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Ein Grund zum feiern

20 Jahre Deutsches Filmmuseum in Frankfurt
Von Alexander Scherer
 
Seit Jahren prägt eine Institution das Frankfurter Kulturleben: das Deutsche Filmmuseum, das im Juli sein 20 jähriges Jubiläum feierte und mit seiner Arbeit sich längst auch international einen Namen gemacht hat. Beschäftigt man sich mit der Vorgeschichte des Hauses, so kann man ohne weiteres bis zur Gründung der deutschen Kinemathek 1963 zurückgehen. Was aber Frankfurt betrifft, so ist der eigentliche Beginn mit der Gründung des Kommunalen Kinos zu sehen. Damit sind zwei Namen untrennbar verknüpft: Hilmar Hoffmann, ehemaliger Frankfurter Kulturdezernent, der das Kommunale Kino 1971 ins Leben rief, das erste öffentlich subventionierte Lichtspieltheater der Bundesrepublik, und Walter Schobert, bis vor kurzem Leiter des Hauses. Ziel war es, dem unbequemen Film ein Forum zu bieten; besonders die Anfangsjahre waren davon geprägt.

Wesentliches Fundament für den späteren Aufbau des Deutschen Filmmuseum bildete dann das sogenannte Paul-Sauerländer-Archiv, das die Stadt 1976 auf Rentenbasis erworben hatte. Sauerländer, Vorsitzender des Filmclubs Frankfurt, war bekannt für seine Sammelleidenschaft filmhistorischen Materials und seine legendären Kinoabende bei sich zu Hause.

Damit war ein filmhistorischer Grundstock gesichert. Aber noch hatte das Filmmuseum kein eigenes Domizil. Basierend auf der Idee, ein Haus-im-Haus zu konzipieren, wurde das aus der Jahrhundertwende stammende Eckgebäude am Schaumainkai von dem Wiesbadener Architekten Helge Bofinger komplett entkernt und umgestaltet. Hier hielt das Deutsche Filmmuseum 1984 schließlich Einzug.

Was das Filmmuseum bis heute an Arbeit geleistet hat, kann sich sehen lassen: Seit 1984 hat es über 130 Ausstellungen zu deutschen und ausländischen Filmschaffenden sowie themenbezogene Ausstellungen zur Filmgeschichte veranstaltet. Abgesehen von der kürzlich abgelaufenen Stanley Kubrick-Ausstellung haben für Hans-Peter Reichmann, derzeit kommisarischer Leiter des Filmmuseums, die beiden Sonderausstellungen zum deutschen Nachkriegsfilm die größte Bedeutung. Denn dadurch sie es möglich gewesen, die Arbeit derjenigen in den Blickpunkt zu rücken, deren Namen beim Film gerne vergessen werden: der Setdesigner, Kostümbildner oder Requisiteure.  Auch dieses Jahr sind die Aktivitäten des Filmmuseum vielfältig: Nach dem Erfolg der Kubrick Ausstellung, wird es endlich wieder eine Neuauflage des Kinderfilmfestival LUCAS geben und für Ende des Jahres ist eine Sonderausstellung zum Thema „Engel im Film“ geplant, deren Schirmherrschaft Wim Wenders übernehmen wird. Neben längerfristigen Projekten wie der von Ronny Loewy geleiteten "Cinematographie des Holocausts", eine Kooperation mit dem Fritz-Bauer-Institut und dem DIF, soll außerdem auch die Restauration eines Stummfilms aus dem Archiv wieder in Angriff genommen werden.

So ist das Filmmuseum kaum mehr aus dem kulturellen Leben der Stadt wegzudenken, was auch hier wieder eine Zahl eindrucksvoll belegen kann: bis einschließlich 2003 verzeichnete das Filmmuseum über 2,8 Millionen Besucher. Wenn das kein Grund zum Feiern ist! Doch bei allem Positiven gibt es gleichwohl einiges, was die Freude am Feiern eintrübt. Allem voran der Platzmangel, der nicht zuletzt mit der umstrittenen Haus-in-Haus Konzeption zusammenhängt. Auch was die Finanzausstattung des Hauses anbetrifft, ist der Wunschzettel mit den Jahren eher länger geworden. In punkto Personalausstattung bliebe zu kritisieren, daß für neue Mitarbeiter das Geld fehlt, weshalb das Museum einen Großteil der Arbeit mit freien Kräften und Praktikanten bestreiten muß.

Um sich mit der Situation zu arrangieren, hat man sich entschlossen, die Ausstellungen publikumswirksamer zu gestalten. Aufwendiger, teurer. Nicht ohne Risiko. Denn um die Gelder einzuspielen, ist man zum Erfolg verdammt. Deshalb sind Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Museen wichtig, wie auch Drittmittelakquise über Sponsoren aus der freien Wirtschaft. Als gute Einnahmequelle erweist sich der Publikationsverkauf - hier ist so gut wie alles vergriffen. Insofern bleibt nur zu wünschen, daß die Politik nicht nur bei Großereignissen wie der Kubrick-Ausstellung oder der Jubiläumsfeier mit dabei ist, um sich im Glanz dieser Erfolge zu sonnen, sondern die kontinuierliche Museumsarbeit besser unterstützt.

 

Filmhaus Frankfurt e.V.
Ostbahnhofstr. 15
60314 Frankfurt
Tel.: 069 / 13 37 99 94
Fax: 069 / 13 37 99 96
info@filmhaus-frankfurt.de
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