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Mehr Professionalisierung ist gefordert
Im August 2005 gründete sich die Vereinigung der Hessischen Filmwirtschaft. Einiges konnte bewirkt werden, anderes bleibt noch zu leisten. Eine Zwischenbilanz
Von Daniel Güthert

Seit gut einem Jahr besteht die Vereinigung der Hessischen Filmwirtschaft, wie sie offiziell heißt. Ein Interessenverband klassischen Zuschnitts, der sich als Sprachrohr seiner Mitglieder versteht, deren Interessen und Anliegen wahrnimmt und sie gegen­über der Politik und Öffentlichkeit kommuniziert. Entstanden war die Vereinigung seinerzeit situativ, im Oktober 2005, als das erfolgreich gelaufene Investitionsprogramm für die Filmwirtschaft, Hessen Invest Film, nach vier Jahren wegzubrechen drohte.

Knapp 30 Unternehmen der Filmbranche hatten sich spontan zusammengeschlossen. Bedeutende Produktionsfirmen wie Odeon-Film, U5-Filmproduk­tion, Pandora, Herold-Production, aber auch namhafte Dienstleister wie etwa TVT-Postproduction, MBF oder die Medienkanzlei Brehm & von Moers hatten sich in die Gründungsriege eingereiht. Die Erwartung war, mittels des Verbandes professioneller, geschlossener gegenüber der Politik auftreten zu können und das Einstampfen des erfolgreich gelaufenen Konjunkturprogramms Hessen Invest Film zu verhindern.

Dies ist schließlich gelungen. Im Juli 2006 kam es zur Neuauflage des Programms mit einem Investiti­onsvolumen von 20 Millionen Euro, verteilt auf vier Jahre. Wäre damit also die Funktion des Verbandes erschöpft? "Nein, nicht im mindesten", wie der Vorsitzende des Verbandes, Ernst Szebedits (Neue Pegasos) einwendet. "Erstens wollen wir die allgemeine Verbandstätigkeit sukzessive ausbauen. Und zweitens ist unser Ziel, weiter auf die Verbesse­rung der Strukturbedingungen für Hessische Filmunternehmen hinzuwirken." Insoweit ist die Verbandstätigkeit auch Ausdruck einer Professiona­lisierung innerhalb der Branche, um der Landesre­gierung als Gesprächspartner für anstehende Weichenstellungen zur Verfügung zu stehen. Zumal die Bedeutung des wachstumsori­entierten Film- und Mediensektors für den Wirtschaftsstandort Hessen von der Politik erkannt ist und erklärtermaßen ausgebaut werden soll.

Von wünschenswerter Professionalisierung spricht Szebedits auch im Zusammenhang mit dem neuen Hessen Invest Filmfonds und von einigem Nachbes­serungsbedarf, den der Verband in künftigen Verhandlungsrunden anmelden werde. Dazu werde beispielsweise die bereits bekannte Empfehlung gehören, die Koordination der Förderarbeit endlich auf eine branchenspezifische Geschäftsstelle zu übertragen, die - analog zu Förderinstitutionen anderer Bundesländer – Kontakte pflegt, informiert und berät und in seiner personellen Besetzung eine enge Verzahnung mit der Filmszene bundesweit gewährleisten kann.

Da Hessen bislang kein exponierter Medienstandort war, ist Szebedits überzeugt, müsse im Kern weiter an der Professionalisierung der Branche und ihrer Strukturen gearbeitet werden, um etwas zu erreichen. In diesem Sinne wolle der Verband insgesamt seine Tätigkeit forcieren. In Vorbereitung sind ein Internetauftritt sowie ein vierteljährlicher Newsletter, um weitere Mitglieder in Hessen zu werben. "Je mehr, desto besser. Das stärkt natürlich unser Standing und unsere Möglichkeiten," so der Vorstandssprecher.

Eine ähnliche Einschätzung vertritt auch Vorstands­mitglied Peter Matthäi (MBF), der sich wünschen würde, wenn sich mehr "führende Medienfirmen wie BiboTV oder Pictorion-Das Werk dem Verband anschlössen".

Beitreten können gemäß Satzung Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen für Film- und Fernseh­produktion, soweit sie ihren Firmensitz in Hessen haben. Als Interessenvertretung von Berufsgruppen im Film - wie etwa Regie, Kamera oder Drehbuch - steht die Vereinigung nicht offen. "Wir verstehen uns als reiner Wirtschaftsverband und wollen so auch auftreten." (Szebedits)

Welche Bedeutung ein Dienstleister wie MBF der Wirtschaftsvereinigung beimißt, unterstreicht MBF-Geschäftsführer Matthäi: "Die Profilierung des Standortes darf nicht allein der Politik überlassen sein. Von einer guten Auftragslage profitieren wir alle und können dadurch Arbeitsplätze sichern." Im Grunde sei das Rezept ganz einfach: "Was wir brauchen, ist eine stabile Auftragslage. Das ist der beste Nährboden für die Branche und den Medienstandort Hessen."
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