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Hessen Invest Film - gute Perspektiven für den Filmstandort Hessen
Von Polia Bauer*
 
Das Land Hessen hat die wirtschaftliche Filmförderung in Form eines revolvierenden Fonds – Hessen Invest Film - eingerichtet. Der InvestitionsBank Hessen sind alle wesentlichen Aktivitäten zur Steuerung des Fonds übertragen. Die bisherigen Aktivitäten von Hessen Invest Film hat die hessische Filmbranche als überaus positives, innovatives und erfolgversprechendes Instrument aufgenommen. In den vergangenen zweieinhalb Jahren konnten durch Hessen Invest Film 28 Filmprojekte mitfinanziert und drei neue Unternehmen gegründet werden. Dies trug enorm zur positiven Imagebildung des Filmstandortes Hessen bei.
Mit dem jüngsten Gewinn des Prix du Jury von Cannes für „Tropical Malady“ machte Hessen Invest Film auch international auf sich aufmerksam. „Tropical Malady“ ist ein Mystery Thriller, der die Liebe zweier Männer erforscht, die sich zunehmend mit paranormalen Phänomenen konfrontiert sehen. Die Dreharbeiten fanden im thailändischen Dschungel statt, die Postproduktion übernahm die Firma TVT Postproduktion in Frankfurt. Die Auszeichnung mit dem Preis der Jury ist eine besondere Anerkennung für den deutschen Koproduzenten Thoke + Moebius Film. Ein Projekt, das durch die Kofinanzierung mit Mitteln aus dem Programm Hessen Invest Film realisiert werden konnte.

Doch nicht allein die kulturelle Wertigkeit wurde durch den hessischen Filmfonds Hessen gesteigert. Inzwischen hat sich auch der wirtschaftliche Erfolg eingestellt, da erste Rückzahlungen in den Fonds geflossen sind. Trotz Schlussfinanzierungscharakter trägt der Fonds dennoch ein hohes finanzielles Risiko. Dieses liegt eher in der Vermarktung des Films als in der eigentlichen Produktion. Kriterien wie Verwertungspotential, Erlöseinschätzung eines Verleihs und/oder Weltvertriebs, schlüssiger Rückflussplan, internationale Konkurrenz, aber auch der wirtschaftliche Landeseffekt spielen zunehmend eine zentrale Rolle bei der Finanzierungsentscheidung.

Die kommerzielle Filmförderung hat dazu beigetragen, dass viele Arbeitsplätze gesichert respektive neu geschaffen wurden. Die meisten von Hessen Invest Film mitfinanzierten Filme wurden zwar im Ausland produziert, viele Dienstleistungen aber sorgten in Hessen für einen positiven Beschäftigungseffekt. Als Beispiel sei die internationale Koproduktion „Valley of Flowers“ von Pan Nalin (Pandora) genannt. Gedreht wird zwar in Indien, Japan und Köln, die Computeranimation (CGI) und die Postproduktion finden aber in Frankfurt statt.


Seit jüngster Zeit ist Hessen Invest Film auch an internationalen Koproduktionen beteiligt, die in Hessen hergestellt werden sollen und somit aus volkswirtschaftlicher Sicht den größten Wertschöpfungseffekt erzielen könnten. „Croquemitaine“ (Thoke+Moebius Film) oder „Metamorphosis“ (Schmidtz Katze Filmkollektiv), werden teilweise in Hessen gedreht. Das wird der Filmwirtschaft in Hessen einen neuen Wachstumsimpuls bringen.


Einige Aktivitäten von Hessen Invest Film beziehen sich darauf, internationale Partnerschaften im Sinne eines networks zu knüpfen und zu unterstützen. Durch Präsenz in Berlin und Cannes konnten vielversprechende Projekte nach Hessen akquiriert werden.
Hessen Invest Film sollte ursprünglich als Signal an die hessische Filmbranche verstanden werden, in Hessen ansässige Filmemacher zu motivieren, neue Projekte ins Land zu holen. Die so gewonnenen Aufträge eröffneten der Filmbranche – vor allem im Bereich der Postproduktion – zusätzliche Chancen, ihre beruflichen Qualifikationen deutlich zu verbessern sowie ihr Produktionsspektrum auszudehnen. Aus dem Signal ist über die vergangenen zwei Jahre so ein erfolgreicher Multiplikatoreffekt entstanden.

Das Programm wird am Ende des Jahres evaluiert. Vorbereitet wird die Evaluation durch die InvestitionsBank Hessen. Die Richtlinie wird dann einer Überprüfung unterzogen und erforderlichenfalls modifiziert. Es hat sich jetzt schon gezeigt, dass das Konzept erfolgreich ist. Erste Rückflüsse, aber auch nationale und internationale Preise belegen dies.

Gegenwärtig ist das Programm nur ein zeitlich befristetes Finanzierungsinstrument, da es keine festen jährlichen Mittelzuflüsse gibt. Erschwerend kommt hinzu, dass Spielfilme sich über einen Mindestzeitraum von sieben bis zehn Jahren recoupen lassen. Welche Perspektiven also gibt es? Der Fonds wird sich zuerst nur langsam auffüllen, es sei denn, eine finanzielle Aufstockung ist in Sicht, die dann den bereits initiierten Prozess nachhaltig unterstützen würde.

Vor kurzem hat das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst die Projektträgerschaft von Hessen Invest Film übernommen und erarbeitet derzeit federführend ein „Konzept zur Zukunft von Film und Medien in Hessen“. Das Konzept zielt unter anderem auf eine verstärkte Bündelung der Förderaktivitäten. Dies wiederum würde es ermöglichen, wirtschaftlich wie kulturell interessantere TV- und Kinoproduktionen sichern zu können, die bisher aufgrund des relativ geringen und einmalig aufgelegten Etats von Hessen Invest Film gar nicht erst in Hessen vorgestellt wurden.

Für die Filmförderung ist das eine Chance, die kulturellen und die wirtschaftlichen Förderaktivitäten auf eine Institution zu übertragen, die dann alle Maßnahmen professionell und transparent durchführt und die Programme effizient abwickelt.

Denn einer der großen Vorteile der jetzigen Organisationsstruktur von Hessen Invest Film ist, dass alle Arbeitsschritte hier gebündelt sind - von Projektakquisition, Projektbeurteilung und Entscheidungsvorbereitung, Organisation der Kommissionssitzungen, über Umsetzung der Bewilligungsbeschlüsse, Vertragsverhandlungen und Vertragsabschluss, bis hin zur Projektbegleitung und dem Rückflusscontrolling. Dieses Fachwissen „aus einer Hand“ wird von der Filmbranche geschätzt und als Vorteil auch gegenüber anderen regionalen Filmförderungen herausgestellt.

Hessen Invest Film sollte langfristig als Marke überregional und international etabliert werden, damit Hessen als Film- und Medienstandort attraktiver wird. In Hessen produzierte Filme sind ein besonders wirkungsvolles Medium, den Standort Hessen international bekannt zu machen und zu stärken.

*Polia Bauer ist Projektreferentin für Hessen InvestFilm bei der IBH
 

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