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Hohe Erwartungshaltung

Reaktionen der Branche auf die Wiesbadener Erklärung
Von Dieter Brockmeyer
 
Mit viel Elan stürzte sich der für Wissenschaft und Kunst zuständige Minister Udo Corts (CDU) in die Bestandsaufnahme der hessischen Medienindustrie. Am Ende sollte eine „Wiesbadener Erklärung“ stehen, ein Konzeptpapier zur Zukunftsentwicklung der hessischen Filmlandschaft. Die endgültige Formulierung des Papiers befand sich bis Ende August noch in der Abstimmung. Die Reaktionen auf erste Entwürfe allerdings sind so vielschichtig wie die Branche selbst, der sie auf die lokalen Füße helfen will.

Beim Frankfurter Postproduktionsstudio VCC Perfect Pictures jedenfalls wird das Engagement des Kulturpolitikers mit hohen Erwartungen aufgenommen. Petra Hochrein, Geschäftsführerin der Frankfurter Niederlassung des bundesweit an so gut wie allen Medienstandorten präsenten Hamburger Unternehmens, betont, dass man in ihrem Haus vor allen Dingen von der Schnelligkeit beeindruckt war, mit der das Ministerium sich in das Thema eingearbeitet habe. Bereits nach vier Workshopterminen mit hessischen Branchenvertretern lag ein erster Entwurf der Erklärung vor.

Andere sind in ihrer Reaktion deutlich verhaltener. Auch der damalige Staatssekretär im Hessischen Wirtschaftsministerium, Herbert Hirschler (FDP), habe sich Anfangs mit Elan in die Materie eingearbeitet, heißt es vereinzelt. Spätestens aber seit die Christdemokraten die hessische Landesregierung alleine stellen und der FDP-Politiker Hirschler doch seinen Stuhl räumen musste, geht medienpolitisch im Wirtschaftsressort kaum noch etwas. „Es fehlt einfach der richtige Mensch an der richtigen Stelle, der sich für das Thema interessiert“, so eine weit verbreitete Einschätzung der Situation. So gesehen ist das Engagement aus dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst auf jeden Fall in der Branche hocherwünscht. „Was Hirschler im kleinen versuchte, versucht Corts jetzt im großen“, lautet eine der optimistischeren Einschätzungen aus der Branche.

Tatsächlich klingen einige der im Entwurf der Wiesbadener Erklärung angesprochenen Punkte erst einmal sehr gut. Etwa der Vorschlag, die verstreuten Instrumentarien der hessischen Filmförderung an einer Stelle zu bündeln und gar die bislang sehr bescheidenen Fördermittel zu erhöhen. „Vor Wahlen neigen Politiker immer dazu, solche Sachen zu versprechen“, kommentiert der Frankfurter Filmproduzent Axel Schulz diesen Teil des Entwurfs, „nach der Wahl passiert dann in der Regel nichts mehr“. Schulz’ Erfahrung mit der Politik aus der Vergangenheit könnte sich auch diesmal wieder bestätigen. Im Interview mit dieser „GRIP“ macht der Minister bereits klar, dass die Absicht einer Erhöhung zwar da, angesichts der schlechten Hauslage der Spielraum aber gering sei.
Auch von anderen Teilnehmern wird das in dem Entwurf zusammengefasste Ergebnis der Gesprächsrunden mit den Brachenprotagonisten als eher mager bezeichnet. In einer siebenseitigen Tischvorlage über den „Stand der Film- und Fernsehlandschaft in Hessen“ hatten Sebastian Popp, Geschäftsführer von LunaPark 64 und Festivalleiter der alljährlichen in Frankfurt stattfindenden Postproduktionsmesse eDIT, und Christel Brunn, Geschäftsführerin der TVT Postproduktion, detailliert die Lage in Hessen analysiert und für die Workshopreihe des Ministeriums ebenso detailliert Verbesserungsvorschläge ausgearbeitet. „Das ging teilweise deutlich über das hinaus, was sich in dem jetzigen Entwurf wiederfindet“, urteilt ein Frankfurter Medieninsider.

In der genannten Tischvorlage wird ein umfassender „Masterplan“ gefordert, der eine wettbewerbsfähige Organisationsstruktur für die wirtschaftliche und kulturelle Medienproduktion entstehen lassen soll. Sollte dieses nicht gelingen, ist der Ausblick der beiden Autoren eher pessimistisch: Das „wird mit großer Sicherheit zu einer erneuten Auswanderungswelle von Produzenten und Kreativen führen, die dieses Mal mit Sicherheit den gesamten Medienbereich, also auch den Werbe- und Industriefilmbereich, empfindlich treffen würde“.

Zumindest darin sind sich alle Branchenvertreter einig: Ein solches Szenario darf auf keinen Fall Realität werden. Da es aber wie überall gilt, die verschiedenen Interessengruppen politisch einzubinden, wird sich wohl so mancher von Maximalforderungen verabschieden müssen. Und in der Politik gibt es immer auch das Argument der Finanzierbarkeit. Ein Argument übrigens, dass gerade in Hessen seit jeher besonders laut vorgetragen wird. Es steht zu befürchten, so einzelne Branchenkenner, daß am Ende wieder nur ein wohlgemeinte Absichtserklärung erfolgt, die aber an politischen Realitäten scheitert. Manch einer wäre heute schon zufrieden, wenn die Mittel von Hessen-FilmInvest insoweit aufgestockt würden, dass die unter Staatssekretär Hirschler eingeführte wirtschaftliche Filmförderung in Hessen erhalten bleiben kann. Doch vielleicht sind all das ja nur Unkenrufe und vielleicht gelingt Udo Corts ein echtes Kunststück, nämlich den Rudimenten einer hessischen Filmindustrie Identität und Aufbruchstimmung zu vermitteln.

 

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