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"Hessen muss sein Imagedefizit abbauen"

Interview mit dem Hessischen Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts (CDU)
Von Daniel Güthert
 
Seit eineinhalb Jahren im Amt, legt sich Udo Corts mächtig ins Zeug für die hessische Film- und Medienszene. Dabei hat er vor allem den Dialog mit der Branche intensiviert und in regelmäßiger Folge eine Vielzahl von Workshops und Fachgesprächen abgehalten. Daraus abgeleitet, sollen im Herbst nun neue Leitlinien zur Zukunft von Film und Medien in Hessen verabschiedet werden. Was also kann die Branche erwarten - angesichts zunehmender Mittelkürzungen? Dazu äußerte sich – noch vor der Sommerpause – der Staatsminister im Gespräch mit GRIP.

GRIP: Herr Minister, in den vergangenen Monaten haben Sie eine Vielzahl von Branchenmeetings abgehalten. Was ist dabei herausgekommen?
CORTS: Wichtig war für mich erstmal, Erfahrungen zu sammeln und festzustellen, daß hier ein erstaunliches Potential vorhanden ist, das aber ausgebaut werden muß. Vor allem auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Damit meine ich die gesellschaftliche Anerkennung - Film als Medium der Zukunft, der Kultur, der technologischen Innovation und nicht zuletzt als wirtschaftlicher Standortfaktor - das muß meines Erachtens verbessert werden und daran werden wir arbeiten. Also es war für mich ein Einstieg in das Thema, um nun in den nächsten Jahren die verschiedenen Facetten aufzubereiten.

GRIP: In dem Konzeptpapier, das derzeit vorbereitet wird, heißt es, die hessische Film- und Medienbranche brauche ein eigenständiges Gesicht – was ist damit gemeint?
CORTS: Nun, beim Thema Film fällt kaum jemandem Hessen ein. Niemandem ist die Bedeutung des Standortes so bewußt, obwohl die Medienbranche in Hessen mit über 80.000 Arbeitsplätzen und 2,4 Milliarden Euro Umsatz ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist. Diese Diskrepanz – dieses Imagedefizit - möchte ich abbauen.

GRIP: Und mit welchen Maßnahmen wollen Sie das erreichen?
CORTS: Also, zum Beispiel mit dem Hessischen Filmpreis, den wir nicht mehr in Wiesbaden, im kleinen Zirkel veranstalten wollen, sondern in einem neuen, repräsentativen Rahmen. Dafür haben wir im Vorjahr mit der Buchmesse einen attraktiven Partner gefunden, zumal die Buchmesse in ihrer Bedeutung dafür eine einzigartige Chance bietet. Abgesehen davon, daß Buch und Film auch eine Art Verwandtschaftsgrad verbindet. Und mit diesem Partner im Boot kommen zusätzliche Interessenten auf uns zu, die sich am Preis beteiligen wollen, wie etwa mit dem Preis für die beste internationale Literaturverfilmung, ausgelobt von der Buchmesse Frankfurt und der "ZEIT".
Ein weiteres Beispiel wäre der Bereich Postproduktion. Mit der Postproduction-Messe "eDIT" hat sich Frankfurt ein inzwischen international anerkanntes Forum gesichert. Auch das werden wir konsequent weiterführen.
Aber auch Nischenfelder sind diskutiert worden, in denen Hessen Spitzenpositionen einnimmt, wie im Dokumentarfilmsektor oder mit dem Kinderfilmfestival. An diesen Schnittstellen werden wir ansetzen und Schwerpunkte für die Zukunft herausbilden.

GRIP: Apropos Filmpreis – kann denn eine glitzernde Filmgala die substantielle Filmförderung ersetzen?
CORTS: Nein sicherlich nicht – aber unterschätzen Sie die Ausstrahlung nicht, die von einer solchen Veranstaltung ausgeht. Damit erreichen wir genau jene Wirkung, an der es in Hessen bislang gefehlt hat: die Strahlkraft der Film- und Medienwirtschaft in Hessen.

GRIP: Dafür wird andererseits der ohnehin spärliche Filmfördertopf angezapft, der nach der jüngsten Kürzung gerade noch 1,1 Millionen Euro enthält?
CORTS: Nein, überhaupt nicht. Denn die Mehrkosten werden aus anderen Etatansätzen und durch Sponsoren abgedeckt. Das geht nicht zu Lasten der kulturellen Filmförderung des Landes.

GRIP: Gehören in diesen Kontext nicht auch Überlegungen, wie die Außenrepräsentanz Hessens als Filmland verbessert werden könnte. Auf Festivals, Kongressen und dergleichen?
CORTS: Ja, in einem Punkt sind wir uns einig: in Zukunft auf der Berlinale präsent zu sein, vertreten mindestens durch mich, gegebenenfalls auch durch den Ministerpräsidenten. Aber weitergehende Pläne gibt es diesbezüglich nicht. Das wäre aus meiner Sicht noch zu früh.

