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Frankfurt ist als Motiv noch immer unverbraucht

Ein Gespräch mit dem Vorsitzenden der Münchner Odeon Film AG, Hans Joachim Mendig, zum Filmstandort Rhein-Main

Von Dieter Brockmeyer

 

Der TV-Produzent Hans Joachim Mendig steht zum Standort Frankfurt – obwohl die Odeon Film AG, deren Vorstandsvorsitzender er ist, ihren Sitz in München hat. Da das Unternehmen an der Börse notiert ist, gibt es in der sogenannten Eigentümerstruktur eine Vielzahl von Kleinaktionären und institutionellen Anlegern. Die Mehrheit allerdings wird von der Bavaria Film gehalten.

 

Am Geschäftssitz in München hält sich Mendig freilich nur zeitweise auf; meistens ist er an den Fernsehproduktionsstandorten Berlin, Hamburg, Köln und Frankfurt. Am Main allerdings hat er seinen Lebensmittelpunkt. Wenn der gebürtige Rheinländer von Frankfurt spricht, dann gerät er regelrecht ins Schwärmen: „Als ich vor 20 Jahren nach Frankfurt kam, da hatte die Stadt den Fluss noch nicht als ihre Mitte entdeckt. Inzwischen pulsiert am Main das Leben und ist eine Lebensader, die ich gerne genieße,“ so Mendigs liebenswürdiges Votum für seine Wahlheimat.

 

Auch als Filmmotiv sei die Stadt im Grunde genommen noch unterschätzt. Mendig muss es wissen, denn die beiden großen von der Odeon Film produzierten TV Serien „Ein Fall für zwei“ (ZDF) und „Die Kommissarin“ (ARD/Hessischer Rundfunk) nutzen die Stadt schon seit Jahren als Kulisse. Auch das TV-Movie „Der Staatsanwalt“ (ZDF) spielte am Standort Rhein-Main und hatte bei seiner Ausstrahlung zu Beginn dieses Jahres eine so überraschend gute Resonanz, dass sich möglicherweise auch schon bald andere Produzenten für in Hessen spielende Projekte erwärmen könnten. „Mit dem „Staatsanwalt“ ist der Schauspieler Rainer Hunold, der bereits im „Fall für zwei“ den Anwaltspart spielte, gewissermaßen zum Spielort Wiesbaden zurückgekehrt“, freut sich der bekennende Rhein-Main Enthusiast.

 

Bei dieser Aufstellung erstaunt immerhin ein Punkt: nämlich, dass die Odeon Film auch für den Hessischen Rundfunk produziert, obwohl gerade hessische Produzenten sonst immer beklagen, der heimische öffentlich-rechtliche Sender mache alle Produktionen „in house“ und gebe nichts nach außen. Wieso also macht Mendig „Die Kommissarin“? Der Grund ist einfach:  Früher, im Vorabend platziert, war der Auftraggeber die hr werbung, heute ist die „Kommissarin“ als Prime Time Format bei der ARD-Tochter Degeto angesiedelt.

 

Mendig appelliert aber an den Hessischen Rundfunk, dessen Konzept, keine Produktionen aus dem Haus zu geben, zu überdenken. „Es geht ja nicht allein um die teuren Fiction Produktionen, sondern durchaus auch um preiswertere Programme, bei der Sender und Produktionsgesellschaften von einer solchen Regelung profitieren würden.“ In den Fällen, in denen so gehandelt worden sei, hätte es sich für die Standorte immer ausgezahlt, beschreibt er seine Erfahrung.

 

Allerdings hing die Entwicklung eines Standorts wie Köln auch mit der Ansiedelung von RTL und in der Folge seiner Satelliten - VOX, SuperRTL und inzwischen auch n-tv - zusammen. Man könne jetzt kaum noch aufholen, was politisch versäumt worden sei. „Die großen kommerziellen Senderfamilien wurden damals in Hessen nicht gewollt, und die Entwicklung für das Rhein-Main-Gebiet ist so wie sie ist“, analysiert Mendig nüchtern.

