Mehr Mittel werden gebrauchtPerspektiven der wirtschaftlichen Filmförderung in Hessen aus der Sicht der Investitionsbank Hessen (IBH)Von Polia Bauer Hessen-Invest Film hat sich als neues und einziges Instrument der wirtschaftlichen Filmförderung in Hessen erfolgreich über die letzten drei 3 Jahre hin etabliert. Bisher wurden insgesamt 37 Projekte mit 8,8 Millionen Euro größtenteils durch Darlehen finanziert. Damit wurden zielgerichtet mehr qualifizierte Aufträge nach Hessen geholt und die Standortbedingungen für Filmproduktionen wesentlich verbessert. Insgesamt kann Hessen-Invest Film von einer relativ breiten Streuung bei der Finanzierung sprechen, angefangen von Arthouse-, Mainstream- oder Dokumentarfilmen über TV-Serien bis hin zu Musik- und Kinderfilmen. Einigen wenigen Großprojekten wie „Jack-Point-Jack“ oder „Alone in the Dark“ stehen entsprechend kleine Projekte gegenüber, so dass der durchschnittliche Finanzierungsanteil pro Bewilligung bei circa 250.000 Euro lag. Die Herstellungskosten der Projekte sind im Durchschnitt mit rund 3 Millionen Euro beziffert. Die durch Hessen Invest Film zugebilligten Darlehen oder Beteiligungen sind zinslos und werden lediglich aus den Erlösen der jeweiligen Produktion bedient. Hier liegt auch das Risiko der Darlehensrückführung. Und es ist nicht auszuschließen, dass eine vollständige Tilgung der Darlehen nur bei wenigen Projekten realistisch ist, ungeachtet im übrigen des Genres oder der Produktionsart. Umso erfreulicher ist es, wenn dann gerade kleine Dokumentarfilme wie „Neue Gartenkunst“ von Ilona Grundmann oder der TV-Film „Gefährliche Gefühle“ der U5 Filmproduktion besonders gute Recoupments zeitigen. Zusätzlich muss aber die Wirkung des Programms als Standort- und Werbeinstrument für das Land Hessen hervorgehoben werden. Durch Projekte wie „Ich bin die Andere“, die „Wolke“ oder „Madonnen“, bei denen mehrere Drehtage in Hessen geplant sind, wird dieser Effekt deutlich. Außenaufnahmen von hessischen locations wie Rheingau oder Frankfurt werden stärker vom Publikum wahrgenommen. Den Stellenwert von Dreharbeiten in Hessen haben unlängst auch der hessischen Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts (CDU), sowie der IBH-Vorstand, Rudolf Kriszeleit, nterstrichen, anläßlich einer Drehortbesichtigung bei Margarethe von Trottas neuem Kinospielfilm „Ich bin die Andere“ in Eltville. In dem hochkarätig besetzten Melodram spielen neben Hauptdarstellerin Katja Riemann, August Diehl und Armin Müller-Stahl sowie Barbara Auer und Karin Dor. Der Film wird 2006 im Concorde Filmverleih in die deutschen Kinos kommen. Ein anderes aktuelles Beispiel ist der von Pandora produzierte Film „Der letzte Trapper“. Der hessische Beitrag bestand hier hauptsächlich im Bereich der Filmmaterialbeschaffung und der Postproduktion. Der Film wurde nach über zweijährigen Dreharbeiten in Kanada im Herbst 004 fertiggestellt; bereits über 2 Millionen Zuschauer haben den Film inzwischen in Frankreich gesehen. In Deutschland ist der Kinostart für Winter 2005 vorgesehen. Die deutschen Fernsehrechte hat die ARD erworben. Für künftige Projekte stehen allerdings bis Ende 2005 nur noch 700.000 Euro zur Verfügung. Um das Programm auch über das Jahr 2005 fortführen zu können, ist die Bereitstellung weiterer Mittel notwendig. Die IBH prüft zur Zeit weitere Finanzierungsquellen. Als Alternativmodell ist die Initiative der Investitionsbanken der Länder Berlin und Brandenburg zu nennen, die ein Projekt zur Zwischenfinanzierung von TV-Produktionen miteinem Kreditvolumen von 10 Millionen Euro gestartet haben. Ein Problem bei Auftragsproduktionen, aber auch bei Kinofilm-Koproduktionen liegt darin, dass die Mittel zu unterschiedlichen Zeitpunkten fließen, so dass die Produzenten gezwungen sind, Darlehen zur Zwischenfinanzierung und Fertigstellungsbürgschaften bei den Banken aufzunehmen. Die hohen Finanzierungskosten belasten den Produzenten in besonderem Maße. Hier setzt die IBH an und prüft zur Zeit, inwieweit auch andere Finanzierungsmodelle zur Filmfinanzierung in Hessen in Frage kommen. Denkbar ist aber auch ein neues Bank-Film-Finanzierungsinstrument in Form von unbedingt rückzahlbaren Darlehen oder Beteiligungen, womit einerseits den Bedürfnissen der Filmbranche und andererseits der veränderten Förderlandschaft in Deutschland Rechnung getragen werden könnte. Dieses eher marktorientierte Finanzierungsinstrument hätte den Vorteil, dass mit Hilfe einer bankwirtschaftlichen Risikobewertung der Zinssatz bei der Darlehensvergabe zwar risikoabhängig festgelegt wäre, aber dennoch niedrig gehalten werden könnte. </body |