| Wie steht es um die internationale Filmkultur in Frankfurt am Main? - Ein Gespräch im Filmhaus Frankfurt über Filmreihen, Festivals und Programmkinos. Von Daniel Güthert Welch eine Ambivalenz. Knapp zwei Stunden diskutiert ein Handvoll Kinoleiter und Festivalmacher beim Jour fixe des Filmhauses Frankfurt über das internationale Filmangebot der Mainmetropole, über Werkschauen, Cineastenreihen, Festivals - ohne daß auch nur einmal das Stichwort "Internationales Filmfestival" fiele. Ganz am Schluß dann aber doch noch die Gretchenfrage, "Braucht Frankfurt ein großes Internationales Filmfestival?", von Moderator Ralph Förg (Filmhaus) in die Runde geworfen. Und siehe da: so sehr man sich zuvor für internationales Flair, für den Austausch der Kulturen ins Zeug gelegt hat, so verhalten fällt plötzlich die Reaktion des Podiums aus. "Wäre schön, wenn man es hätte. Aber es müßte nicht unbedingt sein", so etwa Holger Ziegler, Leiter des Festivals "Nippon Connection". Unüberhörbar vor allem die Sorge, ein Glamourfestival könnte finanziell zu Lasten der jeweiligen eigenen Projekte gehen, indem die ohnehin spärlichen Fördermittel zusätzlich gekappt würden. Denn alle alternativen, nicht am Mainstream orientierten Häuser und Initiativen befänden sich, so Klaus Peter Roth vom Filmforum Höchst, mehr oder minder in der Defensive. Da hinterlasse die gigantische Werbewalze, mit der die US-Majors über die Kinolandschaft hinwegfegten, deutlich ihre Spuren. Um so erstaunlicher andererseits - aus Sicht zumindest des uneingeweihten Beobachters, wieviele Festivaltermine gleichwohl allein Frankfurt zu bieten hat. Vom Umland gar nicht zu reden. Kein Monat, in dem man sich nicht irgendeiner cinematographischen Länderschau widmen könnte. Eine Massierung an Angeboten, die, wie Ulrike Stiefelmayer vom Filmmuseum einräumen muß, auch schon mal zu Terminverschiebungen gezwungen habe. Allein das Filmmuseum hat jährlich immerhin ein knappes Dutzend Festivals und aberzählige Filmreihen zu Gast, angefangen vom italienischen Kino ("Verso Sud") und neuerdings koreanischen ("CoreAction"), über "Africa Alive" oder das Türkische Filmfestival, bis hin zum Kinderfilmwettbewerb "Lukas" und der französischen Sektion "Cinéfête". Doch die Leiterin des Kommunalen Kinos im Filmmuseum ist überzeugt, daß es nur durch glanzvolle Ausstellungen und Sonderveranstaltungen möglich ist, sich als Institution zu behaupten. "Festivals bündeln das Interesse." Und wenn es nach er ginge, würde sie am liebsten noch mehr machen und die Veranstaltungen möglichst durch ein vielfältiges Rahmenprogramm ausweiten, durch Lesungen, Workshops, Diskussionen. Allerdings reiche die Personaldecke für den dafür erforderlichen Mehraufwand derzeit nicht aus. Dabei zeigt sich Ulrike Stiefelmayer mit den Zuschaurzahlen zufrieden. Zwischen 2.000 und 5.000 Besuchern zählten die einzelnen Termine, so daß Frankfurt im Vergleich etwa mit dem "Arsenal" in Berlin oder dem "Kommunalen Kino" Hamburg recht gut abschneide. Noch erfolgreicher allerdings stellt sich die Bilanz von Holger Ziegler dar. In ihrer gerade mal vierten Auflage hat es die japanische Filmschau "Nippon Connection" heuer geschafft, 15.000 Zuschauer zu den diversen Programmen auf dem Campus der Goethe-Universität zu locken. Sehr zufrieden gibt sich aber auch Klaus-Peter Roth mit dem Zuspruch beim diesjahrigen Programm von "Cuba im Film" oder "Africa Alive". Dabei stützt er sich gern auf die gewachsene Zusammenarbeit mit dem "Dritte-Welt-Haus", auf deren Initalzündung das Kuba-Festival zurückgeht, und auch der VHS und anderen Gruppen, die zu verläßlichen Besucherzahlen beitragen. Denn Werbung zu schalten, Plakate anzubringen ist angesichts knapper Etats kaum machbar. Maximal 60 Plakate etwa im U-Bahnbereich könne man finanzieren, während die großen Veranstalter durchaus aberhunderte von Werbeträgern bemühten. Unisono empfinden aber alle Diskussionsteilnehmer die ungenügende Präsenz der Filmkultur in der Öffentlichkeit. Zum Teil wird dafür das vermeintlich schwindende Interesse der Filmkritik verantwortlich gemacht. Zum anderen werden die unzureichenden Marketingetats beklagt, um kleine Filme im Wettbewerb mit den großen amerikanischen Verleihern durchsetzen zu können. Und dennoch ist sich Holger Ziegler gewiß, daß sich die Frage nicht auf das Geldproblem reduzieren lasse. Filmkultur entstehe seiner Auffassung nach erst in der Auseinandersetzung mit dem Medium, in Diskussionsforen und Podiumsgesprächen um den Film herum. So gesehen, scheint das Konzept von Nippon Connection bislang füglich aufzugehen. Aber spräche das nicht erst recht für eine Neuauflage auch eines Internationalen Filmfestivals für Frankfurt?
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