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Erfolgreiche Talentpflege.
Wie die Filmförderungen in Bayern und Nordrhein-Westfalen dem Nachwuchs unter die Arme greifen.
Von Reinhard Kleber

Investitionen in eine systematische Förderung des Filmnachwuchses zahlen sich aus. Diese Erfahrung haben jedenfalls die Filmstiftung NRW und der FilmFernsehFonds Bayern (FFF) gemacht. Die beiden größten deutschen Länderfilmförderer können dafür viele Beispiele anführen, zwei seien hier herausgegriffen. Mit seinem Langfilmdebüt ”Das Leben der Anderen” hat Florian Henckel von Donnersmarck, ein Absolvent der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film, den ‘Überflieger’ des deutschen Kinojahres 2006 gedreht. Und Hans Weingartner, der mit dem herausragenden Erstling ”Das weiße Rauschen” die Kölner Kunsthochschule für Medien abschloss, hat es 2004 mit dem Drama ”Die fetten Jahre sind vorbei” geschafft, als erster majoritär deutscher Film seit elf Jahren im Wettbewerb des Filmfestivals in Cannes vertreten zu sein. Das Talent der beiden Ausnahmeregisseure wurde frühzeitig in den Landeshauptstädten diagnostiziert und ihre ersten Arbeiten tatkräftig gefördert.

Ein besonderes Augenmerk des FFF Bayern gilt seit jeher dem Nachwuchs. Seit der Gründung vor zehn Jahren förderte er 230 Filme im Nachwuchsbereich. ”Das entspricht einem Fördervolumen von rund 13,2 Millionen Euro”, erläutert die stellvertretende Geschäftsführerin Gabriele Pfennigsdorf, die zugleich für die Förderung von Erstlingsfilmen zuständig ist. ”Unsere Türen sind weit offen, wir beraten die Jungfilmer gern, wenn sie mit ihren Drehbuchentwürfen zu uns kommen.”

Dass der Stellenwert der Nachwuchsförderung sehr hoch ist, läßt sich schon daran ablesen, dass dafür in der Fördersystematik eine eigene Rubrik geschaffen wurde und gleich zwei Referentinnen diesen Bereich betreuen. Außerdem ist die Nachwuchsförderung in München gewissermaßen Chefsache, denn FFF-Geschäftsführer Klaus Schäfer engagiert sich als Hochschuldozent selbst aktiv im Nachwuchsbereich.

”Derzeit stecken wir jährlich rund 1,2 Millionen Euro in die Nachwuchsförderung”, berichtet Julia Rappold, die für Abschlussfilme und den sonstigen Nachwuchs zuständig ist. Davon entfallen 600.000 Euro auf Erstlingsfilme, 450.000 Euro auf Abschlussfilme und 150.000 Euro auf sonstige Nachwuchsarbeiten etwa von Seiteneinsteigern. Im Jahr 2005 unterstützte der bayerische Fonds sogar 24 Nachwuchsfilmprojekte mit fast 1,7 Millionen Euro.

Die bayerische Fördereinrichtung unterstützt nicht nur Debüts, sondern begleitet auch ausdrücklich die zweiten Filme, die vielfach schwieriger zu stemmen sind als Erstlingswerke. Als Beispiel nennt Rappold den diesjährigen Eröffnungsfilm des Münchner Filmfests, ”Winterreise”, den zweiten Langfilm von Hans Steinbichler nach "Hierankl”.

Die FFF-Nachwuchsförderung setzt dort an, wo die Ausbildung endet und die ersten Schritte ins Berufsleben gemacht werden sollen. So können Abschluss- und Erstlingsfilme von Studenten der HFF München und der Athanor Akademie Burghausen gefördert werden, während studentische Übungsfilme außen vor bleiben. Damit leistet die bayerische Filmförderung einen Beitrag dazu, ”dass die Studenten und Absolventen eine Probe ihrer professionellen Arbeit zeigen können”, wie es im Merkblatt des FFF heißt.

Aber auch junge Filmemacher mit professioneller Branchenerfahrung, die nicht an einer Film(hoch)schule studieren oder studiert haben, könnten finanzielle Hilfen für ihr erstes Filmvorhaben erhalten. Anders als in der klassischen Produktionsförderung werden an die Nachwuchskräfte in der Regel Zuschüsse und keine Darlehen vergeben. Die Antragssumme für Kurz- und Langfilme soll bei Abschlussfilmen maximal 50.000 Euro betragen. In Ausnahmefällen werden auch kombinierte Abschluss-/Erstlingsfilme gefördert, wobei die Antragssumme 150.000 Euro nicht übersteigen darf. Bei Erstlingsprojekten darf der Hochschulabschluss bei der Beantragung nicht länger als fünf Jahre zurückliegen. Der so genannte Bayerneffekt soll auch bei der Nachwuchsförderung jeweils mindestens 150 Prozent betragen.