 

Für die Filmwirtschaft zieht er - auf Deutschland bezogen - eine schnörkellose Bilanz. Zur Finanzierung über Filmfonds könne man momentan nichts sagen, da die politische Situation schlicht und ergreifend undurchsichtig sei. Alternative Finanzierungsmodelle auch für den deutschen Film seien aber wünschenswert. Da gebe es zum einen die Subventionsdebatte aus Brüssel und zum anderen die knappen Haushalte der Länder, bestätigt Mendig, die flankierende Modelle erstrebenswert machten. „Ich habe aber grundsätzlich Probleme damit, wenn man sich zu schnell auf eine Variante einschießt. Es kommt immer darauf an, wie etwas ausgestaltet wird“, betont der Odeonchef. Das gelte gleichermaßen für die Risikofondsinitiative des für Kultur zuständigen Kanzleramtsministeriums wie für das von Film20 angestoßene Sale and Lease Back Modell oder den German Spend der kommerziellen Fondsbetreiber und Gedanken über etwa eine Einführung des kanadischen Modells, bei dem Produzenten über direkte Steueranreize gefördert werden.

 

Für Hessen hingegen fällt seine Einschätzung positiv aus. „Nach dem Mauerblümchendasein, das wir hier in der Region in den letzten 25 Jahren gepflegt haben, geht es jetzt endlich in die richtige Richtung. Das hessische Kultusministerium scheint hinter dem hessischen Film zu stehen.“ Und auch dass die Verleihung des Hessischen Filmpreises an die Frankfurter Buchmesse gekoppelt ist, sei für ihn eine gute und ganz sicher richtige Entscheidung. Und nicht zuletzt ist Mendig auch in Punkto Hessen-Invest der Überzeugung, dass die Filmförderung in die richtige Richtung gehe, auch wenn die finanzielle Ausstattung auf Grund der allgemeinen Haushaltslage nicht optimal sei. „Was aber zählt“, so Mendig, „sei der erklärte politische Wille - von daher bin ich Optimist!“

 

Mendig will auch gar nicht ausschließen, dass die Odeon Film in der Zukunft unter Umständen vielleicht auch einmal ein Kinoprojekt in der Region verwirklichen könne. Der Bereich Kinofilmproduktion, für den etwa Filme wie die verspätete Kinoversion von „Raumpatrouille Orion“ oder die Verfilmung des Erich Kästner Klassikers „Das fliegende Klassenzimmer“ stehen, sei derzeit vorrangig am Unternehmenssitz in München angesiedelt. Ob es tatsächlich einmal zu einer Produktion im Frankfurter Raum kommen wird, das hänge von dem jeweiligen Projekt ab, aber auch den Rahmenbedingungen. „Wenn ein Kinofilm über die klassische Filmförderung finanziert wird, dann ist eine Bedingung immer auch der ‚Regionaleffekt’, das heißt, ein Großteil des Geldes muss am Sitz des Förderers ausgegeben werden. Wir müssen gegebenenfalls unsere Spielräume sehr genau abwägen“, schüttet Mendig ein wenig Essig in den Wein.

 

Die aktuell angespannte Situation in der Wirtschaft, die die Werbeerlöse der kommerziellen Fernsehveranstalter stagnieren lässt, habe zwangsläufig auch negative Folgen für deutsche Produzenten. „Es wird in Zukunft noch häufiger wiederholt werden“, beschreibt Mendig den Trend. Von einem Qualitätsverfall will er allerdings nichts wissen. „Qualitativ hochwertige Fernsehproduktionen bringen mit jeder Wiederholung Geld“. Von daher sei es sicherlich verkehrt, an der Qualität zu sparen.

 

„Wenn wir uns die beiden großen kommerziellen Familien ansehen, dann ist es immer eine Frage, was die Werbewirtschaft will“, so Mendig. Überall würden inzwischen neue Formate entwickelt. Und er hat wohl recht: Neue Formate sind nicht nur in Deutschland erfolgreich. Wurden hier bislang vor allem international erfolgreiche Formate für den deutschen Markt adaptiert, so finden die Formatideen aus Deutschland neuerdings auch Interessenten im Ausland. „Not macht bekanntlich erfinderisch“, so Mendig über diesen Kurswechsel der Sender.

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