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Grünes Licht aus Brüssel
EU-Kommission hat der Neuauflage von Hessen Invest Film zugestimmt – ein Jour Fixe im Filmhaus Frankfurt zum Thema wirtschaftliche Filmförderung in Hessen
Von Daniel Güthert

Ein Timing, wie es sich Filmhaus-Geschäftsführer Ralph Förg perfekter kaum hätte wünschen können. Just einen Tag vor dem Juni-Jour Fixe des Filmhauses Frankfurt, der die weitere Entwicklung der Wirtschaftlichen Filmförderung in Hessen behandeln sollte, war die Entscheidung aus Brüssel gekommen. "Die EU-Kommission hat den neuen Film-Finzierungs-Fonds Hessen genehmigt", wie der Referatsleiter im Wiesbadener Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK), Rainer Schöler, bestätigte. Damit sei nun endgültig die letzte Hürde genommen, um die Neuauflage von Hessen Invest Film in Höhe von 20 Millionen Euro starten zu können.

Sichtliche Erleichterung auch bei Gerhard Bauer, Leiter der Investitionsbank Hessen (IBH), bei der das Wirtschaftsprogramm bis dato angesiedelt war und auch künftig liegen wird. Damit könne, so Bauer, eine großartige Erfolgsgeschichte fortgeschrieben werden. Insgesamt standen 9,1 Millionen Euro im Fördertopf Hessen Invest Film zur Verfügung, die bis Ende 2005 an 40 Projekte ausgelobt worden seien. Mit einem bewußt breit gestreuten Spektrum an Genres und Produktionsetats. Davon seien bis heute 700.000 Euro zurückgeflossen, was sich im Vergleich durchaus sehen lassen könne. Hinzu komme, daß sich mannigfache Projekte noch in der Auswertungsphase befänden, so daß die Chancen gut stünden, die Zielprojektion von 20 Prozent Recoupments zu erreichen. Und ins Gewicht falle zudem der Erfolg des Hesseneffekts und der Image- und Standortgewinn, der durch die Qualität der Projekte erzielt worden sei.

So wird sich das neue Programm nach den Ausführungen Gerhard Bauers im wesentlichen am Vorgängermodell orientieren. Für die Laufzeit von vier Jahren werden per anno fünf Millionen Euro bereit gestellt. Und auch in Zukunft wird es sich bei den Zuwendungen um partiarische, das heißt bedingt rückzahlbare Darlehen handeln, für die allerdings - und damit wurde die im Grunde einzige Änderung angesprochen – eine Verzinsung von zwei Prozent ab Auszahlung fällig werden wird. Über die Laufzeit der Verzinsung müsse, so Bauer, im Ministerium noch entschieden werden. Im Moment seien sieben Jahre im Gespräch. Und auch die Zusammensetzung der Kommission sei noch nicht endgültig verabschiedet, wie Schöler einräumen mußte. Eine Vorlage für den Minister sei aber in Vorbereitung, so daß mit der Benennung der Kommission schon in Kürze, sprich bis Mitte Juli gerechnet werden könne.

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung stellte sich dann allerdings doch heraus, daß eine drastische Akzentverschiebung mit dem neuen Fonds verbunden sein wird. Nicht dem Buchstaben, aber der Zielrichtung nach. Denn, wie Bauer weiter ausführte, das neue Programm ist nicht durch Steuermittel aus dem Haushalt des Landes getragen, sondern durch Finanzmittel, die die Investitionsbank Hessen über den Kapitalmarkt aufnehmen soll. Dabei profitiert die Bank als öffentlich-rechtliche Anstalt von ihrer privilegierten Kapitalmarktfunktion. Die Fondsgelder in Höhe der 20 Millionen Euro sind wiederum durch eine Bürgschaftserklärung des Landes besichert.

Was das für die Praxis heißt, ist vom Bankenchef schließlich kartesisch klar durchdekliniert worden: "Künftig geht die Bank ins Risiko. Je größer die Ausfallquote, desto kritischer für uns." Demzufolge werde es nötig sein, die Anforderungen an die Marktfähigkeit der Produkte hochzuschrauben. Was das bedeutet, wurde dann an einer Zahl kenntlich: Die erwartete Rückflußquote aller geförderten Filme bezifferte IBH-Chef Bauer auf mindestens 50 Prozent. Eine Zielgröße, die im Plenum prompt blankes Erstaunen weckte, da ein solches Ergebnis, wie Gastgeber Ralph Förg erinnerte, bekanntlich von keinem Filmförderungsmodell auch nur annähernd erreicht wird. Insofern werde man, so Bauer, grundsätzlich von deutlich mehr Mainstream in der Vergabepolitik ausgehen müssen. Und was die sogenannten weichen Erfolgsfaktoren anbelangt, wie Image oder Standortförderung, werden diese Faktoren künftig sicher in den Hintergrund treten müssen.

Daß die versammelte Filmbranche angesichts solcher Vorstellungen nicht in Unmut ausbrach, lag vielleicht an den sommerlichen Temperaturen. Vielleicht aber hat sich inzwischen auch die Einsicht in die Verhältnisse breit gemacht. Denn angesichts leerer Kassen sei es, so Schöler, heute immer schwieriger, neue Subventionsprogramme aufzulegen. Insofern ist wohl mehr als diese Kompromißvariante, wie Schöler sagte, kaum machbar gewesen.

So schloß der Diskussionsabend, der so euphorisch begann, eher ernüchternd. Um dann zumindest in einer versöhnlich stimmenden Botschaft des Ministeriums zu enden: Die kulturelle Filmförderung soll weder gekürzt noch mit Hessen Invest Film verschmolzen werden.
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