Impressum Kontakt Sitemap  
Home
Seminare
GRIP - Zeitschrift des Filmhaus Frankfurt
Aktivitäten - Jour fixe - Frankfurt Screenings - Festivals
Service - Equipment
Förderungen
Drehort Frankfurt - location hessen
Adressen und Links
Wir über uns
GRIP 36
Filmland Hessen
GRIP Archiv
GRIP - 35
GRIP - 34
GRIP - 33
Ein wichtiger Katalysator für den Nachwuchs
Unabhängig und engagiert
Vive le cinéma français
Kinderfilm-Juwelen auf DVD
Lange Auswertungsfenster für Klassiker
Im Verborgenen glücklich
Frankfurt ist als Motiv noch immer unverbraucht
Plattform für Filmschaffende
Durchgedreht
20 Jahre Hessische Filmförderung
Hessische Markenware
Projektspiegel IBH
Mehr Mittel werden gebraucht
Wenn nur noch Wunder helfen
Hessische Filmförderung Projektliste
Filmpolitik aktuell
GRIP - 32
GRIP - 31
GRIP - 30
GRIP - 29
GRIP - 28
GRIP - 27
GRIP - 26
GRIP - 25
GRIP - 24
GRIP - 23
GRIP - 22
GRIP - 21

Ein wichtiger Katalysator für den Nachwuchs

Kuratorium junger deutscher Film feierte 40-jähriges Bestehen.

Von Reinhard Kleber

 

Manchmal kann man durchaus den Eindruck gewinnen, die Hessen wüssten gar nicht, welche filmischen Kleinodien sie beherbergen. Dabei ist das Bundesland in institutionelle Hinsicht schon seit Jahrzehnten ein wichtiger Medienstandort und hier vor allem die Landeshauptstadt: Die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) hat noch immer ihren Sitz in Wiesbaden, ebenso die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK), die Filmbewertungsstelle Wiesbaden (FBW), das Deutsche Filminstitut DIF mit seinem Filmarchiv, die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und nicht zuletzt das Kuratorium junger deutscher Film. Die älteste länderübergreifende Filmfördereinrichtung Deutschlands konnte zu Beginn des Jahres ihr 40-jähriges Bestehen feiern.

 

Die Feier fand allerdings nicht in Wiesbaden statt, sondern auf dem 26. Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken. Eine wohl bedachte Ortswahl, hat sich doch das Festival als wichtigste Plattform des deutschsprachigen Nachwuchsfilms etabliert und ist damit prädestiniert, die ersten Filmbeiträge der jungen Generation in die Öffentlichkeit zu tragen. Da ja der Talentfilm neben dem Kinderfilm einer der beiden Schwerpunkte der Fördertätigkeit des Kuratoriums ist, bot sich die Kooperation zum Vierzigsten geradezu an.

 

Gemeinsam zeigten beide Institutionen zum Jubiläum eine Retrospektive mit 14 langen beziehungsweise kurzen Filmen, die das Kuratorium im Laufe der Jahrzehnte gefördert hatte. Dazu gehörten etwa "Mahlzeiten" (1966) von Edgar Reitz, "Das Arche Noah Prinzip" (1982) von Roland Emmerich, "Die tödliche Maria" (1994) von Tom Tykwer und "Absolut Warhola" (2001) von Stanislav Mucha. Die Kopie von Jean Marie Straubs "Chronik der Anna Magdalena Bach" (1968) stellte sogar der altgediente Produzent Franz Seitz zur Verfügung.

 

Im Rahmen einer Kurzfilmrolle liefen außerdem der Oscar-gekrönte Kurzfilm "Quiero Ser" (1999) von Florian Gallenberger und der Kurzspielfilm "Tour Eiffel" (1994) von Veit Helmer. Für das junge Publikum wurden die langen Kinderfilme "Flussfahrt mit Huhn" (Arend Agthe, 1983) und "Die Blindgänger" (2004) von Bernd Sahling sowie die Kinderkurzfilme "Aus-Flug" (1987) von Christina Schindler und "Die Rollmöpse" (2000) von Leonore Poth gezeigt. Etliche Filmemacher, darunter Arend Agthe, Bernd Sahling, Veit Helmer, Forian Gallenberger und Christina Schindler, reisten eigens nach Saarbrücken an, um ihre Produktionen vorzustellen und Fragen des Publikums zu beantworten.

