| Zur Arbeit von location-hessen Von Kathrin Ahrens* Wenn Sonntagabend beim ‚Tatort’ im Schlosscafé in Münster Torte gegessen wird, kommen in der darauf folgenden Woche hoffnungsfroh Kaffeegenießer ins Schloss auf der Suche nach dem schicken Café. Doch das gibt es nicht, das war nur eine Drehkulisse! Schon an diesem Beispiel wird die Suggestionskraft, die Filmbilder evozieren, deutlich. Ob beim Bollywood–Folgetourismus, der so manche indischen Fans auf den Spuren ihrer Stars in die Schweizer Bergwelt zog, oder die Kur in Nähe der Schwarzwaldklinik: Medial vermittelte Lebenswelten locken und inspirieren viele Menschen zur Nachahmung, respektive Realitätsüberprüfung und lassen dazu die Kassen der regionalen Hotellerie und Gastronomie klingeln. Der Weg allerdings, bis im Schlosscafé die Torte aufgetischt wird und das indische Supermodell unter hessischer Apfelbaumblütenpracht tanzt, ist lang. Film-Commissions und Location-Büros drehen eines der vielen Rädchen in der langen Filmproduktionskette. Sie sind häufig erste Anlauf-, Kontakt- und Vermittlungsstellen für auswärtige Filmproduktionen und etablieren sich weltweit zunehmend. Die internationale Dachorganisation (AFCI-Association of Film Commission International) zählt über 350 Film-Commission Mitglieder. In Italien gibt es inzwischen über 30 Film-Commissions, in Frankreich 31 und in Spanien 29. Das hervorragende Know How der Commissions von unter anderem regionaler Infrastruktur spart den Produktionen im Vorfeld viel Geld. Drehorte, Regionen und Städte, in denen die Film Commissions arbeiten, werden von vielen Produktionsfirmen bevorzugt ausgewählt. Der Grund dafür ist, dass die Film-Commissions als Non-Profit-Organisationen in der Regel kostenfrei Informationen, Dienstleistungen und Service für die nationale und internationale Filmbranche bieten, da sie zur Stärkung der Film-, TV- und Videoproduktionen in den jeweiligen Regionen eingerichtet wurden. Sie beraten vor allem in der Produktionsvorbereitung bei Fragen zu Drehorten, Drehgenehmigungen oder zur speziellen Filminfrastruktur vor Ort und haben wichtige Türöffner- und Troubleshooter-Funktion. In Deutschland ist das Netz der Film Commissions nahezu flächendeckend: Film-Commission Bayern, Berlin Brandenburg Film Commission, Film Commission NRW, Film Commission Region Stuttgart, Koordinationsbüro Baden-Württemberg, Location-Büro Hamburg, Location Büro Mecklenburg-Vorpommern, Film Commission Niedersachsen/Bremen, MDM Film Commission und Schleswig-Holstein Film Commission. In den meisten Fällen sind die FC’s in die jeweilige Filmförderung der Bundesländer integriert oder ein Kombinationsprodukt zwischen Landesfilmförderung und städtischer Unterstützung, wie zum Beispiel die FC’s Mannheim und Ludwigsburg und Region Stuttgart in Baden-Württemberg. In Hessen bietet das Projekt location-hessen, angedockt an die Hessische Filmförderung, der Filmbranche eine online Datenbank mit Institutions-, Firmen- und Personenprofilen und eine Location Datenbank für Drehorte. Die romantischen Hessischen Burgen und Schlösser, die idyllischen Mittelgebirgswelten von Rheingau, Odenwald, Bergstraße und besonders Frankfurt, die einzige europäische Stadt mit einer Hochhaus-Skyline, bieten viele unverbrauchte Filmkulissen. location-hessen ist Teil des Netzwerkes der German Film Commissions (www.location-germany.de) und beteiligt sich seit 2002 an Standortmarketingaktivitäten auf den Filmmärkten in Berlin und Cannes. Hier werden häufig erste Kontakte mit Filmproduzenten hergestellt, wird über Projekte gesprochen. Der Erfolg dieser Arbeit zeigt sich unter anderem dadurch, dass sich im Büro von location-hessen, das sich in der gleichen Büroetage wie das Filmhaus Frankfurt befindet, die Anfragen häufen und zahlreiche Produktionen Drehorte in Hessen besichtigen wollen. Das Programm Hessen-Invest Film, - ein zukunftweisender, wirtschaftlicher Filmförderfond - kurbelt langsam die Filmproduktionen in der Region an. Erste Erfolge, wie der Spezialpreis der Jury für den von Hessen-Invest Film geförderten Film ‚Tropical Malady’ beim Festival Cannes lassen aufhorchen. Weitere Filmproduktionen werden ihr Fördergeld in Hessen ausgeben und sind dann auch auf fachliche Vermittlung angewiesen. So fragte kürzlich das SchmitzKatzeFilmkollektiv bei location-hessen für ihr Projekt ‚Metamorphosis’, eine internationale Koproduktion an, auf der Suche nach einer passenden hessischen Burg als Drehort für den geplanten Thriller. location-hessen ist ein von der Hessischen Filmförderung initiiertes Projekt, das bislang einzig mit Mitteln von hessen-media unterstützt wurde. Um die wesentliche Arbeit, projektbezogene Beratung und Betreuung bei den steigenden Anfragen und Anforderungen weiterhin leisten zu können und Location Touren, bei denen in einer Art Location-Sightseeing den Filmproduzenten interessante, temporär verfügbare Drehorte vorgestellt werden, durchführen zu können, reichen die Mittel allerdings nicht. Um Hessen zu einem attraktiven Film- und Fernsehstandort zu machen, ist der Ausbau von location-hessen zu einer Film Commission FrankfurtRheinMain-Hessen nötig, einer festen Einrichtung mit entsprechendem Planungshorizont. Die Wirtschaftsförderung Frankfurt hat dies nicht zuletzt bei einem Medienmittwoch im April, bei dem öffentlich eine Film Commission gefordert wurde, erkannt und unterstützt dieses Konzept. Filmproduktionen sind ein immer wichtiger werdender regionaler Wirtschafts-, Profilierungs- und Imagefaktor. Die Standortentscheidungen fallen, wie fast überall, in erste Linie aufgrund finanzieller Vorteile und Einbettungen. An zweiter Stelle folgen Service Kontakt und Infrastruktur. Eine Film Commission, die für eine effiziente Vernetzung des Standortes sorgt und durch zielgerichtetes Marketing für diesen wirbt, leistet genau das. Im Fahrwasser des aktuellen positiven politischen Willens, Film und Medien zu fördern, sollte Hessen die rechtzeitige Einrichtung einer Film Commission nicht versäumen und dem Prädikat Medienstandort auch auf dieser Ebene Rechnung tragen. Neben einer monetären Filmförderung ist der Aufbau eines solchen strukturellen Filmförderinstrumentes ein wesentlicher Schritt, damit das Stück Torte aus der Filmkulisse bald auch in Wiesbaden und Kassel serviert werden und sich FrankfurtRheinMain-Hessen etwas vom Medienkuchen abschneiden kann. *Kathrin Ahrens ist Leiterin von location-hessen
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