracks und Legenden des Films. Hier kann man wirklich persönlich fragen: „Wie haben Sie das gemacht, Herr Ballhaus, Herr Emmerich, Mister Greenaway....?“ Vom 9. bis 11. Oktober 2005 wird die achte eDIT unter dem Thema Art and Science of Moving Image also ein Programm bieten, das sich der technisch und kreativ innovativen Produktion für alle Medien widmet mit besonderer Aufmerksamkeit für den Kinofilm und Tagesschwerpunkten für andere Bereiche. Sonntag ist im Anschluss an die vdw-award-Verleihung (traditionell) Werbetag, am Montag gibt es den Fokus Animation und Dienstag ist TV-Tag. Jeder Tag ist allerdings auch Kinotag, denn täglich werden Making Of's und mehr zu einigen der aufregendsten Kinoproduktionen des Jahres präsentiert. Im Bereich Visual Effects zeigt die eDIT dank der Kooperation mit der Visual Effects Society (VES) weiter ein jedenfalls in Europa einzigartiges Programm. In Sachen VFX für Hollywood im Programm: Steven Spielbergs “War of the Worlds”, Ridley Scotts “Kingdom of Heaven”, Tim Burtons “Charley and the Chocolate Factory”, von Robert Rodriguez “Sin City”, von George Lucas “Star Wars Episode 3” und von Chris Nolans “Batman Begins” ... Hier setzt Frankfurt wie seit jeher Maßstäbe. Das eDIT-Tagesseminar „Filmproduction in the Digital Age“ erläutert Filmschaffenden aus allen Disziplinen den praktischen Nutzen und die Kosten digitaler Produktionsmittel und -tricks, denn von der Previsualisierung bis zum Digitalen Cinema gibt es viel, das die Filmproduktion erleichtern kann, wenn man es versteht. Das Seminar richtet sich spezifisch an Filmschaffende und Redakteure mit Interesse an Vertiefung. (Details siehe GRIP-Seminarteil). Mit dem Fokus „Digital Intermediate“ (DI) und der Fallstudie „Hotel Ruanda“ – der Film wurde im DI quasi gerettet – behält die eDIT wichtige praktische Entwicklungen der Filmherstellung im Auge. Das digitalisierte Filmbild bietet eine große Bandbreite an Verbesserungs- und Nutzungsmöglichkeiten, von der digitalen Colorierung bis hin zur multimedialen Ausspielung, die auch vielen Praktikern noch nicht bekannt sind. Und der Bereich Fernsehproduktion wird entsprechend seiner tatsächlichen Bedeutung in Deutschland bei der eDIT 8 ausgebaut. Neben internationalem TV-Design (im Fokus: Magazinsendungen) werden besonders Dokumentarfilme unter die Lupe genommen, denn sie laufen der Fiktion bei Produktionsinnovation und kreativem Storytelling zunehmend den Rang ab. Produzenten und Redakteure profitieren gleichermaßen davon, wenn es um die Herstellung der neusten TV-Formate geht. Neu im Festivalprogramm sind etwa umfassende inhaltliche Kooperationen, die die eDIT als Plattform nutzen. Das Festival wird auch durch vier Seminare der Zentralen Fortbildung Programm der öffentlich-rechtlichen Sender (ZFP) aufgewertet. Als Teil der Kooperation mit der ZFP wird die eDIT erstmals ein Drehbuchseminar mit dem renommierten Script-Coach Keith Cunningham anbieten. Das ist allerdings einer beschränkten Teilnehmerzahl vorbehalten. Voranmeldung ist erforderlich. Dass privates Fernsehen in Deutschland auch „gutes Fernsehen“ macht, will die Hessische Landesmedienanstalt in Kooperation mit dem Adolf-Grimme-Institut bei einem eDIT-Panel am Dienstag aufzeigen. Am Werbetag wird unter anderen adc-award-Abräumer Amir Kassaei unter dem Thema Storytelling in Commercials den Spot „GOLF GTI: Für Jungs, die immer schon Männer waren“ präsentieren. Darren Price, Head of 3D bei London's Nexus Productions präsentiert „Honda: GRRR!“, der unter vielen Preisen auch den bedeutendsten gewonnen hat: den Grand Prix in Cannes. Die Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR) ergänzt den Werbefokus der eDIT, indem sie am 10. Oktober die Fachtagung „Kinder, Werbung – Werbekinder?!“ auf der eDIT anbietet. Schließlich ist der Bereich Animation ein weiterer Schwerpunkt der 8. eDIT. Und somit ist es an der Zeit, dass die eDIT erstmals einen Animator mit Festival Honors ehrt: Phil Tippett. Er begann seine Karriere 1977 bei der Mutter aller VFX-Filme: „Star Wars“. Er gewann Oscars für „Return of the Jedi“ und „Jurassic Park“, weitere Nominationen erhielt er für: „Starship Troopers“, „Dragonslayer“, „Willow“ und „Dragonheart“. Sogar eine Dinosaurierart ist nach ihm benannt: Elaphrosaurus philtippettorum. Aufgrund der anhaltend sensiblen Lage der Branche haben die eDIT-Träger die Eintrittspreise für das Filmmaker's Festival radikal gesenkt. In der Hoffnung, dass die eDIT gerade für Freiberufler aus Rhein-Main erschwinglich ist - hatte doch die Teilnehmerauswertung 2004 ergeben, dass deutlich mehr Gäste aus dem außerhessischen Raum die eDIT besucht haben als heimische Interessenten. Sogar aus Norwegen war eine Delegation angereist. * Rolf Krämer ist Programmchef der eDIT 8. Filmmaker's Festival eDIT 8. Filmmaker’s Festival Art and Science of Moving Image 09.,10.,11. Oktober 2005 CineStar Metropolis, Frankfurt am Main Programminformation: http://www.edit-ves.com/ |