 

Der scheidende Saarbrücker Festivalleiter Boris Penth würdigte das Kuratorium als "eine der wichtigsten Förderinstanzen für den deutschen Regienachwuchs". Anlässlich der Sonderreihe sagte das Vorstandsmitglied des Kuratoriums, Uwe Rosenbaum: "Als das Kuratorium 1965 von der Bundesregierung ins Leben gerufen wurde, war das ein Reflex auf die damalige kommerzielle Filmentwicklung." Bissige Kritiker sprachen damals abfällig von "Papas Kino". Es zeichne die heutige Stiftung aus, so Rosenbaum weiter, dass sie junge Regisseure allein unter künstlerischen Aspekten fördere. Dies gelte insbesondere für die Drehbuch- und Projektentwicklung im Bereich Kinder- und Talentfilm. Diese beiden Bereiche bilden seit 1998 den Schwerpunkt der Aktivitäten des Kuratoriums, ergänzt um eine intensive Projektberatung.

 

Der Vorstand des notorisch unterfinanzierten Kuratoriums und Repräsentanten der Bundesministerin für Kultur und Medien (BKM) nutzten den Auftritt in Saarbrücken, um eine Allianz bei der Kinder- und Jugendfilmförderung bekannt zu geben. Diese Förderung legte das Kuratorium in die Hände eines gemeinsamen Gremiums mit der BKM, das über die Förderung von Drehbüchern, Projektentwicklung und Produktion beschließt. Kuratorium und BKM teilen sich die Aufgaben dabei so, dass die Drehbuch- und Projektentwicklungsförderung mit den Mitteln des Kuratoriums (jährlich etwa 200.000 Euro) durchgeführt wird, während die Produktionsförderung vom BKM mit jährlich etwa einer Million Euro finanziert wird. Das neu geschaffene Gremium tagte erstmals am 20. April und sprach sieben Filmprojekten Mittel in Höhe von 852.500 Euro zu. Im Talentbereich teilte das allein zuständige Kuratoriumsgremium zusammen 265.000 Euro an acht Filmprojekte aus.

 

Den Anstoß zur Gründung des Kuratoriums hatten die 'Filmrebellen' gegeben, die am 28. Februar 1965 das Oberhausener Manifest veröffentlichten und eine grundlegende Erneuerung des deutschen Filmschaffens forderten. Zwei Jahre später erging jener Erlass des Bundesinnenministers Hermann Höcherl, auf dessen Grundlage das Kuratorium seine Arbeit zunächst bis 1968 gestalten konnte. Als dann der Bund keine Mittel mehr bereit stellte, übernahmen die Länder die Finanzierung.

 

Bis heute ist das Kuratorium die einzige gemeinsame Einrichtung der Bundesländer zur Filmförderung. Hauptziel war von Anfang an die Unterstützung des Nachwuchses – mit Erfolg, wie die Liste der späteren Regiegrößen zeigt, deren Erstlingswerke unter dem Dach des Kuratoriums entstanden sind, wie Edgar Reitz, Werner Herzog, Roland Emmerich, Peter Handke, Wim Wenders, Dominik Graf, Detlef Buck, Jan Schütte, Tom Tykwer und Romuald Karmakar.

 

1982 wurde das Kuratorium in eine Stiftung umgewandelt. Seit seiner Gründung fördert es Filme, die oftmals als mutig eingestuft werden. Heute unterstützt die traditionsreiche Institution mit Sitz in Wiesbaden insbesondere die Drehbuch- und Projektentwicklung, Untertitelungen sowie Verleih und Vertrieb.

