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Auf schmalem Grat

Wie kann sich die hessische Filmszene gegenüber der Politik künftig besser artikulieren? Der Versuch einer Standortbestimmung beim Jour Fixe des Filmhauses Frankfurt.
von Daniel Güthert
 
Alarmiert durch drohende Sparbeschlüsse 2004, hatte sich das Filmhaus Frankfurt – zusammen mit dem Film- und Kinobüro Hessen – entschlossen, den Dezember-Jour Fixe dem Thema Selbstdarstellung der Branche zu widmen. Wie kann man sich gegenüber der Politik angemessen positionieren? Wie kann man die Interessen der Branche gebührend zur Geltung bringen, zumal mit Udo Corts (CDU) ein neuer Minister im Amt für Wissenschaft und Kunst angetreten ist?

Klar wurde jedenfalls sehr schnell, dass etwaige Kürzungen bei der kulturellen Filmförderung – die Rede ist von 16 Prozent in 2004 – für viele Filmemacher und Kinobetreiber existenzbedrohend wären. "Das wäre eine Katastrophe", wie Uschi Madeisky (Vorstand Film- und Kinobüro) erklärte. Das Gros der Low Budget- und Dokumentarfilmproduktionen sei ohnehin schon am unteren Rande der Finanzierung angelangt. Weitere Einschnitte wären das Ende etlicher Projekte.

Nicht sehr viel anders stellte sich die Einschätzung des Kinobüros Hessen dar, wie dessen Leiter Paul-Rainer Wicke ausführte. In der Fläche sei Filmkunst kaum noch anzutreffen. Maximal 10 Kinos im Land seien noch bereit, regelmäßig anspruchsvolle Arthouse-Programme auf die Leinwand zu bringen. Von daher sei die Abspielförderung durch das Kinobüro ein elementarer Baustein, sollen Angebote jenseits des rein kommerziellen Repertoires noch eine Chance haben. Derzeit werden die geförderten Projekte aus einem Topf von 100.000 Euro bezuschusst.

Als Makulatur kritisierte Wicke dagegen die von der Landesregierung propagierte regionale Wirtschaftsförderung. Die Richtlinien seien so restriktiv, dass allenfalls ein Dutzend Filmtheater antragsberechtigt seien. Wünschen würde er sich statt dessen ein Modell, das in Baden-Württemberg praktiziert werde, eine Art "Komplementärförderung": spendiert die Kommune Mittel für die Kinoarbeit, legt das Land seinerseits denselben Betrag noch mal drauf. Offenkundig habe sich im Nachbarland herumgesprochen, dass "solche Maßnahmen nachhaltig zur Infrastrukturverbesserung und Aufwertung der Ortschaften beitragen".

Aus der Sicht des Filmhauses legte Lydia Goll (Vorstand Filmhaus) den Akzent auf zwei wesentliche Aspekte: nämlich auf Mängel in der Ausbildungs- und Arbeitssituation der Filmschaffenden in Hessen und auf die Defizite bei der Außendarstellung des Standortes.
Sie beklagte, dass Hessen – anders als viele benachbarte Bundesländer - in den klassischen Berufsbildern keine institutionell gefestigte Ausbildung vorzuweisen habe, ausgestattet mit Etats, die jungen Filmschaffenden die Möglichkeit eigener Projekte einräumten.

Und ganz und gar unbefriedigend seien die bisherigen Instrumente der Außendarstellung, die über Ansätze öffentlicher und internationaler Repräsentanz kaum hinausreichten. "Wir brauchen eine auf Service eingerichtete Institution, die sich den Anliegen der Filmbranche in voller Breitenwirksamkeit widmen kann", war ihre Forderung.

In punkto Kommunikation sieht auch Christel Brunn, Geschäftsführerin der tvt-postproduction, das entscheidende Manko. Sie plädierte dafür, die Kräfte zu bündeln und "mehr politische Lobbyarbeit zu leisten". Wie der jüngst vorgelegte erste Kulturwirtschaftsbericht der Landesregierung zeige, sei die Politik hinreichend sensibilisiert für das Phänomen "Kultur als Wirtschaftsgut". Ansonsten wäre auch das Förderprogramm Hessen-Invest Film nicht zustande gekommen. Hier gelte es, so Christel Brunn, substantieller zuzuarbeiten.

Sebastian Popp (eDIT/VES) dagegen warnte vor "kleinkariertem Nischendenken". Er forderte eine selbstkritische Debatte, wie und wo innerhalb des Filmsektors selbst Einsparungen am ehesten zu verkraften seien. Denn an Kürzungen wird die Film- und Kinoszene nicht vorbeikommen. Vielmehr könne man sich glücklich schätzen, wenn sie nicht höher als die genannten 16 Prozent ausfielen.

Im Verlauf der Diskussion wurde noch eine Vielzahl weiterer Aspekte aufgeworfen. Wieso sei die Kooperation mit den verschiedenen Sendern am Standort Rhein-Main nicht intensiver? Könne man nicht die beiden Institutionen Filmhaus und Filmbüro zusammenlegen, um so die Schlagkraft nach außen zu erhöhen? Warum beteilige sich das ZDF nicht an der kulturellen Filmförderung in Hessen? Was könne das Filmhaus künftig tun, um in diesen Fragen voranzukommen?

Ideen und Anregungen sollten gesammelt werden, auch aus dem Plenum, das gewohnt zahlreich vertreten war. Aber mehr als ein erster Informations- und Gedankenaustausch wollte letztendlich nicht herausspringen. Immerhin versprach Moderator Ralph Förg (Filmhaus), den angelaufenen Diskussionsprozess weiterzuführen, um die Interessen im Dialog mit der Politik zukünftig gezielter bündeln und vertreten zu können.

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