Kann München auf eine lange Tradition als Filmproduktionsstandort zurückblicken, so fing man in Nordrhein-Westfalen in den achtziger Jahren beim Aufbau des Film- und Fernsehstandorts erstmal klein an.

Die Medienpolitiker und Filmförderer an Rhein und Ruhr erkannten frühzeitig, dass es einem Bundesland ohne traditionsreiche Filmindustrie an Fachkräften fehlte.

Um diese Lücken zu füllen und zugleich hochqualifizierten Nachwuchs für die AV-Branche aus- bzw. fortzubilden, wurde die Kunsthochschule für Medien Köln gegründet und an der Fachhochschule Dortmund wurde der Studiengang "Kamera" eingerichtet. Dazu gesellte sich später die Internationale Filmschule Köln, die von einer Fortbildungseinrichtung für filmhandwerkliche Berufe rasch zu einer anerkannten Hochschule aufstieg. 2005 erlangten an der IFS die ersten Regiestudenten ihren Bachelor-Abschluss.

Ende der neunziger Jahre richtete das Wissenschaftsministerium in Düsseldorf einen ‘Studententopf’ ein, um die Produktion von Examensfilmen oder Erstlingswerken im Land zu erleichtern. Betreut wurde dieser Etat anfänglich vom Filmbüro NW, dem zwischen 1980 und 2002 die kulturelle Filmförderung in NRW oblag. Seit Eingliederung des Filmbüros NW in die Filmstiftung NRW im Januar 2003 finanziert nun die Filmstiftung diesen ‘Studententopf’. Insgesamt förderte die Filmstiftung im vorigen Jahr 19 Abschlussarbeiten sowie erste Filme von Absolventen von vier NRW-Hochschulen mit zusammen 364.500 Euro. Ein Jahr zuvor erhielten 22 Projekte aus dem Nachwuchs-Etat Fördermittel von 288.000 Euro, rund 87.000 Euro mehr als 2003. Aber auch das war mehr als doppelt so viel wie der ursprüngliche ‘Studententopf’ mit seinerzeit umgerechnet etwa 75.000 Euro.

Im Juni 2006 gab der Aufsichtsrat der Filmstiftung NRW grünes Licht für ein neues Nachwuchsprogramm. Dieses sieht vor, Abschluss- und Erstlingsfilme sowie besonders förderungswürdige Filmprojekte mit jährlich rund 1,5 Millionen Euro zu fördern. Bemerkenswert in einer Zeit, in der es ansonsten schick zu sein scheint, öffentliche Ausgaben für kulturelle Zwecke doch eher zu kürzen. Immerhin mußte die Filmstiftung selbst erst kürzlich einen Einschnitt von 2,4 Millionen Euro an Landesmitteln verschmerzen.

Antragsberechtigt bei dem neuen Nachwuchstopf sind Studenten der Film- und Fernsehhochschulen in NRW sowie Debütanten und Nachwuchskräfte anderer Hochschulen, sofern ihr Wohnsitz in NRW liegt. Der Geschäftsführer der Filmstiftung, Michael Schmid-Ospach, verwies bei der Bekanntgabe darauf, dass ”mit kleinen und großen Erstlingsfilmen in der Produktion 1- und Produktion 2-Förderung, mit dem Gerd Ruge-Stipendium oder konkreten Branchen-Stipendien, der ifs oder dem Hörspielforum der Nachwuchs bereits seit langem im Zentrum unserer Arbeit ist.” Die Filmstiftung freue sich, ”diese wichtige Anstrengung weiter steigern zu können”, verbunden mit der Hoffnung, dass das Produzieren von Filmen und Fernseharbeiten in NRW noch attraktiver werde. Angestoßen wurde das Nachwuchsprogramm im Januar 2006 von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, der die Nachwuchsförderung zu einem zentralen Aktionsfeld der Landesmedienpolitik erkoren hat.

Flankiert wird dieses Förderinstrument zur Entwicklung der jungen Kreativ-Szene von einer weiteren Initiative, die sich an eine ähnliche Zielgruppe richtet. Um dem Filmnachwuchs den praktischen Einstieg in die Branche zu erleichtern, brachten die Filmstiftung, die Stadt Köln, das Land NRW, die Landesanstalt für Medien, die Sparkasse KölnBonn und weitere Partner bereits 2005 das Audiovisuelle Gründerzentrum NRW auf den Weg. Im Mai 2006 nahm es in Köln-Mülheim den Betrieb auf.

In dem Zentrum sollen Existenzgründer und junge Filmfirmen Tür an Tür mit etablierten Unternehmen arbeiten und so Synergieeffekte erzielen. ”Mit der Vergabe von Stipendien wollen wir den Nachwuchskräften einen guten Start in die Selbständigkeit ermöglichen”, so Gründungsgeschäftsführer Schmid-Ospach. Das Stipendium in Höhe von 10.000 Euro schließt ein begleitendes Beratungsprogramm des Gründerzentrums ein. Die Förderung ist auf ein Jahr begrenzt.
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