GRIP: Als weiteres Ergebnis der Sondierungsphase mit der Filmbranche zeichnet sich ab, daß die wirtschaftliche und kulturelle Filmförderung künftig unter einem Dach, nämlich bei Ihnen zusammengefaßt werden soll. Was versprechen Sie sich davon?
CORTS: Wir haben das als Auftrag aus den Filmworkshops mitgenommen, daß es begrüßt würde, wenn es nur einen Ansprechpartner in der Landesregierung für die Belange der Filmwirtschaft gäbe. Auf dieser Grundlage bin ich in Gespräche mit dem Wirtschaftsminister Alois Rhiel eingetreten, und wir haben insoweit Einigkeit erzielt. Allerdings muß diese Verabredung nach der Sommerpause formal noch durch das Kabinett, aber ich sehe da keine Stolpersteine.
GRIP: Aber stellt diese Konstruktion nicht ein unzulässige Verquickung von kulturellen und wirtschaftlichen Aspekten der Filmförderung dar?
CORTS: Nun, ich denke, die Zusammenlegung wird die Filmförderung stärken; denn durch die Bündelung der Finanzmittel in einer Hand wird auch die politische Verhandlungsposition des Ressortchefs gestärkt, und man hat, je nach Budget, ganz andere Möglichkeiten. Und zum andern glaube ich, daß die Trennung willkürlich ist: denn wir brauchen im Grunde den wirtschaftlich erfolgreichen Film, um am Ende wieder den kulturell interessanten Film fördern zu können.

GRIP: Fällt denn unter die Bündelungspläne auch das Förderprogramm "hessen-media"? Oder wird das gesondert behandelt künftig?
CORTS: Nein, auch "hessen-media" fiele dann in mein Ressort, soweit es Maßnahmen der Film- und Kinobranche betrifft, wie beispielsweise die Postproduction-Messe eDIT, das Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest, das Locationbüro Hessen und anderes.

GRIP: So vielversprechend sich die Zusammenlegung auch anhört, so fraglich ist doch, ob es die wirtschaftliche Förderung, also das Programm Hessen-Invest-Film nächstes Jahr überhaupt noch geben wird. War Hessen-Invest-Film nicht vielleicht bloß eine Eintagsfliege?
CORTS: Sie spielen vermutlich darauf an, daß ein Großteil der Mittel aus dem Topf schon abgerufen ist ...

GRIP: ... immerhin sind von den 7,6 Millionen bereits 7,0 Millionen Euro ausgelobt - den Vergabetermin Ende August gar nicht mitgerechnet.
CORTS: Nach meinem Kenntnisstand gemäß Finanzministerium sind noch über einen Million Euro verfügbar. Aber richtig ist natürlich, daß die Mittel zu Ende gehen. Und meine Aufgabe wird es sein, diese Mittel wieder aufzustocken, was unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht ganz leicht ist. Aber man muß das auch auf einen Zeitraum von 5 bis 10 Jahren sehen. Da kann sich im wirtschaftlichen Umfeld schnell wieder einiges ändern.

GRIP: Als Hessen-Invest Film Anfang 2002 endlich startete, war man allgemein voller Euphorie, über einen sich selbst tragenden Fonds zu verfügen. Nun ist der Fonds nahezu leer, Rückflüsse sind so gut wie keine gekommen. War die Konstruktion falsch?
CORTS: Nein, wir müssen schlicht akzeptieren, daß nicht jeder Film ein Schlager sein kann. Das Geschäft ist naturgemäß risikobehaftet, das muß man wissen. Und den Kennern wird von vornherein klar gewesen sein, daß die Rückflüsse nicht in Höhe der Darlehenszusagen zurückkommen werden. Aber gegebenenfalls muß in dem einen oder Punkt nachgebessert werden. Das muß ich mir näher anschauen, sobald die Zusammenführung der Förderprogramme verabschiedet ist.

GRIP: Herr Minister, kommen wir noch mal auf die kulturelle Filmförderung des Landes zu sprechen. Trotz aller Beschwörungen des Film- und Medienstandortes Hessen ist das magere Förderbudget von 1,4 Millionen Euro in diesem Jahr um 25 Prozent gekürzt worden ist. Wie verträgt sich das mit Ihren Aufbruchsformeln?
CORTS: In der Politik müssen Sie grundsätzlich Optimist sein. Ich gehe einfach davon aus, daß die Wirtschaft auch wieder anziehen wird, und dann ist es gut, die Weichen rechtzeitig gestellt zu haben. Wir nutzen also die wirtschaftlich schwierige Phase für die Weichenstellung. Ich bedaure persönlich außerordentlich die Einschnitte, aber Sie können nicht auf Dauer eine Milliarde Euro mehr ausgeben als Sie haben. Im übrigen sind die Kürzungen beim Film unterproportional erfolgt und für 2005 rechne ich wieder mit einer moderaten Etatsteigerung.

GRIP: Aber von welchem Niveauansatz aus?
CORTS: Ich werde mich bemühen, daß die Fortschreibung um einige Prozentpunkte über dem gekappten Volumen von heute liegen wird. Aber die Kürzung insgesamt werden wir nicht wettmachen können. Es hat sich ja auch nichts an der steuerlichen Einnahmesituation geändert.
 

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