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Das Kino als Klassenzimmer
Im März liefen die 1. Schulkino-Wochen in Hessen
Von Erwin Heberling *

„Das Kino zum Klassenzimmer macher." Unter diesem Slogan fanden vom 19. bis 30. März erstmals in Hessen die Schulkino-Wochen statt, ein Projekt der in Potsdam ansässigen Initiative „Vision Kino“. Kooperationspartner in Hessen waren das Deutsche Filminstitut in Zusammenarbeit mit dem Film- und Kinobüro Hessen. Insgesamt 70 Kinos waren hessenweit an der Aktion beteiligt. Wie schon in anderen Bundesländern zuvor wurde ein Programm aus über 100 Filmen, aus Unterichtsmaterialien und begleitenden Workshops angeboten, um Kino und Film den Jugendlichen wieder als Ort der sinnlichen Wahrnehmung und des faszinierenden Kulturerlebnisses zu vermitteln.

Ein Unterfangen, das sich aber alles andere als leicht erweist. Zeigen doch die jüngsten Zahlen, daß der Filmtheaterbesuch in der Freizeitplanung von Kindern und Jugendlichen längst nicht an vorderer Stelle rangiert. Eine steigende Zahl von ihnen war sogar noch nie im Kino. Erfahrungen mit bewegten Bildern werden, wenn überhaupt, mit schneller verfügbaren Medien gesammelt. Von den Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren gehen nur 2 Prozent mehr als einmal pro Woche ins Kino, aber schon 23 Prozent schauen sich im gleichen Zeitraum mehr als eine DVD an.

Ambitionierte Kinder- und Jugendprogramme anzubieten ist allerdings auch für Lichtspielhäuser ein finanzielles Wagnis, das ohne eine Förderung oder mittels subventionierter Abspielprogramme kaum gestemmmt werden kann. So gibt es in Hessen schon seit vielen Jahren regelmäßige Angebote für Schulklassen wie zum Beispiel mit dem „Cinéfête-Festival" oder mit der vom Film- und Kinobüro organisierten Kinderkino-Initiative, die in vielen Orten überall in Hessen Woche für Woche ein anspruchsvolles Filmrepertoire für Kinder und Jugendliche ermöglicht. Neben Festivals und Abspielverbünden gibt es auch einzelne Kinos, die schon seit einigen Jahren erfolgreich mit Schulen kooperieren und Vormittagsvorstellungen organisieren.

Die Neugier für das Kino zu wecken - wie jetzt mit den Schulkino-Wochen - ist zugleich eine gesellschaftspolitische Aufgabe, die sich nicht allein den Kinobetreibern stellt und die umso dringlicher wird, je weniger das Kino von sich aus zur kulturellen Sozialisierung beiträgt. Ein Kanon wichtiger Kinofilme sollte zum Basiswissen eines jeden Schülers gehören. Dahinter steckt die Erkenntnis, daß Film auch Kunst ist und sich das Kino genauso wie ein Theater oder Museum als Ort der Kunstvermittlung und des Austausches versteht.

Die Einrichtung der Schulkinowochen sind ein wichtiger, längst überfälliger Schritt, weil damit seitens des Bundes und der Länder der politische Wille zum Ausdruck kommt, Filmkultur in den schulischen Alltag zu integrieren und die dazugehörigen Lehrerfortbildungen den anderen Weiterbildungsmaßahmen für Lehrkräfte gleichzustellen. Und ein zusätzlicher Erfolg ist es, daß es in einem Flächenland wie Hessen gelungen ist, auch Filmtheater kleinerer Gemeinden – jenseits der großen und mittleren Städte – in die Aktion mit einzubinden. Hierbei hat sich das im Film- und Kinobüro in den letzten Jahren entwickelte hessenweite Kinonetzwerk als sehr hilfreich erwiesen.

Mit den Schulkinowochen ist das Bewußtsein für die künstlerische Bedeutung des Films gewachsen, viele Lehrer haben die Bildungspotentiale des Kinofilms für ihren pädagogischen Alltag erstmals entdeckt. Ziel sollte sein, über die Schulkinowochen hinaus möglichst ganzjährige Angebote für Schulen zu organisieren und hierzu die Wünsche und Anregungen von Kinobetreibern und Lehrern aufzugreifen.

* Erwin Heberling ist Leiter des Film- und Kinobüros Hessen
Filmhaus Frankfurt e.V.
Ostbahnhofstr. 15
60314 Frankfurt
Tel.: 069 / 13 37 99 94
Fax: 069 / 13 37 99 96
info@filmhaus-frankfurt.de
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