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Filmemacher in Klausur Die „Werkstatt junger Filmer“ – Ein Workshop für junge und ganz junge Talente Von Berndt Güntzel-Lingner *
Das Alter der Filmemacher, die zur Werkstatt junger Filmer eingeladen werden, kann vom zehnjährigen Schüler bis zum Mittzwanziger reichen. Entscheidend ist, dass der eingereichte Film die Auswahljury überzeugt – unabhängig vom Genre, das von der Stummfilmpersiflage bis zum Actionfilm reichen kann. Aus einer Vielzahl von Einsendungen werden jährlich rund fünfzig Arbeiten auswählt, die im Rahmen eines Vier-Tage-Workshops gezeigt werden, zu dem die jungen Macher eingeladen sind und sich hier im Zirkel der Filmschaffenden intensiv austauschen können. Heute etablierte Regisseure wie Rainer Boldt, Leopold Zahn, Hanno Nehring, Pepe Danquart oder Leo Hiemer haben so die ersten Aufführungen ihrer frühen Versuche erlebt.
Seit 41 Jahren zeichnet der Bundesverband Junger Filmer (BJF) für die Werkstatt Junger Filmer verantwortlich, die anfänglich im westfälischen Werl stattfand und seit 1985 in Wiesbaden beheimatet ist. „Es ist die erste, große, öffentliche Dokumentation dessen, was junge Leute filmen, also kein Wettbewerb im üblichen Sinn“, hieß es in der Ankündigung zur Debütveranstaltung 1965. Diese Kernbotschaft der ersten Stunde ist nicht nur geblieben, sondern hat längst auch Anerkennung gefunden in der Unterstützung durch die öffentliche Hand seitens des Landes Hessen wie auch der Stadt Wiesbaden und des Bundes.
Durch die Intensität der Klausur, bei der selbst während der Mahlzeiten die Diskussionen über die Filme nicht abreißen, entstehen immer wieder neue Impulse, die in den letzten Jahren zu den erstaunlichsten Projekten geführt haben.
So sind 1999 drei der jungen Teilnehmer aufgebrochen, um fünf Jahre nach Kriegsende für zwei Wochen durch Bosnien-Herzegowina zu fahren und ihre Erfahrungen filmisch festzuhalten. Die daraus entstandene Dokumentation „Im Nicht-Krieg“ sorgte auf der nächsten Werkstatt für ausgiebigen Gesprächsstoff.
Oder 2001 das Projekt „Freudenhaus“ unter der Federführung von Veit Helmer, der 1986 selbst noch Werkstattteilnehmer gewesen war und gerade „Tuvalu“ sein Kinodebüt gegeben hatte. Dreißig Filmenthusiasten hatten sich zusammengefunden, einen amüsanten Kinokurzfilm von sechs Minuten zu kreieren, bei dem jeder für einen Take in die Rolle der Regie schlüpfte. „Freudenhaus“ feierte seine Premiere im Wiesbadener Caligari-Kino und kam auf Festivaltour bis nach Südkorea.
Zum vierzigsten Jubiläum der Werkstatt 2005 ist eine Jubiläums-DVD aufgelegt worden („Gerade aus“), auf der 19 der besten Kurzfilme der letzten 15 WERKSTATT-Jahre präsentiert sind und die zusammen mit umfangreichem Lehrmaterial zum Verkauf angeboten wird.
Und Jüngster Coup, bei der die Werkstatt für junge Filmer der Ausgangspunkt ist: ab Herbst diesen Jahres wird es über den KlinikInfoKanals ein Kurzfilmfenster der Jungen Filmszene geben. In rund 250 Kliniken in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden ausgewählte WERKSTATT-Filme ausgestrahlt.
Berndt Güntzel-Lingner ist Projektleiter beim Bundesverband Jugend und Film e.V. |
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