 

"Keine andere deutsche Institution im Bereich der deutschen Filmförderung ist jemals so offen gewesen für die unterschiedlichsten Vorhaben und Förderungsanträge wie das Kuratorium," schrieb Hans Günther Pflaum anlässlich des 35-Jahre-Jubiläums in der "Süddeutschen Zeitung" am 26. Juni 2000. "Unterstützt wurden Spielfilme, Kurzfilme, Experimentalfilme, Dokumentarfilme. Die Vielseitigkeit war von Anfang an eine der Ursachen der erfolgreichen Kuratoriums-Arbeit."

 

Zum Jubiläum erinnerte im Festivalkatalog der Filmjournalist Volker Bär, der früher das Feuilleton des Berliner „Tagesspiegel“ leitete und viele Jahre im Auswahlausschuss saß, an die wechselvolle Geschichte einer Einrichtung, die oft im Zentrum kulturpolitischer Auseinandersetzungen stand und mehr als einmal in ihrer Existenz in Frage gestellt wurde. Bär weiter: "In den Produktionen spiegelt sich in vielfacher Form Zeitgeschehen und Zeitempfinden. Und zugleich lässt sich aus der Entwicklung des Kuratoriums Einblick in das nicht spannungsfreie Verhältnis von Staat und Kultur gewinnen. So stand das Kuratorium zeit seiner Existenz im Spannungsfeld, ja im Schatten anderer Interessen und Verpflichtungen der einzelnen Bundesländer, die zumal seit den achtziger Jahren, vornehmlich an ihren regionalen Filmfördermaßnahmen denken."

 

Trotz seiner chronisch knappen Geldmittel hat das Kuratorium Erstaunliches bewirkt: Fast 350 Spiel-, Dokumentar-, Kurz- und Kinderfilme, die aus 3.500 Anträgen ausgewählt wurden, erhielten in diesen 40 Jahren Förderzusagen. Damit wurden zugleich mehr als 300 Nachwuchsregisseure in ihrer Arbeit begleitet. Als besondere Errungenschaft ist hervorzuheben, dass das Kuratorium als erste Förderinstanz konsequenterweise auch die Unterstützung von Vertrieb, Kino und Untertitelung ins Programm aufgenommen hat.

 

Nicht ohne Selbstkritik würdigte Bär die Arbeit der Ausschüsse: Selbst wenn sie viele Talente entdeckt hätten, so irrten sie - wie andere Förderinstitutionen auch - in manchen Fällen, etwa bei der Ablehnung des Langfilmdebüts "Jenseits der Stille" der späteren Oscar-Preisträgerin Caroline Link. Insgesamt übten die geförderten "Jungen von einst" aber allemal einen großen Einfluss auf die Entwicklung des deutschen Films aus: „Sie haben den deutschen Film wieder ins Gespräch und zu Ansehen gebracht. Nicht wenige ihrer Arbeiten sind mittlerweile zu Klassikern geworden, die Maßstäbe setzen".

 

Inwieweit das Kuratorium noch lange Maßstäbe setzen kann, diese Frage muss mit einem dicken Fragezeichen versehen werden. Denn die Bundesländer setzen den Rotstiftkurs beim ohnehin schon über die Jahre arg reduzierten Haushalt des Kuratoriums fort und drängen es an die Grenze einer sinnvollen Arbeitsfähigkeit. Vor allem die Länder, die sich als relevante Produktionsstandorte betrachten, haben ein nachvollziehbares Interesse daran, ihre Gelder in die eigenen Länderfilmförderungen zu stecken. Und die meist kleineren Länder ohne Filmindustrie fragen sich angesichts der allgemeinen Sparnöte, ob die minimalen Zuschüsse für das Kuratorium denn noch notwendig seien. Hört man sich in der deutschen Filmbranche um, so lautet die einhellige Antwort: Das Kuratorium wird gebraucht. Heute wahrscheinlich sogar noch mehr als früher.

 

Filmhaus Frankfurt e.V.
Ostbahnhofstr. 15
60314 Frankfurt
Tel.: 069 / 13 37 99 94
Fax: 069 / 13 37 99 96
info@filmhaus-frankfurt.de
 nach oben Seite drucken 
 zurück Seite versenden 
  Impressum Kontakt Sitemap