Filmförderung auf dem Prüfstand Die Landesregierung hält Kurs – Hessen Invest Film geht weiter Von Daniel Güthert "Selbstverständlich geht Hessen-Invest Film weiter! Das Programm ist eine der Säulen der hessischen Filmförderung", so Kulturminister Udo Corts (CDU) über das Förderinstrument, das nach langem, zähen Vorlauf 2002 erstmals zur Standortförderung der hessischen Film- und Medienwirtschaft aufgelegt worden ist. Dabei war vereinbart, die Maßnahme zunächst auf die Dauer von drei Jahren zu limitieren und erst dann fortzusetzen, wenn sie einer einschlägigen Erfolgsprüfung standhält. Diese Evalierung soll nun im Frühjahr abgeschlossen sein. Im Januar hat die Investitionsbank Hessen (IBH), bei der das Programm organisatorisch angebunden ist, zunächst einmal die Prüfung mit einem hausinternen Gutachten vorbereitet. In ihrem Bericht stellt die IBH der Landesinitiative "Hessen Invest Film" insgesamt sehr gute Noten aus. An über 30 Projekte aus den Sparten Kino, Fernsehen und Dokumentarfilm sind Mittelzusagen von rund 7,5 Millionen Euro gewährt worden. Dadurch wurde ein Produktionsvolumen von mehr als 90 Milllionen Euro auf den Weg gebracht, verbunden mit der entsprechend positiven Beschäftigungswirkung auf den Standort Hessen. Ganz abgesehen von dem Imagegewinn, der dadurch erzielt worden ist, dass einzelne Titel sehr erfolgreich an internationalen Festivals teilgenommen haben - beispielsweise "Twentynine Palms" in Venedig - und sogar mit Preisen gekürt worden sind, wie zuletzt "Tropical Malady" beim Festival in Cannes 2004. So besteht für den Staatsminister kein Zweifel: „Hessen-Invest hat die Branche im Lande gestärkt, vor allem im Hinblick auf die Post-Produktion. Besonders die Rhein-Main-Region wird als Film-Standort wieder deutlicher wahrgenommen." Inwieweit die bezuschussten Produktionen auch die kommerziellen Erwartungen erfüllen, lässt der Evaluierungsbericht der IBH offen. Tatsächlich ist der Umfang der Rückflüsse aus den Darlehenszusagen bislang gering. Aber allen Beteiligten ist klar, dass sich Auswertungszyklen im Filmgeschäft erst über einen sehr viel längeren Zeitraum realisieren. So ist es der erklärte Wille des Kulturministers, Hessen Invest Film in jedem Fall weiterzuführen. "Die Filmförderung soll auch künftig Anreize bieten und ermuntern, sich in der Region zu engagieren! Sie ist auch ein Zeichen für öffentliches Engagement und das Interesse am Film." Dafür sind nun, wie Corts versichert, zusätzliche Mittel in Höhe von zwei Millionen Euro eingestellt. Denn das Startkapital des Fonds (7,6 Millionen Euro) ist mit den mehr als 30 verabschiedeten Projekten so gut wie ausgeschöpft worden. Dabei resultiert die neue Mittelbereitstellung 2005 aber aus Umschichtungen im Gesamtpaket "Hessen-Invest". An eine Aufstockung von Etats sei angesichts der angespannten Kassenlage öffentlicher Haushalte momentan nicht zu denken. Vor diesem Hintergrund ist Corts schon froh, dass auch die beiden übrigen Säulen der Film- und Medienförderung, die kulturelle Filmförderung und das Programm hessen-media von Kürzungen verschont geblieben sind. Gut 1,3 Millionen Euro werden 2005 an die kulturelle Förderung fließen - inklusive dem Zuschuss für das Deutsche Filminstitut (DIF) – und rund 800.000 Euro werden aus dem Topf hessen-media kommen, um damit die Einzelmaßnahmen wie die Edit, das Location Büro, den VWDAward sowie das Kasseler Dokumentar- und Videofilmfest zu unterstützen. Bis auf wenige Ausnahmen – etwa das Filmfestival "Go east" und der Medienmittwoch m² - sind nunmehr alle Film- und Medienprojekte in die Verantwortung des Kulturministers gestellt. Wiederholt war auch seitens der Branche die Bündelung der Kräfte gefordert worden, um der Filmförderung insgesamt mehr Gewicht im Wettbewerb mit anderen Ressorts zu verleihen. Und auch personell ist der Umstrukturierung inzwischen Rechnung getragen worden. Mit Kirsten Gundlach und Reinhard Grohnert sind zwei Mitarbeiter aus dem Grundsatzreferat Medien des Wirtschaftsministeriums hinübergewechselt in das entsprechende Referat des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst (HMWK). Durch den neuen Staatsminister – seit April 2003 ist Udo Corts im Amt - ist deutlich frischer Wind in die Landschaft gekommen. Er engagiert sich stärker als seine Vorgänger für die Interessen der hessischen Film- und Medienwirtschaft. Als einen der ersten Schritte hat er unmittelbar den Dialog mit der Branche gesucht, um gemeinsam die Eckpunkte einer zukünftigen Film- und Medienförderung zu formulieren. Verschiedene Entwürfe der sogenannten "Wiesbadener Erklärung" sind immer wieder diskutiert und überarbeitet worden. Noch zum Jahreswechsel ist eine Reihe von Änderungen aufgenommem worden, die vor allem zur Konkretisierung einzelner Akzente beitragen sollen. So soll beispielsweise der Schwerpunkt Kinder- und Jugendfilm herausgehoben werden, indem das renommierte Kinderfilmfestival "Lucas" als Aushängeschild des Landes wieder im jährlichen Turnus stattfindet. Mit der Verabschiebung der Wiesbadener Erklärung, die während der Berlinale offiziell vorgestellt werden soll, wolle die Landesregierung "eine Basis für ein effizientes Netzwerk des hessischen Films schaffen." Man wolle damit nicht nur die Zusammenarbeit fördern, sondern auch den gemeinsamen, stärkeren Auftritt nach außen voranbringen. In diese programmatische Neuausrichtung passt, dass als Rahmen für die Selbstdarstellung der noch jungen Hessischen Filmförderung bewusst die Berlinale gewählt worden ist. Hier will man künftig Flagge zeigen. Vertreten durch die Landesregierung, bis hin zum Ministerpräsidenten. Denn insoweit ist Corts überzeugt: "Soll der Film als ein prägendes Element in Hessen wahrgenommen werden, muss er nach außen wahrnehmbar ein Gesicht bekommen." |