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Lange Auswertungsfenster für Klassiker

Zur Situation des Kinderkino-Angebots in Frankfurt

Von Martin Loew

 

Die Produktion von Kinderfilmen für das Kino ist in Deutschland noch immer mit reichlich Schwierigkeiten behaftet. Die Auswertungsmöglichkeiten, so heißt es gerne, seien eher begrenzt, die Rückflüsse entsprechend mager. Grund genug, sich das Kinderkinoangebot in Frankfurt einmal näher anzuschauen. Und tatsächlich - Ein Blick ins aktuelle Wochenprogramm zeigt: Kinderfilm findet in der Innenstadt allenfalls noch am Wochenende statt, es sei denn, der Neustart eines möglichst aus Hollywood importierten Family-Entertainment-Programms steht an – dann haben auch die Jüngsten wieder eine Chance.

 

Eine Ausnahme bildet das Kinopolis in Sulzbach, wo in Ferienzeiten jeden Tag gleich mehrere Kinderfilme laufen und es selbst zu Schulzeiten, so Betriebsleiterin Birgit Crößmann, immerhin noch täglich mindestens einen Kinderfilm im Angebot gibt, zumal auch zu ermäßigten Preisen. Wobei aber vor allem Filme gezeigt werden, die meist schon älteren Datums sind.

 

Ähnliches gilt für das Berger Kino im Frankfurter Bornheim. Auch hier laufen jeden Tag Kinderfilme. Auch hier besteht das Angebot vorwiegend aus Filmen, die schon ein paar Wochen auf dem Markt sind und in den großen Häusern in der Innenstadt nicht mehr laufen. Betreiber Harald Metz hat darüber hinaus guten Kontakt zu verschiedenen Schulen und bietet oft unterrichtsbegleitende Sonderveranstaltungen an.

 

Ein anderen Ansatz bildet die „Hessische Initiative Kinderfilm im Kino“, ein Gemeinschaftsprojekt von vierzehn Filmtheatern in ganz Hessen mit dem Film- und Kinobüro Hessen, das von der Hessischen Filmförderung unterstützt wird. In Frankfurt sind das Filmtheater Valentin und das Filmforum Höchst sowie das Kino im Deutschen Filmmuseum und das Mal Seh’n Kino an den Abspielring angeschlossen. Verantwortlich für das Programm ist Wolf-Frieder Jakob, der ehemalige Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes der Filmtheater in Hessen und Rheinland-Pfalz. Bereits 1985 hatte er erstmalig einen Antrag für einen Kinderkino-Abspielring gestellt. 1989 erfolgte die Bewilligung durch die Hessische Filmförderung, die bis heute die Mittel für die Initiative bereitstellt.

 

„Vorteile des Abspielrings für die teilnehmenden Kinos sind“, so Jakob, „der gemeinsame Werbeflyer und, dass in Absprache mit den Filmverleihern keine Mindestleihmiete für die Filme anfällt“. Dies ist insofern wichtig, als die teilnehmenden Kinos die Filme grundsätzlich nur eine Woche, oft auch nur am Wochenende anbieten. Da falle es schwer, die Mindestverleihmiete einzuspielen. Als Gegenleistung für das Entgegenkommen der Verleiher übernimmt die Initiative den Transport der Filme innerhalb des Abspielrings. Pro Halbjahr erarbeitet Jakob eine Vorschlagsliste, aus der die Kinos dann das endgültige Programm auswählen. Sein Schwerpunkt liege auf europäischen Produktionen, Filmen, die von der Filmbewertungsstelle mit einem Prädikat ausgezeichnet wurden und natürlich Klassikern des Kinderfilms.

 

Aber Kinderkino findet keineswegs nur im Kino statt. Ganz im Gegenteil. In Frankfurt gibt es ein weitaus größeres Spektrum außerhalb der Lichtspielhäuser. So wird bereits seit den achtziger Jahren im Rahmen des Kinderkulturprogramms „Frankfurter Flöhe“ vom Amt für Jugend und Soziales regelmäßig in den Stadtteilen Kinderkino angeboten, eingebettet in ein kulturelles Programm, das auch Theater, Musik und andere Aktivitäten umfasst.

 

„Damals war das Kinderfilmangebot in Frankfurt ziemlich dünn“, erinnert sich Friedel Münchwander vom Team der Frankfurter Flöhe. "Außerdem wollten wir natürlich den Kindern die Möglichkeit geben, Kultur dort zu erleben, wo sie wohnen“. Die Zeiten der 16mm Projektion sind freilich bei den Frankfurter Flöhen passé. Mit Unterstützung des Medienzentrums werden diejenigen Einrichtungen, die nicht über eigene Projektionsanlagen verfügen, mit digitaler Vorführtechnik für die Filmprogramme versorgt.

 

Eine Option der besonderen Art bietet die Medienwerkstattinitiative (MeWi) mit dem Kinderkino im Bornheimer Bunker. Hier werden gezielt Kinder im Vorschulalter angesprochen. Ausgeliehen werden die Filme von der Stadtbildstelle auf 16mm-Material. Ein Mal pro Monat bietet die MeWi zwei Vorstellungen an, die gerne von Kindergruppen aus Horten im Nordend und in Bornheim besucht werden. Aber auch aus den entfernteren Stadtteilen kommen die Gruppen. Denn, so Banu Göz, die gemeinsam mit Werner Rosmaity für das Programm verantwortlich ist, „wir bieten das Kinderkino kostenlos an. Und vielen Eltern und Erziehern sind die anderen Kinos einfach zu teuer.“ In dem fünfundfünfzig Personen fassenden Kinosaal werden hauptsächlich - der Zielgruppe entsprechend - Kurzfilme präsentiert.

 

Die Auswertungsmöglichkeiten für Kinderfilm im Kino sind also wirklich begrenzt. Im Gegensatz zu anderen Filmen ist allerdings das Auswertungsfenster beim Kinderfilm deutlich länger. „Die Klassiker“, so Wolf-Frieder Jakob, „werden immer noch gerne gesehen. Die kennen die Eltern teilweise noch aus ihrer Kindheit“. Ob allerdings ein Film ein Klassiker wird, entscheidet sich wo? Eben im Kino.

Filmhaus Frankfurt e.V.
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