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Aus dem Tagebuch eines Praktikanten

Fünf Wochen Dreharbeiten bei einem Fernsehfilm - ein Erfahrungsbericht

von Alexander Scherer

"Klar, kann man den Alex einsetzen." Der Regisseur hatte gerade sein OK gegeben für meine Mitarbeit – ich machte innerlich hundert Luftsprünge. Das war ein kleiner Durchbruch für mich. Es war das erste Mal, dass ich full-time bei einer professionellen Spielfilmproduktion für das Fernsehen dabei war. Der Titel: „Überflieger", eine ZDF-Produktion von Rolf Silber, geplant zur Ausstrahlung im Herbst.

Zwei Tage später mein erster Drehtag. Ich war gespannt, aufgeregt, neugierig. Wir drehten im Bahnhofsviertel, in einem Luxus-Apartment. Eine Szene, in der der Hauptdarsteller gerade von seiner Freundin verlassen wird, weil er seinen hochdotierten Job verloren hat.

Meine erste Aufgabe war, die Videoausspiegelung zu bedienen, was für den Rest der Drehzeit auch meine Hauptaufgabe war. Dafür hatte ich eine sogenannte „Videocombo", bestehend aus einem Fernseher samt VHS-Recorder, in eine große Alubox integriert, die auf einem Sackkarren transportiert wurde. Das Problem allerdings bestand darin, dass man einerseits immer präsent sein musste, damit die Regie, Continuity oder Kamera jederzeit das Bild kontrollieren konnten, aber andererseits schnell zum „Störenfried" wurde, da man irgendwie immer im Weg stand. So kam es denn, dass ich ständig hin- und herziehen musste.

Weitaus interessanter war die Arbeit mit den Komparsen. Hier hatte ich sogar ab und an die Chance, selbst ein wenig „Regie" führen zu dürfen - was bedeutete, die Komparsen zum richtigen Zeitpunkt durchs Bild laufen zu lassen, so dass es natürlich aussieht. Einer der Höhepunkte unserer Produktion war eine Szene an der alten Oper, bei der an die 35 Komparsen zum Einsatz kamen. Nicht weniger als auf das Timing und Dirigieren der Komparsen kommt es in solchen Situationen darauf an, die Komparsen während der mitunter langen Wartezeit zwischen zwei Einstellungen bei Laune zu halten. Denn das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass für einen Take die vorgesehen Komparsen oder Schauspieler nicht zur Stelle sind. Regel Nr.1 lautet daher, man sollte immer beide Augen auf seine „Schäfchen" werfen, die ab und an natürlich auch mal gerne verschwinden - und sei es nur, um sich beim Catering einen Kaffee zu besorgen.

Neben solch ungewollter Aufregung, hat die Arbeit am Set auch bald einen Anflug von Routine. Hatte ich ursprünglich erwartet, total aufgeregt zu sein und jeden Tag mit höchster Spannung zu erleben, stellte sich bald das Gefühl ein: das ist dein Job. Es war alles nicht mehr so spektakulär und neuartig.

Als besonders bemerkenswert empfand ich aber das Zwischenmenschliche. Jeder ist aufmerksamer, empfindsamer, ganz auf die Produktion und die Dinge, die passieren, eingestellt. Dementsprechend kann man natürlich als Neuling leicht in ein Fettnäpfchen tappen, ohne es zu wollen. Das sollte man als Praktikant beachten. Jeder verteidigt berechtigterweise sein angestammtes Revier, sprich Abteilung. Bemerkungen können leicht als drohende Einmischung in das eigene Aufgabengebiet wahrgenommen werden. Gleichzeitig bedeutet dieses erhöhte Maß an Sensibilität aber auch ein Zusammenrücken, der Teamgeist ist geweckt und das gemeinsame Ziel führt zu höchster Konzentration. Von der Ruhe, die an einem Set herrschen muss, hat sicher schon so mancher Klassenlehrer geträumt.

Und ja, die Tage sind natürlich lange und anstrengend. Nach Ende eines Drehtages passiert nicht mehr viel. Man ist müde, froh, dass der Tag hinter einem liegt und geht bald ins Bett, um wieder fit für den nächsten Drehtag zu sein. In den fünfwöchigen Dreharbeiten haben wir in fast jeder Ecke Frankfurts Aufnahmen gemacht: Bornheim, Bahnhofsviertel, Frankfurter Bürocenter, Hauptfriedhof und zuletzt im Maintower. Jetzt, nachdem alles vorbei ist, bleibt mir zu sagen, dass sich das Praktikum wirklich gelohnt hat. Nicht nur, weil ich etwas über Regie gelernt habe. Hier konnte ich einiges durch eigenes Beobachten mitnehmen, insbesondere wie man als Regisseur mit seinen Darstellern umgehen sollte. Und auch die Erfahrung der administrativen Abläufe am Set war aufschlussreich. Die wichtigste Lektion aber war, wie wichtig Kommunikation ist. Die Arbeit im Team und die Kommunikation untereinander ist die Quintessenz, die alles andere erst möglich macht.

Filmhaus Frankfurt e.V.
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